Veranstaltungsberichte

Das Strategische Dreieck Aserbaidschan-Georgien-Türkei

von Canan Atilgan, Florian C. Feyerabend

Bedeutung für den europäischen geopolitischen Kontext

Vom 13. bis 15. November fand in der ehemaligen Sommerresidenz Adenauers in Cadenabbia am Comer See die Konferenz „Das strategische Dreieck Aserbaidschan-Georgien-Türkei“ statt. Auf Initiative der KAS diskutierten außen-, sicherheits- und energiepolitische Experten und Parlamentarier zwei Tage lang an historischer Stelle die Perspektiven einer vertieften trilateralen Zusammenarbeit zwischen dem Bosporus und dem Kaspischen Meer und deren Bedeutung für den europäischen geopolitischen Kontext.

Die von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte Konferenz ist ein Novum. Als Diskussionsplattform bietet sie Parlamentsvertretern und außen-, sicherheits- und energiepolitischen Experten die Möglichkeit, sich intensiv und offen über die Aufgaben und Chancen der Kooperation zwischen Baku, Tiflis und Ankara sowie regionale Kooperationsmechanismen auszutauschen.

Schwerpunkte der Konferenz waren die europäische Nachbarschafts- und Erweiterungspolitik in der Region, trilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Energiesicherheit, verteidigungspolitische Koordinierung und Kooperation sowie sicherheitspolitische Überlegungen im Licht von Krim-Krise und IS-Terror.

Die Gespräche und Diskussionen wurden durch einen Eröffnungsvortrag des Rektors der renommierten Kadir Has Universität in Istanbul, Prof. Dr. Mustafa Aydın, eingeleitet. In seiner Rede zeichnete er die Entwicklung der trilateralen Kooperation Aserbaidschans, Georgiens und der Türkei vor dem geopolitischen Kontext seit Ende des Kalten Krieges nach und analysierte aktuelle Chancen und Herausforderungen regionaler Zusammenarbeit und deren Bedeutung für die Europäische Union.

Die folgenden vier Panels widmeten sich Fragen der Integration Aserbaidschans, Georgiens und der Türkei in europäische Strukturen, trilaterale und multilaterale Kooperationsformen in den Bereichen Energie und Sicherheit, sowie außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Zur Diskussion standen unter anderem die Zukunft des Südlichen Korridors als Triebkraft regionaler Zusammenarbeit sowie der Ausblick für wirtschaftliche und politische Integration in der Region. Intensiv debattiert wurden zudem verschiedene Bedrohungsszenarien durch Russland. Die Diskussion stand unter dem Eindruck der regionalen und geopolitischen Konsequenzen der Ereignisse in der Ukraine.

Es wurde deutlich, dass sich Aserbaidschan, Georgien und die Türkei der strategischen Bedeutung trilateraler Kooperation bewusst sind, wenn gleich noch kein Konsens besteht über die konkrete Zielsetzung, Ausgestaltung und Intensität der Zusammenarbeit. Insbesondere in Baku und Tiflis besteht allerdings Einvernehmen darüber, dass das Format des strategischen Dreiecks eine Rückversicherung gegen russische Expansionsbestrebungen im Zuge einer eurasischen Integrationspolitik darstellt, und entsprechend auch eine Versicherung für eine engere Anbindung an Europa. Eine enge Abstimmung und Kooperation mit Ankara ist daher ein Imperativ zur Wahrung der Souveränität Aserbaidschans und Georgiens. Und erst seit kurzem erweckt die geopolitische Bedeutung regionaler Kooperations- und Integrationsbemühungen und die damit verbundenen Potenziale für neue positive Akzente im außen-, energie- und sicherheitspolitischen Bereich auch das Interesse Europas.

Ansprechpartner

Dr. Thomas Schrapel

Dr

Direktor des Regionalprogramms Politischer Dialog Südkaukasus

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