Vortrag

Ankunft im Westen! – Wandel sozialer Milieus und Wertekontinuität in Ostdeutschland

Im Rahmen der Ringvorlesung „Wie schmeckte die DDR?“

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Freistaat Sachsen, der TU Dresden und dem Stadtmuseum Dresden

Details

Artikel und Bücher sind über die DDR geschrieben worden, einzelne Aspekte des Systems wurden intensiv analysiert und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich das Phänomen „DDR“ einer gerechten Wahrnehmung zunehmend entzieht.

Einerseits neigt ein Großteil der ehemaligen DDR-Bürger zur Verklärung der Vergangenheit. Im Verhältnis zur Gegenwart scheint dann die Vergangenheit ein geradezu erstrebenswerter Zustand gewesen zu sein. Andererseits legt die Bewertung und Aufarbeitung der DDR ihren Fokus auf die verdrängten Teile der Diktaturerfahrung. Sie will und soll bewusst machen, wie verbrecherisch geschlossene Systeme werden können, wenn jede Form einer externen Normierung verloren geht. Wenn man als ehemaliger DDR-Bürger ausschließlich mit diesen Fakten konfrontiert und identifiziert wird, fühlt man sich missverstanden.

Beide Haltungen: Relativierung und Dämonisierung, präsentieren die extremen Pole des Umganges mit der DDR-Erfahrung. Sie werden dem damaligen Alltagserleben nicht gerecht. Nicht jeder lebte in ständiger Angst und dem Bewusstsein des totalen Überwachungsstaates. Das DDR-System war ein Ideologieschwellensystem, das besonders aktiv wurde, wenn man sich nicht systemkonform verhielt. Dann offenbarte es allerdings alle Dimensionen

eines totalitären Staates. Die (Lebens)Kunst des Einzelnen bestand darin, minimale Kompromisslinien zu finden und nicht vorauseilenden Gehorsam zu leisten. Deshalb wird es notwendig, Gewissenserforschung zu betreiben und sich zu erinnern, wie die DDR war und wie sie erlebt wurde.

Wir sollten beginnen, uns unsere Biographien zu erzählen!

Dr. Thomas Ahbe ist Sozialwissenschaftler und Publizist und lebt in Leipzig. In seiner Forschung beschäftigt er sich besonders mit der Sozialisation und Geschichte der ehemaligen DDR-Bürger und stellt dabei die Frage, ob und wie eine ostdeutsche Identität konstruiert wird. Ahbe veröffentlicht regelmäßig Beiträge unter anderem in der Berliner Zeitung und ist geschätzter Referent bei Vorträgen, Seminaren und Podiumsdiskussionen.

Prof. Dr. Michael Hofmann studierte Kultur- und Kunstwissenschaften und promovierte beziehungsweise habilitierte sich in der Kultursoziologie in Leipzig. Er lehrt zur Zeit als Privatdozent an den Universitäten Dresden, Leipzig und Jena. Den 2001 ins Leben gerufenen „Sonderforschungsbereich 580“ der Universitäten Halle und Jena zu den Gesellschaftlichen Entwicklungen nach dem Systemumbruch hat Hofmann mitgegründet und fungiert zur Zeit als dessen Geschäftsführer. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich vor allem mit den individuellen ostdeutschen Lösungen der internationalen Herausforderungen der Nachwendezeit.

Die Ringvorlesung findet zunächst bis zum 3. Februar 2009, immer Dienstag um 20.00 Uhr, im Festsaal des Stadtmuseums Dresden statt. Auf Wunsch senden wir Ihnen gern den Flyer zur Reihe mit allen Terminen und Themen in der Übersicht zu.

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Veranstaltungsort

Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden, Eingang: Landhausstraße

Referenten

  • Dr. Thomas Ahbe
    • Leipzig
  • Sozialwissenschaftler und PublizistPD Dr. Michael Hofmann
    • Universität Jena
    • Institut für Soziologie

Publikation

Wandel sozialer Milieus in Deutschland: Wie schmeckte die DDR?
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Kontakt

Dr. Joachim Klose

Dr

Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Sachsen

joachim.klose@kas.de +49 351 563446-0 +49 351 563446-10
Ankunft im Westen! – Wandel sozialer Milieus und Wertekontinuität in Ostdeutschland