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Zwischen Ignoranz und Notstand

Isabel Weininger

Der Umgang mit Covid-19 in Südostasien

Alle Länder Südostasiens pflegen enge Beziehungen mit China, die auch Wochen nach dem Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 in Wuhan nur zögerlich eingeschränkt wurden. Myanmar, Laos und Vietnam teilen Landgrenzen mit China, die teilweise sehr porös sind. Dennoch sind die offiziell gemeldeten Fallzahlen im globalen Vergleich gering. Die elf Länder haben auf die weltweite Pandemie ganz unterschiedlich reagiert.

Während in Vietnam seit Anfang Februar bereits Schulen geschlossen sind, sonst aber Geschäfte und Restaurants im März weiterhin offen blieben, wurden in Ländern wie Kambodscha, Philippinen und Indonesien erst einen Monat später Maßnahmen von der Regierung ergriffen. Diese mündeten dann rasch in strikte Ausgangssperren und nationalen Notstand.

Auch wenn der direkte Vergleich von den so unterschiedlichen Ländern Südostasiens kaum möglich und es zu früh ist, um Konsequenzen der Corona-Krise auf die jeweiligen Regierungsstrukturen abzusehen, lohnt sich doch ein genaueres Hinsehen. In der gesamten Region mit ihren
ca. 600 Millionen Einwohnern sind nach offiziellen Angaben bisher nur 315 Todesfälle, die auf das

Corona-Virus zurückzuführen sind, aufgetreten (Stand: 3. April 2020). Die Maßnahmen der Regierungen, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen, waren nicht nur verzögert, sondern auch vielfältig, in der Regel aber sehr rigoros und repressiv. Manchen Ländern könnte man vorwerfen, nicht nur das neuartige Virus, sondern in diesem Zuge auch die eigene politische Opposition im Land mit den Notstandsregeln zu bekämpfen. Neben dem offensichtlichen Leiden der Wirtschaft, müssen sich auch die Gesellschaften und Religionsgemeinschaften umstellen und trotz der bevorstehenden Feiertage von Feierlichkeiten absehen. Obwohl man mit Singapur ein sehr positives Beispiel im Kampf gegen das Virus hat, sind die Staaten der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) Gemeinschaft weiterhin auf die Hilfe der rivalisierenden Großmächte China und USA angewiesen, um der Pandemie etwas entgegenzusetzen. Welche Besonderheiten gab es also im Umgang mit der Covid-19-Pandemie in Südostasien und weshalb haben die Reaktionen der Regierungen zunächst auf sich warten lassen? Wie haben sich die Bevölkerungen mit den Maßnahmen arrangiert und gibt es Koordinierungsmechanismen zwischen den Ländern Südostasiens?

Geringe Fallzahlen trotz Nähe zu China

 

Die Fallzahlen sind in Südostasien insgesamt noch auf einem deutlich geringeren Niveau als in Europa. Bei fast allen Ländern geht man jedoch davon aus, dass die Zahlen nicht dem wahren Bild entsprechen und dass die Dunkelziffer durch nicht erkannte Infektionsfälle deutliche höher liegt. Es fehlt an ausreichend Test-Kits und Kapazitäten der Gesundheitssysteme, um ein annähernd realistisches Bild der Fallzahlen zu gewinnen. Außerdem ist davon auszugehen, dass die offiziellen Angaben der teilweise autokratisch regierten Staaten nicht immer der Wahrheit entsprechen.

Dass die Nachbarländer Chinas – das sozialistische Laos und Myanmar zunächst keine Fälle meldeten, ebenso wie Brunei, Osttimor und Indonesien, obwohl hier täglich direkte Flugverbindungen nach Wuhan, dem Ausgangsort des Virus, führten, ließ berechtigte Zweifel an der Richtigkeit der Angaben aufkommen. Alle Länder profitieren gleichzeitig von Chinas Investitionen, Tourismus und Entwicklungshilfen. Indonesien empfängt zum Beispiel jährlich zwei Millionen chinesische Touristen, hauptsächlich auf Bali. Laut dem chinesischen Generalkonsulat befanden sich im Februar 2020, als die Infektion in Wuhan und der Provinz Hubei ihre kritische Phase erreichte, 5.000 Chinesen im Land. Zweihundert davon stammten aus Wuhan und die meisten waren anschließend weder in Quarantäne noch wurden sie getestet. In Thailand wurde am 8. Januar erstmals außerhalb von China ein Corona-Virus-Fall offiziell bestätigt.

