Veranstaltungsberichte

Deutsch-Ungarische Sommerakademie

von Ayebatonyeseigha Christ

Sommerakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks – Veranstaltungsreihe zum 33. Gedenktag des Paneuropäischen Picknicks

Vom 18. bis 20. August 2022, anlässlich des 33. Gedenktages an das Paneuropäische Picknicks, richtete die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem Deutsch-Ungarischen Jugendwerk die Sommerakademie in Sopron aus. Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung wurde mit Politikern, Professoren, Diplomaten aber vor allem mit Zeitzeugen über die Auswirkung der ungarischen Grenzöffnung diskutiert und erinnert.

In seiner Öffnungsansprache am ersten Tag der Veranstaltung erinnerte Michael Winzer, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ungarn daran, dass in Sopron Weltgeschichte mit der Grenzöffnug geschrieben wurde. Mit dem Slogan ,,baue ab und nimm mit“ und mit dem Zitat Helmut Kohls: ,,Es sei Ungarn wo der erste Stein aus der Mauer geschlagen wurde‘‘ aus dem Jahr 1990, unterstrich Michael Winzer, dass der Grundstein für die Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland in Sopron mit dem Grenzübergang von über 600 Ostdeutsche gen Westen gelegt wurde. Dies war ein Meilenstein in der deutsch-ungarischen Freundschaft.

Katharina Landgraf ehem. Bundestagsabgeordnete, Stellv. Vorsitzende des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks ging es um die Verfestigung der deutsch-ungarischen Freundschaft und es sollten stets an die positiven Dinge in der Geschichte erinnert und festgehalten werden. Dafür bräuchte es viel Mut und die Zeitzeugen, die sich im Jahr 1989 für die Freiheit eingesetzt haben gebührt höchsten Respekt.

Claudia Crawford, Leiterin des Büros Multilateraler Dialog der Konrad-Adenauer-Stiftung in Wien, Bundesministerin a.D. sieht die Erinnerung und Aufrechterhalten des Paneuropäischen Picknicks als eine Verpflichtung Deutschlands gegenüber Ungarn.

Beim Zeitzeugengespräch: Die Ereignisse von 1989 am Grenzzaun, moderiert von Frank Spengler, Berater am Deutsch-Ungarischen Institut für Europäisch Zusammenarbeit des MCC, ehem. Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ungarn, erzählten folgenden Personen über ihre Perspektiven der Geschehnisse im Jahr 1989: László Nagy, Sekretär der Stiftung Paneuropäisches Picknick ’89; Wolfgang Bachkönig, Chefinspektor der österreichischen Polizei a.D. und Buchautor; Árpád Bella, ehemaliger leitender Grenzoffizier an der ungarisch-österreichischen Grenze und Dr. Axel Hartmann, Botschafter a.D., ehem. Leiter der Rechts- und Konsularabteilung an der Deutschen Botschaft in Budapest von 1982 bis 1985. László Nagy kann sich aus der Historie heraus erinnern, dass das Paneuropäische Picknick in der damaligen Medienlandschaft keine hohen Wellen schlug, aber mit der Grenzöffnung sei ein Dominoeffekt losgetreten worden und die tatsächlichen Helden seien die Bürger der DDR. Nach Árpád Bella war Ungarn zwischen zwei Weltsystemen gefangen und das Land habe auf die Reaktion Michail Gorbatschows achten müssen und zudem hatten die Grenzschützer keine richtige Antwort parat gehabt. Wolfgang Bachkönig war der Auffassung, der Sommer 1989 habe nicht nur Europa, sondern die ganze Welt verändert. Als Burgenländer könne er auf die Geschichte rückblickend stolz sein, dass die heutige Jugend ohne Grenzkontrollen ins Nachbarland reisen können. Dr. Axel Hartmann möchte den Freiheitsgedanke der Ostdeutschen und den Ungarn in den Vordergrund stellen, denn nur daraus war es möglich etwas Historisches zu leisten.

Mit seinem Vortrag: Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine  - was bedeutet das für Europa? referierte Klaus Streicher, Geschäftsträger a.i. der Deutschen Botschaft Budapest. Der Krieg habe gezeigt, dass man einen langen Atem brauchen werde und mit dem Krieg eine Zeitenwende wie einst das Paneuropäische Picknick eingeläutet wurde. Die globalen Auswirkungen des Krieges sind besonders jetzt zu spüren und jetzt gelte es an den Frieden und die Freiheit zu erinnern, da diese heute wichtiger dann eh und je sind.

Am Folgetag begrüßte Dr. Ciprián Farkas, Bürgermeister der Stadt Sopron die Teilnehmer der Sommerakademie im Festsaal des Rathauses und erklärte, wie sich die Stadt den Titel ,,Civitas Fidelissima“ erworben hatte und wie sie mit der Grenzöffnung im Jahr 1989 zur Stadt der Freiheit wurde. Der Bürgermeister möchte im Rahmen der Feier unterstreichen, dass eine freiheitsliebende Nation die Freiheit eines freiheitsliebenden Volkes ermöglichte. Des Weiteren käme es auf die Jugend drauf an mit den Zeitzeugen zu sprechen, um die Authentizität der Geschichte greifen zu können. Im Anschluss der Rede des Soproner Bürgermeisters bekamen die Teilnehmer der Sommerakademie einen geschichtsträchtigen Rundgang durch die Stadt, geleitet von Magdolna Krisch, Vorsitzende der deutschen Selbstverwaltung Sopron / Ödenburg.

Im Rahmen eines Paneldiskussions über die Zukunft der deutsch-ungarischen Beziehungen vor dem Hintergrund des Paneuropäischen Picknicks mit Knut Abraham MdB und Dr. Csaba Hende MdNV, Vizepräsident der Ungarischen Nationalversammlung, moderiert von Katharina Landgraf MdB a.D., Stellv. Vorsitzende des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks wurden vor allem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Länder diskutiert und erörtert. Nach Dr. Hende MdNV, könne man heute froh sein in einem demokratischen System zu leben und die Anklage gegenüber dem System sei für ihn eine persönliche Beleidigung. Knut Abraham MdB ist sich der Sache sicher, dass es ohne das Paneuropäische Picknick, die endgültige Öffnung des Grenzzauns am 10. und am 11. September 1989 nicht gegeben hätte. Dr. Csaba Hende MdNV kann anhand des Paneuropäischen Picknicks in der Retrospektive den Teilnehmenden raten sich in der deutsch-ungarischen Beziehung die Verhältnisse selbst vor Ort zu studieren, um sich ein Bild machen zu können. Dazu gehöre sich gegenseitig zu respektieren und sich den Aufgaben gemeinsam zu widmen. Dem kann Knut Abraham MdB nur zustimmen, da es genug gemeinsame Substanzen anhand des Picknicks für beide Länder gebe.