Am 19. und 20. Mai 2026 fand in Abidjan die 9. Ausgabe des Kolloquiums zum Interreligiösen Dialog statt, das gemeinsam von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), dem Centre de Recherche Politique d’Abidjan (CRPA) und der Botschaft Israels in Côte d’Ivoire organisiert wurde. Unter dem Titel „Religion und Desinformation“ bot die Veranstaltung einen Rahmen für den Austausch über eine der zentralen Herausforderungen moderner Gesellschaften: die zunehmende Verbreitung von Falschinformationen und deren Auswirkungen auf gesellschaftlichen Zusammenhalt, politische Stabilität und das friedliche Zusammenleben.
Wie bereits in den Jahren zuvor hatte das Kolloquium eine regionale Dimension. Die Veranstaltung fand zeitgleich in Côte d’Ivoire, Guinea, Benin und Togo statt. Über Live-Schaltungen konnten sich die Teilnehmenden an den verschiedenen Standorten austauschen und gemeinsame Herausforderungen für religiöse Gemeinschaften in der Region diskutieren.
Geistliche verschiedener Religionen, Wissenschaftler, Kommunikationsexperten, Diplomaten sowie Vertreter öffentlicher Institutionen befassten sich mit den Herausforderungen, die Desinformation für westafrikanische Gesellschaften mit sich bringt. Die Diskussionen machten deutlich, in welchem Ausmaß soziale Medien die rasante Verbreitung von Gerüchten und manipulierten Informationen begünstigt und auf diese Weise das Vertrauen zwischen Bürgern, Institutionen und Gemeinschaften untergräbt.
Die drei Panels des ersten Tages beleuchteten die religiösen und ethischen Grundlagen im Umgang mit Desinformation, die Positionierung religiöser Akteure in neuen Informationsräumen sowie ihre Rolle bei Prävention und Gegenmaßnahmen. Dabei wurde hervorgehoben, dass religiöse Autoritäten als Vertrauenspersonen und wichtige Multiplikatoren innerhalb ihrer Gemeinschaften eine besondere Verantwortung bei der Förderung von Medienkompetenz, kritischem Denken und verlässlicher Information tragen.
Der zweite Veranstaltungstag war Gruppenarbeiten und thematischen Workshops gewidmet. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen von Desinformation auf religiöse und gesellschaftliche Institutionen, die Anpassung religiöser Akteure an digitale Kommunikationsmittel sowie Strategien zur Bekämpfung von Falschinformationen. Die Teilnehmenden betonten insbesondere die Notwendigkeit, digitale Kompetenzen religiöser Verantwortungsträger zu stärken und Fact-Checking-Kompetenzen auszubauen, um irreführende Inhalte rasch erkennen und ihnen wirksam begegnen zu können. Denn in einem Umfeld, in dem sich Desinformation mit hoher Geschwindigkeit verbreitet, ist Reaktionsfähigkeit ein entscheidender Faktor, um ihre Auswirkungen auf Gemeinschaften zu begrenzen.
Mit dieser Initiative bekräftigt die KAS ihr Engagement für den interreligiösen Dialog sowie die gegenseitige Verständigung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Westafrika. Gemeinsam mit ihren Partnern freut sich die KAS darauf, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und 2027 die zehnte Ausgabe dieses etablierten Dialogformats zu begehen.