Am 4. Juli 2026 kamen die Mitglieder des Alumni-Netzwerks des Regionalprogramms Politischer Dialog Westafrika (PDWA) der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) im KAS-Büro in Abidjan zu einem Workshop unter dem Titel „Jugend und politische Inklusion: Analyse und Handlungsempfehlungen für Jugendorganisationen zur Verbesserung der politischen Beteiligung junger Menschen in Côte d’Ivoire“ zusammen. An der Veranstaltung nahmen außerdem mehrere Verantwortliche von Jugendorganisationen teil, um über die Herausforderungen der politischen Teilhabe junger Menschen und ihre Vertretung in politischen Entscheidungsinstanzen zu diskutieren.
Vor dem Hintergrund, dass junge Menschen die Mehrheit der ivorischen Bevölkerung stellen, jedoch in politischen Institutionen weiterhin unterrepräsentiert sind, verfolgte der Workshop das Ziel, die Hindernisse für ihre politische Beteiligung zu analysieren und konkrete Maßnahmen für eine nachhaltigere Einbindung in das öffentliche Leben zu identifizieren. Die Diskussionen gliederten sich in drei zentrale Themenbereiche. Der erste Themenblock zur Übersicht über das Engagement junger Menschen im städtischen und ländlichen Raum wurde von Dr. Nadège Assahon, Direktorin des "Centre d’études sur le féminisme et le développement du potentiel humain" (AHOU), geleitet. Der zweite Themenblock befasste sich mit der Analyse des rechtlichen, institutionellen und politischen Rahmens für die Jugendbeteiligung und wurde von Magloire N’Dehi, Leiter der Governance-Einheit des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, moderiert. Abschließend stellte der Wahlexperte Émile Codjo regionale und internationale Erfahrungen sowie bewährte Praktiken vor, die als Inspiration für den ivorischen Kontext dienen können.
Themenblock 1: Überblick über das Engagement junger Menschen: Analyse der Realitäten und strukturellen Hindernisse des Engagements junger Menschen im städtischen und ländlichen Raum
Dr. Anne Nadège Assahon, Direktorin des Zentrums AHOU, erläuterte die Ergebnisse einer aktuellen Studie, nach der die ivorische Jugend politisch weder desinteressiert noch passiv ist. Obwohl sich viele junge Menschen gegenüber traditionellen Parteien als „unpolitisch“ bezeichnen, engagieren sie sich aktiv in verschiedenen Bereichen der Bürgerbeteiligung, sei es bei Wahlen, im digitalen Bereich oder in der Politik. Die Studie zeigt zudem, dass sich diese Beteiligungsmuster in städtischen und ländlichen Gebieten weitgehend gleichen und somit keine ausgeprägte geografische Kluft beim politischen Engagement besteht.
Themenblock 2: Analyse des rechtlichen, institutionellen und politischen Rahmens: Stärken, Schwächen und Chancen der bestehenden Mechanismen zur politischen Beteiligung junger Menschen
Magloire N’Dehi, Leiter der Governance-Einheit des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, betonte, dass junge Menschen bereits, wenn auch in begrenztem Umfang, an bestehenden Entscheidungsprozessen beteiligt seien. Entscheidend sei jedoch nicht die reine Anzahl junger Menschen in politischen Gremien, sondern die Qualität ihres Führungsanspruchs und ihres Engagements. Aus seiner Sicht besteht die zentrale Herausforderung darin, dass junge Führungspersönlichkeiten die großen gesellschaftlichen Fragen ihrer Generation erkennen und vertreten. Er identifizierte dabei zwei zentrale Prioritäten: den konsequenten Schutz wirtschaftlicher, politischer und bürgerlicher Freiheiten sowie die Wiederaneignung und Aufwertung der eigenen Geschichte und des kulturellen Erbes als Grundlage gemeinsamer gesellschaftlicher Entwicklung.
Themenblock 3: Inspirationen aus anderen Kontexten: Welche regionalen und internationalen „Best Practices“ lassen sich auf die Côte d’Ivoire übertragen?
Émile Codjo, Experte für Wahlfragen, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf eine vergleichende Bewertung staatlicher Strategien zur politischen Inklusion. Er hob insbesondere die Erfolgsmodelle Senegals und Ruandas hervor, die durch institutionelle Reformen und konkrete gesetzliche Maßnahmen die Beteiligung junger Menschen und von Frauen in Entscheidungsprozessen nachhaltig gestärkt haben. Diese Erfahrungen wurden als strategische Orientierungspunkte vorgestellt, die auch im ivorischen Kontext Anwendung finden könnten.
Zusammenfassend analysierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand statistischer Daten, vergleichender Studien und praktischer Erfahrungen die verschiedenen Formen politischen Engagements junger Menschen, die Grenzen bestehender Beteiligungsmechanismen sowie die Chancen, die zivilgesellschaftliche Initiativen bieten. Die Veranstaltung endete mit der Erarbeitung von Empfehlungen für Jugendorganisationen.
Die Veranstaltung unterstreicht das kontinuierliche Engagement der KAS und des PDWA-Alumni-Netzwerks für die Förderung junger Führungskräfte, die Bürgerbeteiligung und die Stärkung der demokratischen Regierungsführung in der Côte d'Ivoire.