Veranstaltungsberichte

„Das Allheilmittel gibt es nicht!“

Dialogprogramm zur Terrorismusbekämpfung in Westafrika

Für ein derart komplexes Problem wie das des gewalttätigen Extremismus gibt es keine einfachen Lösungen. Das wurde deutlich bei einem mehrtägigen Austausch zwischen westafrikanischen Terrorismusexperten und Vertretern der UNO sowie relevanter Think Tanks in New York. Es braucht umfassende Antworten, die auf ganz unterschiedlichen Ebenen von Staat und Gesellschaft ansetzen, um dieses Problems Herr zu werden. Die Experten waren sich darüber hinaus einig, dass Bekämpfungsstrategien, die ausschließlich auf militärische Sicherheit abzielen, keine langfristigen Lösungen bieten.

Westafrika gilt als eine der Weltgegenden, wo die Terrorismusgefahr künftig sogar noch steigen könnte. Länder, in denen der Friede nach langjährigen Bürgerkriegen brüchig ist – wie beispielsweise in der Elfenbeinküste – bieten ein attraktives Terrain für terroristische Gruppierungen. Das gleiche gilt für Gegenden, die von Spannungen zwischen verschiedenen Religionen oder jeder anderen Form von Konflikten sowie von Armut geprägt sind. Vertreter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) bestätigten im Zuge der geführten Gespräche auch, dass Ungerechtigkeiten in einer Gesellschaft sogar einen noch fruchtbareren Nährboden für gewalttätigen Extremismus darstellten als Armut.

Grundsätzlich begünstigten Veränderungen in der globalen Weltordnung, wie wir sie gerade erleben, die Ausbreitung von terroristischen Gruppierungen, so eine Terrorismusforscherin von der Columbia University in New York, die die westafrikanischen Experten zum Gespräch getroffen hat. Verstärkte Zusammenarbeit und strategische Partnerschaften im Bereich der Terrorismusbekämpfung seien daher heute wichtiger als je zuvor, waren sich viele Experten einig.

Im Zuge der geführten Gespräche mit Vertretern verschiedener UN-Organisationen und Think Tanks in New York wurden folgende Herausforderungen auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung identifiziert:

  • Terroristische Gruppen verändern sich ständig, die aktuellen Trends und Entwicklungen zu verfolgen, erfordert umfangreiche Ressourcen.
  • Die Zusammenarbeit im Bereich der Terrorismusbekämpfung und –prävention verschiedener UN-Organisationen mit regionalen Akteuren vor Ort erfordert ein hohes Maß an Koordination. Regionale Organisationen haben zwar das nötige Wissen und die Zugänge, nicht immer jedoch die entsprechenden Mittel. Manchmal entsteht so ein Wettstreit zwischen den verschiedenen Akteuren im Feld, der dem eigentlichen Ziel nicht förderlich ist.
  • Nicht alle UN-Mitgliedsstaaten wollen ihre Aufgaben im Bereich der Terrorismus-Prävention immer wahrnehmen. Dabei ist klar, dass Vorbeugung der effizienteste Weg ist, um gewalttätigen Extremismus bereits in seiner Entstehungsphase zu verhindern.

Gemeinsam mit den westafrikanischen Experten aus dem Netzwerk der Konrad-Adenauer-Stiftung wurden auch Empfehlungen für die Bekämpfung des Terrorismus in Westafrika formuliert, die folgend auszugsweise skizziert werden:

  • Die effektivste Strategie ist es, an der Wurzel des Problems anzusetzen: in friedlichen, wirtschaftlich prosperierenden und toleranten Gesellschaften hat gewalttätiger Extremismus keine Chance, Fuß zu fassen.
  • Mehrfach genannt wurde der „Whole-of-society-approach“ – der beinhaltet, dass auf allen gesellschaftlichen und staatlichen Ebenen angesetzt werden muss, wenn man erfolgreich der Ausbreitung von terroristischen Gruppierungen entgegenwirken will. Als einige Beispiele hierfür wurden Aktivitäten zur Stärkung des Rechtsstaats, eine intensive Involvierung der Zivilgesellschaft und eine gute Zusammenarbeit mit Religionsvertretern sowie mit Vertretern von Medien und Sozialen Medien genannt.
  • Entwicklungs- und Sicherheitsbemühungen können einander sinnvoll ergänzen, es ist aber nötig, sie klar voneinander zu trennen.
  • Aktivitäten, die den sozialen Zusammenhalt fördern, müssen nicht zwangsläufig immer mit einer sicherheitspolitischen Komponente ausgestattet werden, um vorbeugend gegen Extremismus zu wirken. Schon alleine die Förderung des sozialen Zusammenhalts an sich kann eine hohe präventive Wirkung haben.
  • Bewusstseinsbildung für die Problematik muss v.a. auch auf lokaler Ebene und in Schulen passieren.
  • Bei einem Punkt waren sich die Experten besonders einig: Ansätze, die ausschließlich auf militärische Sicherheit abzielen, bieten keine mittel- bzw. langfristigen Lösungen.

Wo diese mittel- bzw. langfristigen Lösungen genau zu finden sind und wie sie aussehen könnten, konnte im Rahmen dieses Dialogprogramms natürlich nicht erschöpfend behandelt werden. Klar wurde jedoch: um die Ausbreitung von Extremismus und Terrorismus zu verhindern, müssen viele verschiedene Akteure, von der Dorfschule bis zu hochrangigen UN-Mitarbeitern, an einem Strang ziehen, um möglichst ganzheitliche Ansätze zu entwickeln und umzusetzen. Die im Rahmen dieses Dialogprogramms gewonnenen Einblicke in die Arbeit der Vereinten Nationen im Bereich Terrorismusbekämpfung sowie die geknüpften Kontakte stellen eine wichtige Ressource für die Arbeit aller Delegationsteilnehmer vor Ort dar.

Hintergrundinformation

Vom 13. bis zum 16. Mai 2018 nahmen folgende Personen am Dialogprogramm „Violent Extremism as a threat to Global Security and Development: Counter strategies for Western Africa“ teil, das von der KAS New York in Zusammenarbeit mit dem Regionalprogramm Sicherheitspolitischer Dialog Subsahara-Afrika der KAS (s. Link in der Seitenspalte) organisiert wurde:

  • Col. (ER) Babacar Diouf: Berater des Generaldirektors des “Centre des Hautes Etudes de Défense et de Sécurité” (CHEDS) in Dakar, Senegal, Direktor der Forschungsabteilung; Das CHEDS organisiert das Dakar International Forum on Peace and Security in Africa (s. Link in der Seitenspalte), die bedeutendste Konferenz zur Sicherheitspolitik in Afrika;
  • Col. Koffi Daniel Konan: Forces Republicaines de Cote d'Ivoire (FRCI), verantwortlich für die Vorbereitung von Soldaten für internationale Einsätze;
  • Dr. Botiagne Marc Essis: Direktor des Instituts für Politikwissenschaft, Institut Universitaire d’Abidjan, Herausgeber der “Ivorian Review of Governance and Strategic Studies (RIGES)”;
  • Tinko Weibezahl: Leiter des Regionalprogramms Sicherheitspolitischer Dialog Subsahara-Afrika, Konrad- Adenauer-Stiftung, Abidjan, Côte d’Ivoire.
  • Zusätzlich zu den geführten Gesprächen fand auch eine Diskussionsveranstaltung im KAS-Büro zum Thema „Partners in Security Building in West Africa – UN, EU and the G5-Forces“ statt, an dem verschiedene Experten aus dem Umfeld der Vereinten Nationen teilnahmen und mitdiskutierten.