Veranstaltungsberichte

50 Jahre Élysée-Vertrag

Eine spannende Zeitreise

Der Referent und Multimediaproduzent Ingo Espenschied ließ unter diesem Titel am Albert-Einstein-Gymnasium in Kehl die wechselvolle Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen aufleben. Dabei setzte er auf eine moderne Multimediapräsentation, die er live kommentierte. Die Aula der Schule war mit rund 250 interessierten Schülerinnen und Schülern gut gefüllt.

Ingo Espenschied ging in seinem Vortrag zunächst auf die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen seit dem 9. Jahrhundert ein. Startpunkt war das Ende der Regentschaft Karls des Großen und der daraus resultierenden Teilung des Frankenreichs. Es folgten die Angriffe Frankreichs unter dem Sonnenkönig Ludwig XVI. auf deutsches Gebiet im 17. Jahrhundert und die Verluste des Elsass und von Lothringen. Gut 100 Jahre später schlug Frankreich mit Napoleon wieder große Schlachten auf deutschem Gebiet. Schließlich kam es im Jahre 1870 zum deutsch-französischen Krieg und zur Ausrufung des deutschen Kaiserreichs. Die Folge dieser, über mehrere Jahrhunderte, beidseitig geführten Übergriffe war eine tief verwurzelte Erbfeindschaft zwischen beiden Ländern. Diese setzte sich über die nächsten Jahrzehnte fort und leistete seinen Beitrag zum 1. Weltkrieg. Nach dem verlorenen Krieg und dem in der deutschen Bevölkerung als ungerecht empfundenen Versailler Vertrag war es ein Leichtes für die Nazis, die neue antifranzösische Stimmung zu schüren. Mit dem 2. Weltkrieg fanden die deutsch-französischen Beziehungen schließlich ihren Tiefpunkt.

Vor diesem Hintergrund trafen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer Anfang der 1950er Jahre zusammen. Dabei begegneten sich Persönlichkeiten, die sehr verschiedene Biographien hatten. De Gaulle, der in beiden Weltkriegen gegen die Deutschen gekämpft hatte und Adenauer, der vor der Machtergreifung Hitlers für einige Zeit Kölner Oberbürgermeister war und der sich während des dritten Reichs in innere Immigration zurückzog. Ingo Espenschied ging intensiv und anschaulich auf den Austausch zwischen dem Deutschen und dem Franzosen ein, in deren Lebensgeschichten sich die Gegensätze beider Völker spiegelten und die sich anfangs kühl gegenüberstanden. Gerade de Gaulle, der die Deutschen nun als „großes Volk“ bezeichnete, und Adenauer konnten durch ihre Lebensgeschichten die Aussöhnung beider Länder glaubwürdig vorantreiben. Anfang der 1960er Jahre war das Ende von Adenauers Amtszeit absehbar. Konrad Adenauer wollte sein Lebenswerk, die Aussöhnung mit Frankreich, bewahren. Deshalb galt es, diese in Form eines Vertrags für zukünftige Generationen zu erhalten. Dies führte am 22. Januar 1963 zur Unterzeichnung des Élysée-Vertrags. Heute gilt dieser als Grundpfeiler der europäischen Einigung. Außerdem finden, Dank des Vertrags, mehrmals jährlich Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und Frankreich statt.

Genauso wichtig sind aber die starken zivilgesellschaftlichen Komponenten, wie z.B. das deutsch-französische Jugendwerk. Heute sind Frankreich und Deutschland eng verbunden, wie über 2.200 Städtepartnerschaften und über 55.000 interkulturelle Ehen beidseitig des Rheins eindrucksvoll zeigen. Diese Verbindungen waren vor einigen Generationen noch undenkbar. Dies ist einzigartig und gilt heute als Blaupause für die Beziehungen zu anderen Staaten.

Mit seiner lebendigen Erzählweise ließ Espenschied die Landkarten, Daten und Bilder lebendig werden. Die Präsentation umfasste nicht nur statische Bilder, sondern auch Filmeinspielungen mit Zeitzeugen, Originalausschnitte aus Wochenschauen und politische Reden. Den gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern erschloss sich durch diesen eindrucksvollen Vortragsstil die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen neu.

Stephan Bosch