Veranstaltungsberichte

Fakten und Hintergründe eines üblen Machwerkes

„Mein Kampf“ - Die Karriere eines deutschen Buches

Selten hat man die Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung bei einem Vortrag oder einer Buchpräsentation so voll gesehen wie am Mittwochabend. Selbst das Forum reichte nicht aus, so dass zahlreiche Gäste sich im Nachbarraum die Übertragung aus dem Forum anschauen mussten. Dieser Ansturm hatte zum einen mit dem Autor und Referenten, Sven Felix Kellerhoff, und zum anderen mit seinem aktuellen Buch „Mein Kampf. Die Karriere eines deutschen Buches“ zu tun. Nachdrücklich „entzaubert“ er darin Hitlers Machwerk „Mein Kampf“ und machte dies auch in seinem Vortrag prononciert deutlich.

Anlässlich des diesjährigen DenkT@g-Projektes, mit dem die Stiftung seit Jahren bundesweit das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus mit der daraus erwachsende Verantwortung zu verbinden sucht, hatte die Akademie Sven Felix Kellerhoff eingeladen, um sein neues Buch vorzustellen. Seine Hauptintention sei es, machte Kellerhoff gleich zu Beginn war, nach über 70 Jahren, in denen Dichtung und Wahrheit sich immer mehr vermischt haben, Klarheit im Hinblick auf Entstehung, Inhalte und Intentionen, Stellenwert und Rezeption eines der umstrittensten Bücher der Geschichte zu schaffen.

Kellerhoff, der sich nach eigener Aussage seit 22 Jahren mit der üblen Hetzschrift „Mein Kampf“ beschäftigt und dazu forscht, konzentrierte sich in seinem Vortrag mit der Frage, wann und wie Adolf Hitler zum fanatischen Antisemiten wurde und unter welchen Einflüssen er dabei stand. Weitere Fragen, mit denen er sich im Laufe seines Vortrages und später auch im Gespräch mit seinem Lektor vom Klett-Cotta Verlag beschäftigte, waren: Hat Hitler ein Programm formuliert, das er nach der Machtergreifung Stück für Stück in die Tat umsetzte? Wie wirkte dieses Buch auf zeitgenössische Leser, und warum? Was sagte das Ausland? Wie lassen sich die verkauften Exemplare von 12.4 Millionen in Deutschland erklären? Und wie viel verdiente der NSDAP-Chef überhaupt daran? Kellerhoff versuchte im Laufe des Abends auf all diese Frage eine Antwort zu finden. Er ging im Besonderen auf die Vorgeschichte und die Entstehungszeit, die frühen 1920er Jahre ein und lieferte einige interessante Fakten und Hintergründe.

Er spannte den Bogen weiter bis hin zu den aktuellen Verbotsdebatten. Dabei kritisierte Kellerhoff die Politik der bayrischen Landesregierung in Bezug auf die Urheberrechte und das damit verbundene Verbot von Nachdrucken in Deutschland. Dieses Verbot – während das Buch selbst antiquarisch stets zu bekommen und im Internet herunterladbar war - und die daraus sich entwickelnden Gerüchte über den Inhalt hätten nicht unwesentlich zu einer vermehrten Mythenbildung beigetragen. Jeder, der sich näher mit Hitlers „miserablem und üblen Werk“ eingehender beschäftigt, würde bald jedes Interesse verlieren, so Kellerhoff. Nur der Mythos mache das Buch gefährlich. Daher begrüße er auch sehr die umfangreiche kommentierte wissenschaftliche Edition des Münchener Instituts für Zeitgeschichte, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

Kellerhoff nannte den Inhalt von „Mein Kampf“ extrem sprunghaft, widersprüchlich und argumentativ inkonsequent, dazu verglich er Passagen des Buches mit historischen Fakten und Tatsachen. Seine Darstellung bot mit klarem Urteil alle notwendigen Informationen zum problematischen Gegenstand „Mein Kampf“. Er entlarvte Mythen und Scheinwahrheiten um Hitlers Machtwerk und präsentierte ihn als „Verfälscher seiner eigenen Biographie“

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Sven Felix Kellerhoff Frank Lehmann, kostenfrei benutzbar für Ankündigung Buch von Klett-Cotta Verlag