Veranstaltungsberichte

Was geht mich Europa an?

Veranstaltungsbericht zum Europa-Jugendpolitik mit dem Vitzthum Gymnasium Dresden

Am 13. September 2018 versammelten sich in der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden rund 80 Schüler, um sich selbst ein Bild davon zu machen, ob Europa in ihrem eigenen Alltag wirklich so weit weg ist.

Das Politische Bildungsforum Sachsen bot den Jugendlichen eine Mischung aus Impulsvorträgen, Workshops und Diskussionen an, in denen sie unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Europa und die Europäische Union (EU) erhielten.

Nachdem der Rektor der HTW, Prof. Roland Stenzel, ein Grußwort hielt, folgte eine Einführung unter dem Titel „Europa vor deiner Haustür!?“. Zu Beginn ihres Vortrags nahm Maria Bewilogua, wissenschaftliche Mitarbeiterin der KAS Sachsen, die Jugendlichen mit auf eine digitale Spurensuche durch Dresden. Anhand von Bildern zeigte sie den Jugendlichen auf, wo sie überall die EU und Europa in ihrer Heimatstadt finden.

Im zweiten Teil ihrer Einführung beleuchtete sie die politische Dimension etwas stärker und widmete sich den folgenden Fragen: Wie hängen die sächsische und die europäische Politik miteinander zusammen? Wie kann der Freistaat Sachsen seine Interessen auf europäischer Ebene wahren?

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Europapolitik auch in Sachsen gemacht wird. Dies spiegelt sich besonders im Subsidiaritätsprinzip und im Subsidiaritätskontrollmechanismus wieder. Des Weiteren sind das sächsische Verbindungsbüro in Brüssel und der Europa-Ausschuss im Sächsischen Landtag zu nennen. Zudem erklärte der sächsische Europaminister Oliver Schenk selbst in einer kleinen Videosequenz den Schülern seinen Aufgabenbereich. Durch diese Unterstützung war es möglich, die Verknüpfungen und Einflussmöglichkeiten Sachsens auf europäischer Ebene, anschaulich den Schülern zu vermitteln.

Nach einer kurzen Pause begann die Arbeit in den Workshops. Die Teilnehmer des ersten Workshops beschäftigten sich mit dem Thema Flucht und Asyl in der EU. Außerdem wurden die ABC-Tische des Umweltzentrum Dresdens vorgestellt. Hier besaßen die Schüler die Möglichkeit, selbst mit Geflüchteten ins Gespräch zu kommen und von ihnen ein paar Worte Arabisch oder Kisuaheli zu lernen.

Der zweite Workshop widmete sich der Fragestellung „Was wäre, wenn es die EU nicht gäbe?“. In der ersten Gruppenarbeit lasen die Schüler einen Text, der von Verbesserungen des Alltagslebens handelte, welche auf die EU zurückzuführen sind. Darauf aufbauend sollten die Schüler möglichst kreativ (Dialog, kurze Theaterszene, Zeichnungen) ein "Horrorszenario" entwickeln, welches sie ohne die EU zu befürchten hätten. Im zweiten Teil des Workshops arbeiteten die Schüler heraus, was für sie persönlich an der EU wichtig ist. Oft genannte Punkte waren gleiche Standards bei Bestellungen per Post oder Internet, umweltfreundliches Autofahren, Niederlassungsfreiheit, einheitliche soziale Mindeststandards und europaweite Anerkennung von Schul- und Ausbildungsabschlüssen. Im dritten und letzten Teil wurde in einer Gruppendiskussion über Kritikpunkte und Mängel der EU gesprochen und welchen dieser Kritikpunkte die Schüler für besonders wichtig halten und gern beheben würden.

Eine weitere Gruppe Schüler führte eine Straßenumfrage zum Thema Europa durch. Dabei waren sie mit Audiogeräten in der Nähe des Hauptbahnhofs und auf der Prager Straße unterwegs und nahmen O-Töne von Straßenpassanten auf. Anschließend bearbeiteten sie diese an Laptops mit der entsprechenden Software und schnitten die Umfrage zurecht. Bei der späteren Auswertung des Workshops wurde das Ergebnis dann den Mitschülern präsentiert (siehe Auswahl Audiodatei).

In dem Workshop „Wie entscheidet Europa für mich?“ durchliefen die Jugendlichen in einer kleinen Kurzversion eines Planspiels Prozesse im europäischen Parlament. Dabei beschäftigten sie sich mit dem Thema des Brexits und erarbeiten eine Vorlage für die EU-Kommission. Die Schwierigkeit bestand darin, trotz unterschiedlicher Standpunkte einen gemeinsamen Konsens zu finden.

Der fünfte Workshop stand unter der Frage „Kann ich als Dresdner auch Europäer sein?“. Dabei setzten sich die Jugendlichen mit verschiedenen Aspekten von Identität und Zugehörigkeitsgefühl, unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen von Europa sowie ungleichen Chancenverteilung in der Gesellschaft auseinander.

Nach einer Mittagspause stand Andrea Dombois, die Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags und Präsidentin der Europäischen Bewegung Sachsen den Schülern Rede und Antwort und appellierte an sie Europa mitzugestalten. Dabei ging Sie auch darauf ein, wie die Chancen und Schwierigkeiten für Europas Zukunft aus der Perspektive Sachsens zu bewerten sind.

Abschließend folgte eine gemeinsame Auswertungsrunde, bei welcher die Schüler sich gegenseitig knapp ihre Workshops noch einmal vorstellten und reflektierten, was sie von dem Tag mitnehmen konnten und gelernt haben. Dabei hoben Sie hervor, dass Sie es spannend fanden bei dem Umfrage-Workshop so viele unterschiedliche Meinungen und Perspektiven auf die EU von den Leuten mitzubekommen. Zudem sei es eine tolle Erfahrung gewesen, wie schwierig eine Konsensfindung in einem Parlament sein kann und über unterschiedliche Standpunkte sich konstruktiv zu streiten. Auch die persönliche Begegnung mit Geflüchteten und der Austausch mit ihnen hinterließ bei den Jugendlichen Eindruck.

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