Bernd Neumann

Lehrer, MdB, Kulturstaatsminister 6. Januar 1942
von Andreas Grau
Fast 25 Jahre gehörte Neumann dem Deutschen Bundestag an und ist der Landesvorsitzende mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der CDU. Als Staatsminister vertrat er von 2005 bis 2013 als erster Christdemokrat die Interessen des Bundes in den Bereichen Kultur und Medien.

Jugend und Ausbildung

Bernd Neumann wird am 6. Januar 1942 in Elbing in Westpreußen geboren. Doch schon im Winter 1945 flieht die Familie nach Westen. Mit einem Flüchtlingstreck kommt sie in die Lüneburger Heide, wo die Eltern auf einem Bauernhof Arbeit und Unterkunft finden. 1953 siedelt die Familie nach Bremen-Vegesack über. In der Hansestadt wächst Bernd Neumann auf und legt dort 1961 sein Abitur ab. Während des anschließenden Wehrdienstes bei der Bundeswehr tritt er in die Junge Union und in die CDU ein. Von 1963 bis 1966 absolviert Neumann ein Pädagogikstudium an der Universität Bremen. Das Studium verdient er sich u.a. damit, Akkordeonunterricht zu geben und mit einer Kapelle bei Festlichkeiten aufzutreten. Danach ist er bis 1971 Realschullehrer in Bremen.

Aufstieg in der Jungen Union und in der Bürgerschaftsfraktion Bremen

Parallel dazu engagiert sich Bernd Neumann in der Politik: Zwischen 1967 und 1973 steht er an der Spitze der Jungen Union in Bremen. Ab 1971 sitzt er als Abgeordneter in der Bremer Bürgerschaft und wird auf Anhieb zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Außerdem übernimmt er 1971 das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungen Union. Als die CDU-Bürgerschaftsfraktion Neumann 1973 in einer Kampfabstimmung zu ihrem neuen Vorsitzenden wählt, gibt er seine Ämter in der Jungen Union auf. Der neue Oppositionsführer profiliert sich mit scharfen Angriffen auf die seit Kriegsende in Bremen regierende SPD. Mit ihrem Spitzenkandidat Bernd Neumann erzielt die CDU bei der Bürgerschaftswahl 1975 mit 33,8% ihr bis dahin bestes Ergebnis. Auch bei den Bürgerschaftswahlen 1979 und 1983 ist Neumann der Spitzenkandidat der CDU, mit dem die Partei gute Wahlergebnisse erreicht. Als 1979 der CDU-Vorsitzende in Bremen Uwe Hollweg wegen der Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß überraschend zurücktritt, wird Neumann zu dessen Nachfolger gewählt. Bis 2008 steht er dann an der Spitze der CDU in der Hansestadt, deren Ehrenvorsitzender er heute ist. Damit ist Bernd Neumann der am längsten amtierende Landesvorsitzende in der Geschichte der CDU.

Wechsel in die Bundespolitik

1986 entschließt sich Bernd Neumann zu einer Kandidatur für den Deutschen Bundestag und wird bei der Bundestagwahl im Februar 1987 über die Landesliste gewählt. Im Bundestag, dem er bis heute angehört, macht Neumann vor allem als Medienfachmann der CDU/CSU-Fraktion auf sich aufmerksam. Von 1989 bis 1995 sitzt er außerdem dem Bundesfachausschuss Medienpolitik der CDU vor. Im Vorfeld der Volkskammerwahlen in der DDR im März 1990 beauftragte ihn der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl mit der Beratung des Parteienbündnisses „Allianz für Deutschland“. Zu deren großen Wahlsieg leistet er einen wichtigen Beitrag. Nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 3. Dezember 1990 wird Neumann zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung ernannt. Trotz vieler Wechsel an der Spitze des Ministeriums bleibt Bernd Neumann bis zum Ende der Ära Kohl 1998 im Amt. Nach dem Regierungswechsel 1998 wird der Medienfachmann zum Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien und im Unterausschuss „Neue Medien“ gewählt.

