Event Reports

Umfrage zum Wahlverhalten bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2016

Insgesamt 25 Doktoranden und „teaching assistants“ der Uni Ghana nahmen am 07.03. in der KAS Ghana an einem Training für eine Umfrage der Universität von Ghana mit Unterstützung der KAS teil, um in den Folgetagen eine Meinungsumfrage bei 5.000 ghanaischen Wählern der Dezember 2016- Wahlen durchzuführen.

Zum einen geht es bei der Umfrage drei Monate nach den Wahlen darum, das Wahlverhalten in den 10 Regionen Ghanas zu erfassen, zum anderen soll gleichzeitig eine Diskussion unter Akademikern, Meinungsforschern und darüber hinaus angestoßen werden, wie Meinungsumfragen ein natürlicher Bestandteil der ghanaischen Demokratie werden können.

Wie schon in 2016 von der Universität von Ghana mit Unterstützung durch die KAS angestoßen, haben sich die Dozenten des Politikwissenschaftlichen Instituts sowie die KAS zum Ziel gesetzt, mehr über das Wahlverhalten der Ghanaer in Erfahrung zu bringen, gleichzeitig eine öffentliche und akademische Debatte zu Meinungsumfragen in Ghana anzustoßen. Nicht zuletzt die Wahlprognosen in den USA, Frankreich und Großbritannien im letzten Jahr haben in den ghanaischen Medien teils dazu geführt, dass Umfragen nicht mehr als Stimmungsbild der Bevölkerung ernst genommen werden. Hinzu kommt, dass Umfragen meist als Propaganda der einen oder anderen politischen Partei angesehen werden, (da) nur selten Zugang zur Methodologie und Interviewbögen zugelassen wird. Meinungsumfragen zu Wahlen sind meist nur für den internen Gebrauch (der Parteien) bestimmt.

Im Gegensatz dazu möchten die Uni Ghana und die KAS nach erfolgter Umfrage vor allen Dingen andere Meinungsforscher, Journalisten und Interessierte zu einer Konferenz einladen, um die Herangehensweise der Umfrage zu diskutieren, nach Verbesserungen zu suchen, aber auch um grundsätzlich die Frage zu stellen, was passieren muss, dass Umfragen glaubwürdiger und selbstverständlicher Bestandteil der ghanaischen Demokratie werden. Für die aktuelle März- Umfrage wurden aus den 275 existierenden Wahlkreisen 50 ausgesucht: drei Wahlkreise in den relativ gering bevölkerten Nordregionen (Upper West und Upper East), sieben Wahlkreise in den wahlbevölkerungsstärksten Ashanti- und Greater Accra- Regionen, in allen weiteren Regionen des Landes wurden jeweils fünf Wahlkreise ausgewählt. Innerhalb eines Wahlkreises wurden jeweils fünf sogenannte Wahlbezirke zufällig benannt, in denen jeweils zwanzig Wähler befragt werden. Auch diese werden nach dem Zufallsprinzip bestimmt: in jedem fünften Haus wird eine zufällig ausgewählte Person aus dem Haushalt zu den Fragen des Fragebogens befragt.

Die Umfrage zielt nicht allein nur auf eine spätere methodologische Diskussion (durch Offenlegung der Ergebnisse und Darstellung der Vorgehensweise) ab, das Politikwissenschaftliche Institut der Universität sowie die KAS sind ebenso am Wahlverhalten der Bevölkerung und deren Entscheidungsfindung sowie beeinflussenden Faktoren auf diese interessiert. So umfasst der verhältnismäßig lange Fragebogen die folgenden Bereiche: a) die Entscheidungsfindung der Wähler bei den Wahlen; b) die Arbeit der Wahlkommission; c) die Wahrnehmung von Meinungsumfragen vor den Wahlen und deren Beeinflussung der Entscheidungsfindung auf das Wahlverhalten; d) der Einfluss der Medien; e) die Wahrnehmung der verschiedenen Wahlbeobachter- Gruppen im Land; f) die politischen Parteien und ihre unterschiedlichen Kampagnenformate; g) die teils feststellbare Apathie von Wählern bei den Wahlen 2016.

Sobald die 25 Interviewer aus den Regionen wieder in Accra sind, werden die Ergebnisse der 5.000 Fragebögen ausgewertet und die Konferenz vorbereitet. Gerade auch die KAS Ghana erwartet sich wertvolle Impulse, wie sich das demokratische System Ghanas auch in der nächsten Legislaturperiode erfolgreich weiterentwickeln kann. Und in welcher Form die Universität von Ghana gemeinsam mit der Konrad Adenauer- Stiftung dazu beitragen können, die Demokratie weiterhin zu stärken.

Studenten der Universitaet von Ghana interviewen ausgesuchte Personen zu ihrem Wahlverhalten bei den Wahlen 2016