Laut den Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 3. April 2020[i], sind in Malaysia (3.116), Philippinen (2.633), Thailand (1.875) und Indonesien (1.790) die Zahlen der Infizierten stark angestiegen und hatten sich innerhalb von fünf bis sieben Tagen verdoppelt. Vietnam (233), Kambodscha (110) und Myanmar (16) haben die niedrigsten Fallzahlen aus der Region gemeldet, wobei diese Zahlen sich in einer Woche kaum angestiegen sind. Bisher vermeldeten vier der Staaten keine Todesfälle aufgrund von Covid-19 (Kambodscha, Laos, Osttimor und Vietnam) und Myanmar nur einen, Indonesien verzeichnete als bevölkerungsreichstes Land der Region mit 170 Verstorbenen die meisten Todesopfer, vor den Philippinen (107), und Malaysia (50).

Das Beispiel Vietnam zeigt eine geringe Anstiegsrate, im Vergleich zu Deutschland: Beide Länder hatten am 17. Februar jeweils 16 Fälle. Vier Wochen später verzeichnete Vietnam 61 Fälle, Deutschland 7.272; nochmals zwei Wochen später, am 30. März, meldete Vietnam 194 Infizierte, Deutschland 62.435. Der starke Anstieg in Malaysia von 129 auf 1.030 innerhalb einer Woche war auf eine religiöse Massenveranstaltung der Tabligh-Gemeinde von Ende Februar im Süden von Kuala Lumpur zurückzuführen.

Dort nahmen über 15.000 Menschen teil, mehrere Tausend davon aus dem Ausland, auch aus den Nachbarländern Indonesien und Kambodscha, die nach der Rückkehr in ihren Heimatländern positiv getestet wurden.

Dass alle südostasiatischen Länder zu Beginn sehr geringe Fallzahlen vermeldet haben, lässt darauf schließen, dass die Regierungen einerseits versucht haben, die Ernsthaftigkeit der Krise herunterzuspielen, um die engen Verbindungen zu China nicht abbrechen zu lassen. Außerdem wurde aufgrund mangelnder Kapazitäten im Gesundheitswesen in den weniger entwickelten Ländern nicht ausreichend getestet, um eine realistische Einschätzung der Lage zu bekommen. Es ist zu befürchten, dass sich die Lage in Ländern mit ohnehin schwachen Gesundheitssystemen wie Kambodscha, Myanmar und Indonesien in den nächsten Tagen und Wochen noch rasant verschlechtert und die Fallzahlen unbemerkt in die Höhe schnellen.

 

Maßnahmen von Schulschließungen bis zum Schießbefehl

 

Für eine Analyse der Maßnahmen von Regierungen gegen die Ausbreitung von SARS-Cov-2 haben Forscher der Universität Oxford ein Raster für die Stringenz von Maßnahmen im Kampf gegen Corona, von über 70 Ländern weltweit im Zeitverlauf zu den Fallzahlen entwickelt.[ii] Als Indikatoren der Maßnahmen gelten: die Schließung von Schulen, Arbeitsplätzen und der öffentlichen Verkehrsmittel, das Absagen öffentlicher Veranstaltungen, das Angebot öffentlicher Informationskampagnen, die Einführung von Ausgangs- und Reisebeschränkungen, finanz- und währungspolitische Maßnahmen, Notfallinvestitionen in das Gesundheitssystem und in die Entwicklung eines Impfstoffs. Auf dieser Ordnungsskala von 1 bis 100 werden Punkte für die Maßnahmen vergeben in Relation zu den Fallzahlen, Deutschland erzielte beispielsweise 71 Punkte. So bewerteten die Forscher Ende März die Länder Malaysia mit 86 Punkten und Indonesien mit 67 Punkten, sowie Thailand (67 Punkte) als relativ stringent in den ergriffenen Maßnahmen. Vietnam wird hier zunächst im Februar mit nur 42 Punkten bewertet, was die Entwicklung nachzeichnet, dass man trotz geringer Fallzahl sofort entschlossen reagiert hat, im Anschluss aber keine Verschärfung der Maßnahmen bis zum 30. März vorgenommen hat, als auch der Index auf 67 angehoben wurde. Myanmar erhielt 48 Punkten, andere Länder wie die Philippinen und Kambodscha fehlen aktuell noch in der Stringenz-Einordnung. Sieht man China auf
67 Punkten ist dies damit zu erklären, dass die Ausgangssperren in Beijing und Shanghai Ende März wieder gelockert wurden.

