Franz Joseph Ritter von (seit 1863) Buß

Jurist, Politiker, Publizist Dr. habil. mult. 23. März 1803 Zell am Harmersbach/Baden 31. Januar 1878 Freiburg/Breisgau
von Karl-Joseph Hummel

Buß, Sohn eines Schneiders, war wissenschaftlich, politisch und sozial in einer imponierenden Vielfalt tätig. Der gelehrte Jurist hielt religiös-sittliche Bildung, Gesinnungsreform und Caritas für die zentralen Voraussetzungen gesellschaftlicher Neuordnung. Mit seiner „Fabrikrede“ – der ersten sozialpolitischen Rede in einem deutschen Parlament – wurde er 1837 zum Pionier der Arbeiterschutz- und Sozialversicherungsgesetzgebung. Als populärer Führer der Katholischen Bewegung in Baden hielt Buß unermüdlich öffentliche Vorträge, organisierte Volksversammlungen, karitative Aktionen und Massenpetitionen. 1845 gründete er die erste politische Zeitung Badens. Sein Einsatz für die Gründung einer Katholischen Universität scheiterte 1848 in der Würzburger Bischofskonferenz. Politisch setzte sich der konservative Großdeutsche für eine weitgehende Selbstverwaltung und eine konstitutionelle Monarchie auf der Basis einer „organischen Volksordnung“ ein.

Lebenslauf

  • 1815–1820 Gymnasium in Offenburg
  • 1820–1831 Studium der Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaften, Medizin in Freiburg, Heidelberg, Göttingen, dreifache Promotion
  • 1828 Privatdozent Juristische Fakultät
  • 1832 Philosophische Fakultät
  • 1833 außerordentlicher
  • 1836 ordentlicher Professor für Staatswissenschaften und Völkerrecht
  • 1844 auch für Kirchenrecht in Freiburg
  • 1844 Hofrat
  • 1837–1840
  • 1846–1848 und 1873 Mitglied der Zweiten Kammer des Badischen Landtags
  • 1848-49 Mitglied des Vorparlaments und der Frankfurter Nationalversammlung (05.12.1848–30.05.1849, Café Milani)
  • 1850 Mitglied des Erfurter Unionsparlaments
  • 1848 Präsident der 1. Versammlung des Katholischen Vereines Deutschlands (Katholikentag) in Mainz
  • 1874–1877 Mitglied des Reichstages (Zentrum).

Literatur

  • J. Dorneich: Franz Joseph Buß und die katholische Bewegung in Baden (1979)
  • J. Oelinger, in: ZGiLB 5 (1982)
  • F. J. Stegmann: Franz Joseph von Buß 1803–1878 (1994)

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