Als Vorsitzender der Bremer CDU ist Neumann nach der Bürgerschaftswahl 1995 maßgeblich an der Bildung einer großen Koalition in der Hansestadt beteiligt. Nach 36 Jahren in der Opposition kehrt die CDU damit wieder in die Regierungsverantwortung zurück. Nicht zuletzt dank der Hintergrundarbeit von Bernd Neumann hat die große Koalition in Bremen bis 2007 Bestand.

Staatsminister für Kultur und Medien

Bernd Neumann, dem ein freundschaftliches Verhältnis zu Helmut Kohl nachgesagt wird, gilt als Vertrauter von Angela Merkel, deren Kanzlerkandidatur er 2005 unterstützt. Seine Ernennung zum Staatsminister und Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im November 2005 kommt für ihn trotzdem überraschend. Die Berufung des CDU-Politikers in das erst 1998 gegründete Amt wird von Teilen der Kunst- und Kulturszene zunächst stark kritisiert. Solche Stimmen verstummen schnell, als sich herausstellt, dass der Politik-Profi seine vielen Kontakte zum Wohle der Kultur einzusetzen weiß. So gelingt es Neumann, nicht nur seinen Etat trotz aller Sparmaßnahmen ständig zu erhöhen, sondern auch den vom Bund großzügig unterstützten Deutschen Filmförderfonds einzurichten. 2008 legt er ein neues Konzept für die Gedenkstätten des Bundes vor, das breite Zustimmung findet. Obwohl es nach der Bundestagswahl 2009 zur Bildung einer christlich-liberalen Regierung kommt, wird Bernd Neumann, dessen Arbeit inzwischen sogar die Opposition lobt, ganz selbstverständlich in seinem Amt bestätigt. Damit ist der „Filmonkel“, so der Spitzname des Filmliebhabers, der bislang am längsten amtierende Staatsminister für Kultur und Medien. In seiner zweiten Amtszeit kümmert sich Neumann verstärkt um den Wiederaufbau des Stadtschlosses in Berlin mit dem Humboldt-Forum sowie um den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals an der Berliner Schlossfreiheit. Bei der neuen Dokumentationsstätte „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ kann er 2010 den monatelangen Streit um die Besetzung des Stiftungsrates durch den Bund der Vertriebenen mit einem Kompromissvorschlag lösen. Trotz aller Schwierigkeiten und Kritik sieht Bernd Neumann im Amt des Kulturstaatsministers „die schönste Aufgabe seines Lebens“.

Abschied von der Politik

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 verzichtet Neumann auf eine erneute Kandidatur für den Deutschen Bundestag. Im Dezember 2013 scheidet er auch freiwillig aus der Bundesregierung aus und übergibt sein Amt als Kulturstaatsminister an seine Nachfolgerin Monika Grütters. Zwar zieht sich Neumann nun aus der Politik zurück, doch bleibt er der Kultur weiterhin eng verbunden: Bis 2017 ist er Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat und seit 2014 amtiert er als Präsident der Filmförderanstalt in Berlin.

Lebenslauf

06.01.1942geboren in Elbing/Westpreußen, ev.
1945Flucht in den Westen
1961Abitur in Bremen-Vegesack
1961-1963Wehrdienst
1962Eintritt in die Junge Union und in die CDU
1963-1966Pädagogikstudium in Bremen
1966-1971Lehrer in Bremen
1967-1973Vorsitzender der JU Bremen
1971-1973stellvertretender Bundesvorsitzender der JU
1971-1987Mitglied der Bremer Bürgerschaft
1973-1987Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft
1979-2008Vorsitzender der CDU Bremen
seit 1987MdB
1989-1995Vorsitzender des Bundesfachausschusses Medienpolitik der CDU
1990Berater der „Allianz für Deutschland“ bei der Volkskammerwahl
1991-1998Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Technologie
2005-2013Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
seit 2014Präsident der Filmförderungsanstalt

Teilen

Kontakt

Dr. Andreas Grau

Dr

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Andreas.Grau@kas.de +49 2241 246-2270 +49 2241 246-2669