Veranstaltungsberichte

GlücksOrte

Eröffnung der neuen Themenreihe

Am 24. April sprach Prof. Maximilian Forschner über die Zweideutigkeit des Glücksbegriffes.

Glücklich-Sein oder Glück-Haben? diese Frage gab den Impuls für die Auftaktveranstaltung der Reihe „GlücksOrte“.

Prof. Dr. Maximilian Forschner, emeritierter Professor der Philosophie an der Universität Erlangen-Nürnberg, näherte sich in seinem Vortrag dem Glückskonzept aus den Perspektiven verschiedener philosophischer Strömungen an. Sein Hauptaugenmerk galt dabei dem Utilitaristen John Stuart Mill.

Forschner begann mit einem alltäglichen Glücksbegriff, der zwei verschiedene Deutungen kennt: Erstens eine Person hat Glück und zweitens eine Person ist glücklich. Unter „Glück haben“ versteht man das dem Menschen widerfahrene Glück ohne sein eigenes aktives Zutun, zum Beispiel werde der Mensch in sein gesellschaftliches Umfeld hineingeboren. „Glücklich-Sein“ auf der anderen Seite beschreibe eine seelisch-geistige Verfassung. Beide Auslegungen stehen in Beziehung zueinander und ergeben zwei zentrale Fragen: Was macht die Menschen glücklich? und Worin besteht Glück? Die Aktualität des Themas zeigte der Referent anhand des Paradoxes der heutigen Zeit auf, in der trotz einer enormen Wohlfahrtssteigerung durch Massenkonsum und Technologiesierung die Suche nach dem Glück dennoch nicht befriedigt scheint. Die Ursachen der Unzufriedenheit des Menschen sollen im Rahmen philosophischer Interpretationen gefunden werden. Dabei betonte Forschner, dass John Stuart Mill die philosophisch plausibelste und praktisch tragfähigste Antwort auf dieses Problem gefunden habe.

Nach verschiedenen Verbindungen von Glück und Moral oder Glück und Vernunft im Sinne Kants und Sokrates‘ folgte der Schluss, dass das Glück des Menschen nach Mill vor allem Vergnügen und die Freiheit von Schmerz bedeute. Der Mensch unterscheide sich in diesem Vergnügen wesentlich von anderen Wesen durch seine höheren, seine geistigen, Fähigkeiten zu denen auch die Moral zähle. Diese werden ihm allerdings zum Verhängnis, da er nach Totalität und dem höchsten Glück strebt. Die Unmöglichkeit dies zu erreichen, führe zu einem endlosen unbefriedigten Glücksstreben. Dieser Aussicht zum Trotz, bleibe ein solches Leben dennoch erstrebenswerter als das eines einfachen Wesens. Mill fordere nicht mehr vom Leben zu erwarten, als es zu geben vermag. Das Plädoyer für eine, dem Egozentrismus entsagende, charakterliche und geistige Entwicklung bildete das abschließende Credo Mills und der Veranstaltung.

Für das Manuskript von Professor Forschners Vortrag wenden Sie sich bitte direkt an das Bildungswerk.

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