Veranstaltungsberichte

Solidarität in Familie und Gesellschaft – Jahreskonferenz der Sdružení Ackermann-Gemeinde

Solidarität ist angesichts aktueller politischer wie gesellschaftlicher Entwicklungen ein hochaktuelles Thema in Tschechien und Deutschland. Solidarität existiert auf verschiedenen Ebenen – in der Familie und der Gesellschaft. Welche Rolle hat die Familie als kleinste Zelle des menschlichen Zusammenlebens und wie wichtig ist sie für die ethische Zukunft der Gesellschaft?

Mit diesen und weiteren Fragen hat sich die Konferenz „Solidarität in Familie und Gesellschaft“ der Sdružení Ackermann-Gemeinde vom 26.-28. Februar 2016 in Prag auseinandergesetzt. Das vielfältige Programm der diesjährigen Konferenz hatte zum Ziel, den Begriff der Solidarität aus verschiedenen Perspektiven – philosophisch, soziologisch sowie theologisch – zu erörtern. Das Konferenzprogramm wurde am Freitag durch Grußworte von Dr. theol. Petr Křížek, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SAG, und Matthias Dörr, dem Bundesgeschäftsführer der AG, eröffnet.

Der erste Vortrag von Dr. Eike Bohlken, Dozent an der Universität Tübingen, erörterte den Begriff der Solidarität aus philosophisch-politischer Perspektive. Die Differenzierung von verschiedenen Formen von Solidarität und die Hervorhebung unterschiedlicher Rahmenbedingungen für deren Ausübung, boten eine gute Grundlage für Diskussionen und die weitere Auseinandersetzung mit dem Begriff. Ing. Libor Prudký und doc. Ing. Aleš Opatrný, Th.D. von der Karlsuniversität in Prag sowie PhDr. Josef Zeman, der ehemalige Direktor des Zentrums für Familie in Brünn, fokussierten ihre Beiträge am Samstag- und Sonntagmorgen auf das Konzept und die Rolle der Familie und deren Wichtigkeit für das Erlernen und Ausüben von Solidarität. Gefehlt hat einigen Teilnehmern dabei eine Aufarbeitung des Themas Solidarität zwischen den Generationen, was sicher dem umfangreichen Thema geschuldet war. Die rege Beteiligung der rund 120 Zuhörer bei den anschließenden Podiumsdiskussionen illustriert die Aktualität des Themas und zeigt einen Bedarf auf, sich auch nach der Konferenz kritisch damit auseinanderzusetzen. Beteiligte bei den Podiumsdiskussionen waren neben den Referenten, Mgr. Martin Vaňáč, Mons. Tomáš Holub, Pfarrer Frank Leßmann-Pfeifer sowie als Moderatoren PhDr. Jan Stříbrný und Alena Scheinostová.

Der Samstagnachmittag stand im Zeichen gelebter Solidarität. Die Teilnehmer konnten zwischen drei Programmpunkten wählen. Die erste Gruppe nahm an einer Stadtbesichtigung unter der Führung von Obdachlosen teil. Das Projekt Pragulic hat zum Ziel Vorurteile gegenüber Obdachlosen abzubauen und ihnen damit die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern. Im Rahmen einer Besichtigung wurde der zweiten Gruppe vor Ort die Arbeit des Kolpinghauses, einer Asylunterkunft für Mütter mit ihren Kindern nähergebracht. Im Konferenzsaal fanden Vorträge über die Flüchtlingsarbeit in Tschechien statt. Hier präsentierten die Diakonie der Böhmischen Kirche der evangelischen Brüder sowie die Organisation Generace 21 ihre Arbeit und Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen. Alle vier vorgestellten Projekte dienten als Beispiele, wie jeder Einzelne Solidarität gegenüber seinen Mitmenschen ausüben und unterstützen kann.

Neben den thematischen Programmpunkten, bot die Veranstaltung eine Plattform für ein interessantes deutsch-tschechisches Zusammentreffen. So waren beispielsweise der gemeinsam gefeierte Gottesdienst und auch die Verleihung des Ehrenvorsitzes der SAG an Frau Helena Faberová am Samstagabend für die Teilnehmer ein festlicher und gleichzeitig gemütlicher Ausklang der anstrengenden Konferenztage.

Bilder Jahreskonferenz Sdružení Ackermann Bilder Jahreskonferenz Sdružení Ackermann
Bilder Jahreskonferenz Sdružení Ackermann Bilder Jahreskonferenz Sdružení Ackermann