Veranstaltungsberichte

Der erste Riss in der Mauer

Deutsch-ungarische Ausstellung zum Paneuropäischen Picknick im August 1989

„Es war in Ungarn, wo der erste Stein aus der Mauer geschlagen wurde“ – Schon Bundeskanzler Helmut Kohl war klar, dass der Eiserne Vorhang 1989 nicht nur durch die Demonstrationen in der damaligen DDR zu Fall gebracht wurde.

Menschen in vielen Ländern des Ostblocks begehrten gegen die staatliche Unterdrückung auf. Am 19. August 1989 luden zivilgesellschaftliche Gruppen zu einem Picknick an der österreichisch-ungarischen Grenze in Sopron ein. Während dieses „Paneuropäischen Picknicks“ sollte symbolisch ein altes Grenztor geöffnet werden. Hunderte angereiste DDR-Bürger nutzten die Möglichkeit zur Flucht – und fanden sich wieder in der Freiheit jenseits der Grenze.

Ein Vierteljahrhundert später, inmitten der Jubiläen der deutsch-deutschen Grenzöffnung und Wiedervereinigung, wird diese Episode oft übersehen.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung eröffnete deshalb am 30. September 2014 in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden die Ausstellung „Der erste Riss in der Mauer – Das Paneuropäische Picknick in Sopron“. Das deutsch-ungarische Ausstellungsprojekt zeigt mittels Originalexponaten und Zeitzeugen-Interviews, wie das „Paneuropäische Picknick“ entstand und welche Wirkung es entfaltete.

Joachim Klose, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Sachsen, würdigte die historische Bedeutung des Paneuropäischen Picknicks: „Für diesen Mut werden wir den Ungarn ewig dankbar sein“.

Auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz äußerte ihre Dankbarkeit. Ungarn sei für viele DDR-Bürger das einzige Tor in die Freiheit gewesen. Schon der Abbau der Grenzsicherungsanlagen in den Monaten vor dem „Paneuropäischen Picknick“ habe „auf dem Weg in die Freiheit einige große Steine aus dem Weg geräumt“. Auf Ungarisch bedankte sich Orosz sichtlich bewegt stellvertretend bei den anwesenden ungarischen Gästen.

Gergely Gulyás ordnete in seiner Rede das „Paneuropäische Picknick“ in die politischen Umwälzungen der damaligen Zeit ein. Der Vizepräsident der Ungarischen Nationalversammlung betonte: Die Anzeichen des Zerfalls des Ostblocks seien schon länger erkennbar gewesen.

Reformbemühungen auf höchster staatlicher Ebene, wie sie Michal Gorbatschow vorantrieb, gingen einher mit dem lautstarken Ruf nach Freiheit aus der Bevölkerung. In dieser Atmosphäre „wurde selbst ein Picknick zur revolutionären Tat“, so Gulyás.

Gulyás rief dazu auf, diejenigen Menschen zu würdigen, die bei Aufständen gegen die sozialistischen Regime oder bei versuchten Grenzübertritten ihr Leben ließen.

Selbst heute ließen sich noch Trennlinien im geeinten Europa erkennen. Unterschiedliche wirtschaftliche Voraussetzungen machten eine gemeinsame europäische Entwicklung schwierig. So müsste die Jugendarbeitslosigkeit in Europa entschlossener bekämpft werden.

Lauten Applaus gab es wenig später, als Jószef Czukor, Botschafter Ungarns in Deutschland, das Publikum daran erinnerte: „Die Friedliche Revolution: Das waren keine fremden Mächte – das waren Sie, das waren die Ostdeutschen.“

Der Fall des Eisernen Vorhangs sei von Menschen in ganz Europa erkämpft worden. Besonders stolz zeigte sich Czukor über das Leitmotiv des Paneuropäischen Picknicks: Bei der Grenzöffnung sollte nicht nur die Freiheit der Ungarn erreicht werden, sondern auch die der anderen Staaten im Ostblock. Diese Solidarität sollte auch heute die europäische Idee ausmachen.

Die Ausstellung „Der erste Riss in der Mauer“ könne die Brücke zwischen den historischen Ereignissen und dem Heute schlagen, so Katrin Klonowski, die die Ausstellung mit konzipierte. Die reichlich 100 Gäste nutzten im Anschluss die Möglichkeit, durch die Ausstellung zu gehen und bei original ungarischer Gulaschsuppe den Abend ausklingen zu lassen.

Deutsch-ungarische Ausstellung vom 30.9. bis 31.10.2014

Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden, Bautzener Str. 112A, Dresden

Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr