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Veranstaltungsberichte

DenkTag 2017 Lesung mit der Auschwitz- Überlebenden Eva Schloss

„Amsterdam, 11. Mai 1944“

Lesung und Gespräch

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Anlässlich des „DenkTags“ in Zusammenarbeit mit dem Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz fand eine Lesung und Gespräch mit der Auschwitz-Überlebenden Eva Schloss statt. Marion Walsmann(MdL)würdigte in ihrem Grußwort die Veranstaltungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung, die sie über viele Jahre bereits als Schirmherrin begleitet.

Nach der Begrüßung der rund 210 Gäste durch die Kuratorin des Erinnerungsorts Topf & Söhne, Dr. Annegret Schüler und einem Grußwort von Daniel Braun vom PBF Thüringen wurden Passagen aus dem Buch von Eva Schloss „Amsterdam 11. Mai 1944 – Das Ende meiner Kindheit“ durch

Absolventen eines Freiwilligen kulturellen Jahres in der Erinnerungsstätte vorgelesen. Im Anschluss daran begann das Gespräch mit der Zeitzeugin Eva Schloss, das von Sophie Eckenstaler vom Erinnerungsort Topf und Söhne moderiert wurde.

„Amsterdam 11. Mai 1944 – Das Ende meiner Kindheit“

Die ausgewählten Textpassagen aus ihrem Buch handelten vom Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich und die baldige Verschlechterung der Lebensbedingungen der jüdischen Bevölkerung in Wien. Außerdem vergaben immer weniger Länder Visa für Juden, sodass die Ausreise und Flucht fast unmöglich wurde. Letztlich ging die Familie von Eva Schloss über Belgien nach Holland und lebte in Amsterdam, im selben Viertel wie die Familie von Anne Frank. Holland galt als neutral und viele Juden erhofften sich hier in Frieden leben zu können. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande 1940 änderte sich wieder alles. Die Familie beschloss sich zu trennen und unterzutauchen.

Am 11. Mai 1944 – dem 15. Geburtstag von Eva Schloss wurde die gesamte Familie, von einer Krankenschwester verraten, aus ihren Verstecken geholt, festgenommen und deportiert.

Selektion und Lageralltag

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden zunächst Fragen durch die Moderatorin Sophie Eckenstaler gestellt bevor die Fragerunde für das Publikum geöffnet wurde. Was auf die Deportation nach Auschwitz folgte, war die gefürchtete Selektion durch die SS und den Mediziner Mengele. Eva Schloss benannte es als Glück, nach Auschwitz gekommen zu sein, da die Selektion ausschließlich in Auschwitz praktiziert wurde – in anderen Vernichtungslagern wurden die jüdischen Häftlinge sofort nach Ankunft vergast. Eva Schloss wurde für arbeitsfähig befunden und wurde zusammen mit ihrer Mutter der inhaftiert. Sie erhielt eine Nummer, die ihr in den Arm tätowiert wurde,ihre Haare wurden geschoren und sie erhielt Häftlingskleidung. Man war keine Person mehr, sondern eine Nummer. In den Baracken im Lager herrschte Hunger, Angst sowie Krankheiten und bald wurde man von Ungeziefer und Läusen befallen. Stundenlange Apelle morgens und abends, Nahrungsknappheit und die Monotonie der Tagesabläufe waren Bestandteile der psychologischen Drangsalierung der Häftlinge. Auch Eva Schloss erkrankte an Typhus konnte aber überleben. Nach einer weiteren Selektion, bei der ihre Mutter als nicht mehr arbeitsfähig ins Gas geschickt werden sollte verlor Eva Schloss kurzzeitig den Mut weiterzuleben und beschrieb dies als „das schwerste Ereignis“ mit dem sie in Auschwitz fertig werden musste. Als 15- jähriges Mädchen allein in einem Vernichtungslager schien ihre Lage aussichtslos. Durch Zufall und Glück konnte ihre Mutter kurz vor der Vergasung noch gerettet werden und befand sich in der Krankenbaracke – eine Nachricht, die Eva Schloss erst Monate später erreichte. Der Bruder und Vater von Eva Schloss überlebten das Lager nicht.

Das Leben danach

Nach der Befreiung von Auschwitz durch die russische Armee verbrachte Eva Schloss zusammen mit ihrer Mutter die Zeit bis zum Kriegsende bei Odessa in der damaligen Sowjetunion. Danach stellte sich, wie vielen anderen Häftlingen aus Konzentrationslagern die Frage des „wohin jetzt“.

In Amsterdam hatten Eva Schloss und ihre Mutter das Glück, in ihre alte Wohnung zurückkehren zu können. Otto Frank, einziger Überlebender der Familie Frank, war bald eine wichtige Person für Eva Schloss und machte ihr Mut, ihre Schulausbildung zu beenden und einem Beruf nachzugehen. Die Situation in Amsterdam erschien noch für Monate nach der Wiederkehr als surreal, da man ständig mit der Rückkehr der anderen Familienmitglieder rechnete.

1952 heiratete Eva Schloss ihren Mann, ein Jahr später ihre Mutter Otto Frank. Beide arbeiteten unermüdlich für die Veröffentlichung des Tagebuchs von Anne Frank und beantworteten gemeinsam sämtliche Briefe aus aller Welt.

Erst 40 Jahre nach den Erlebnissen in Auschwitz sprach Eva Schloss über ihr Schicksal und ist entschlossen möglichst vielen Menschen die Begegnung mit einem Zeitzeugen zu ermöglichen.

„KZ- Tourismus" und der Umgang mit der Geschichte

Fragen aus dem Publikum zielten auch auf die aktuelle politische Lage ab – sowohl der Vormarsch populistischer Bewegungen im In- und Ausland als auch die vielen Krisen und Konflikte, die viele Menschenleben forderten. Eva Schloss benannte das Morden und Sterben von Menschen grade in Bezug auf den Konflikt in Syrien und im Irak als beschämend, da man aus der Geschichte nicht gelernt zu haben scheint. Auch gerade der Umgang mit Flüchtlingen erinnerte sie an ihre eigene Lage. Man dürfe die Tore nicht verschließen vor Menschen die vor Terror und Krieg fliehen, so Schloss.

Auch der Umgang mit der Geschichte wurde thematisiert, nicht nur die Art und Weise der Geschichtsvermittlung im Schulunterricht, der wichtig und richtig sei, sondern auch der aufkommende „KZ- Tourismus“,wo der Besuch eines KZ’s eher einen Unterhaltungswert darstelle, als einen lehrenden und mahnen Charakter habe. Eva Schloss beschrieb diese Entwicklung so, dass die „Würdigkeit“ der Orte verloren ginge.

Eva Schloss bekräftigte in einem Schlusswort, dass man nur gemeinsam den Krisen der Gegenwart entgegentreten könne und nur mit Völkerverständigung und Frieden ein besseres Leben für alle ermöglichen könne.

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