Betrachtet man die Maßnahmen der Regierungen Südostasiens genauer, sind Schulschließungen mittlerweile in allen Ländern angeordnet – mit der Ausnahme von Singapur. Ausgangssperren traten in den Philippinen am 17. März in Kraft, in Malaysia einen Tag später und in Vietnam am 30. März. Der Nationale Notstand wurde als erstes Anfang Februar in Vietnam verhängt, am 08. März wurde in den Philippinen der Gesundheitsnotstand ausgerufen, am 23. März in Indonesien und Ende März in Thailand.[iii] Die Philippinen reagierten zwar spät aber mit sehr konsequenten Maßnahmen und setzten fast die Hälfte der Bevölkerung unter Quarantäne, flankiert von strikten Kontrollen.

Singapur wird international als Vorbild im Umgang mit der Pandemie genannt. Das Krisenmanagement im Stadtstaat zeichnet sich seit dem ersten Fall Ende Januar durch sofortiges und detailliertes Clustern und Rekonstruieren von Kontakt- und Infektionsketten und dem konsequenten Isolieren von Patienten und Kontaktpersonen aus. Hinzu kommen umfangreiches Testen und moderne, schnelle und transparente Kommunikation. Eine Ausgangssperre konnte so in Singapur bisher vermieden werden. Das öffentliche Leben ist noch nicht zum Erliegen gekommen, allerdings werden schrittweise Einschränkungen eingeführt. Seit dem 27. März sind alle Unterhaltungseinrichtungen geschlossen, Restaurants und Geschäfte haben dagegen weiterhin geöffnet. Allgemein gilt, dass Gruppen bis zu einer Größe von zehn Personen zugelassen sind. Ein weiterer Schwerpunkt der Maßnahmen Singapurs liegt auf sehr strikten Einreisebestimmungen. Die Regierung hat außerdem eine neue App geschaffen, namens „TraceTogether“, die bei der Identifizierung enger Kontakte von infizierten Personen helfen soll. Mittels Bluetooth und zufallsgenerierter IDs werden Handys anderer Nutzer im Umkreis von zwei Metern auf freiwilliger Basis über Bluetooth gespeichert. So können Kontaktketten im Ernstfall schnell rekonstruiert werden.

Manche Regierungen nutzen die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie auch um gegen kritische Stimmen im Land vorzugehen. Beispielsweise hatten in Thailand im März zahlreiche Studenten gegen die Auflösung der Future Forward Partei demonstriert. Diese Versammlungen wurden von der Regierung und Universität untersagt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch äußerte sich in einem Statement beunruhigt, dass die thailändische Regierung auch Medien stark einschränke und dadurch beabsichtige, kritische Meinungsäußerungen über ihre Reaktion auf die Covid-19-Krise zu unterbinden. Ein Künstler wurde in Phuket verhaftet, da er am ineffektiven Überprüfungsprozess am Flughafen Kritik übte. Auch in den Philippinen gab es Unmut gegen die strikten Ausgangssperren, sodass Präsident Duterte am 2. April sogar den Schießbefehl erteilte, was anschließend von der Polizei relativiert wurde.[iv]

Die weitreichenden Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen bzw. Ausgangs- und Kontaktsperren greifen auch in Südostasien tief in die Grund- und Freiheitsrechte der Menschen ein. Diese Entwicklungen gilt es auch hier weiterhin genau zu beobachten, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Ausnahmezustände den weltweiten Gesundheitsnotstand überdauern und als Vorwand dienen, um noch repressivere Regime aufzubauen.

 

Reaktionen der Bevölkerung und religiöser Gemeinschaften

 

