Ein regionales Risiko mit grenzüberschreitenden Folgen
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Verschlechterung der Sicherheitslage im Sahel und der zunehmenden terroristischen Aktivitäten in den Küstenländern Westafrikas organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen ihres Programms für sicherheitspolitischen Dialog in Westafrika (SIPODI) ein hochrangiges Seminar in Lomé. Ziel war es, den grenzüberschreitenden Charakter der Bedrohung zu analysieren und konkrete Lösungsansätze zur Stärkung der Resilienz von Benin und Togo zu entwickeln.
Ein multidisziplinärer Austausch
Das Seminar vereinte rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus fünf westafrikanischen Ländern (Benin, Togo, Burkina Faso, Mali, Niger) – darunter lokale Behörden, Parlamentarier, Ministerien, Sicherheitskräfte, Richter, Wissenschaftler, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie regionale und internationale Experten. Die Vielfalt der Perspektiven ermöglichte einen praxisnahen, interdisziplinären Austausch auf hohem Niveau.
Ablauf des Seminars
Tag 1 – Ursachen und Dynamiken des Spillover
Die Eröffnung wurde durch Beiträge von Aboubakar Sidik KONÉ (KAS SIPODI) und Dr. Tobias RÜTTERSHOFF (Leiter des SIPODI-Programms) eingeleitet. Sie betonten die Rolle struktureller Schwächen und fehlender regionaler Zusammenarbeit als Katalysatoren des Spillover.
Die Fachpanels behandelten u.a.:
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Mechanismen des terroristischen Spillovers
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Antwortstrategien der Staaten
In Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden zu Fragen der grenzüberschreitenden Ausbreitung, Wirksamkeit staatlicher Reaktionen und der Rolle lokaler Akteure in der Resilienzförderung.
Tag 2 – Perspektiven regionaler Zusammenarbeit
Die Präsentation der Gruppenarbeiten zeigte u.a.:
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Die begrenzte staatliche Präsenz in Grenzregionen.
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Strukturelle Armut, fehlende Basisdienste und schwache militärische Kooperation.
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Unterschiede in den nationalen Strategien: Togo verfolgt einen präventiveren, holistischeren Ansatz, Benin setzt stärker auf militärische Antworten.
Die anschließenden Panels vertieften:
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Rolle regionaler und internationaler Kooperation
→ Mit Beiträgen von Prof. Guillaume MOUMOUNI, Ulf LAESSING (KAS Sahel) und Dr. Kouessi HADONOU, die Herausforderungen und Potenziale von G5 Sahel, ECOWAS, AES sowie Initiativen wie ABEGIEF, CPADD, CRIET und der Accra-Initiative beleuchteten. -
Runder Tisch: Handlungsempfehlungen
Konkrete Vorschläge beinhalteten:
• Aufbau gemeinsamer Grenzposten
• Stärkung der Gemeindebasierten Aufklärung
• Förderung lokaler Sicherheitsstrukturen (z. B. traditionelle Autoritäten)
• Verbesserung lokaler Governance und öffentlicher Kommunikation
Zentrale Erkenntnisse und Ausblick
Das Seminar machte deutlich: Der Kampf gegen den terroristischen Spillover erfordert mehr als militärische Reaktionen. Eine wirksame Antwort basiert auf:
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Kohärenter und pragmatischer regionaler Kooperation
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Aktiver Einbindung lokaler Gemeinschaften
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Balance zwischen Sicherheit, Entwicklung und Governance
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Berücksichtigung kultureller, geografischer und sozialer Besonderheiten
Die Ergebnisse des Seminars, begleitet von KAS-Publikationen und Expertisen, bilden die Grundlage für weitere Initiativen in den Bereichen politische Beratung, Ausbildung und sicherheitspolitische Reform im Raum der ECOWAS.