Bisher reagiert die Bevölkerung in einem Großteil der Länder relativ ruhig auf die Maßnahmen der Regierungen. Die singapurische Bevölkerung ist bereits durch den Ausbruch von SARS im Jahr 2003 krisenerprobt. Das Vertrauen in die Regierung ist hoch, daher werden die angeordneten Einschränkungen von den meisten Einwohnern mitgetragen. In Indonesien, Malaysia und Vietnam herrscht insgesamt große Akzeptanz hinsichtlich der Maßnahmen und Einschränkungen seitens der Regierung. Hingegen zeigt die Bevölkerung in Thailand, den Philippinen und Kambodscha mehr Angst und Unsicherheit gegenüber der Situation. In Myanmar wurden bisher kaum Verhaltensänderungen in Bezug auf die Hygienevorschriften und das Distanzgebot zu Mitmenschen im Alltag festgestellt; die Schuld am „Import“ von Covid-19 wird hier dem Westen zugeschrieben. Die Tatsache, dass Myanmar eine 2.000 Kilometer lange Grenze zu China hat, an der täglich Tausende illegal ein- und ausreisen, spielt dabei keine Rolle: China ist Myanmars wichtigster Handelspartner und politische und wirtschaftliche Eliten, aber auch die Medien, können es sich kaum leisten, öffentlich Kritik an China zu üben.

Die nächsten Wochen werden auch für den sozialen Frieden in vielen südostasiatischen Ländern entscheidend, da in der multiethnisch geprägten Region normalerweise zu dieser Jahreszeit zahlreiche religiöse Feierlichkeiten stattfinden. Neben dem christlichen Osterfest steht auch der Fastenmonat Ramadan bevor, zu dessen Anlass üblicherweise Millionen von Menschen in ihre Heimatdörfer reisen und somit das Virus landesweit verbreiten könnten. Die meisten Feierlichkeiten wurden bereits abgesagt: Das buddhistische Neujahrsfest Mitte April in Myanmar ebenso wie das Songkran Festival, das thailändische Neujahrfest, was einer Verschiebung des Weihnachtsfests in Deutschland gleichkäme. In Vietnam wurden alle religiösen Feste mit mehr als zehn Personen untersagt, die Philippinen raten dazu, Messen und Gottesdienste zu Ostern digital abzuhalten.
 

Hingegen soll das kambodschanische Neujahrsfest am 13. April weiter stattfinden. Die Geduld und Einsicht der Religionsgemeinschaften ist hier gefordert und dieser Konflikt offenbart einmal mehr das virulente Verhältnis von Religion und Politik in vielen Ländern der Region.[v]

 

Regionale Kooperation – ASEAN und anderer Akteure

 

Die Heterogenität der Länder Südostasiens wird erneut deutlich anhand der Reaktion auf die Covid-19 Pandemie. Die Regionalorganisation ASEAN könnte der Herausforderung mit multilateralen Ansätzen begegnen. Neben zahlreichen Experten fordert auch der thailändische Journalist Thitinan Pongsudhirak die Organisation zur Zusammenarbeit auf. Diese müsste sich drei Aufgaben stellen: Erstens müsse jedes ASEAN-Mitglied alle Corona-Fälle innerhalb seiner Grenzen lückenlos aufdecken und melden. Zweitens müsse die gesamte ASEAN als Einheit reagieren, indem sie Informationen austauscht und politische Maßnahmen effektiv koordiniert, um eine Ausbreitung oder zweite Infektionswelle mit dem Virus zu verhindern. Und drittens müsse man Wege finden, einen Missbrauch der Krise für die Verfolgung externer machtpolitischer Interessen und eine weitere Spaltung der ASEAN Gemeinschaft zu vermeiden. In der Tat habe die Pandemie Covid-19 die Fähigkeit, alle Errungenschaften der Regionalorganisation rückgängig zu machen, es sei denn, man schaffe es entschieden und direkt zu handeln, so Pongsudhirak.[vi]

Nach der momentanen Lage sieht es aber eher so aus, als würden die Mitgliedsstaaten der ohnehin nur schwach integrierten ASEAN Gemeinschaft zurück in den Nationalismus flüchten. Grenzen werden geschlossen und jeder versucht, die Infizierten aus dem eigenen Land fernzuhalten - ähnliche Reaktionen wie sie aktuell in der Europäischen Union zu sehen sind. Innerhalb von ASEAN bestehen erhebliche Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme und trotzdem gibt es Anzeichen von Solidarität. Das sehr gut entwickelte Singapur unterstützt hier beispielsweise Myanmar mit der Bereitstellung von Testkits oder entsendet medizinisches Material nach Indonesien. An die Stelle der Koordinierung durch die Regionalorganisation treten die machtpolitischen Rivalen in der Region: China und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Der große Nachbar China hat allen Ländern Unterstützung zugesagt und tat dies in Thailand, Myanmar, die Philippinen, Indonesien demonstrativ und medienwirksam durch die Lieferung von (N95) Masken, Test-Kits, antivirale Medikamente, medizinische Ausrüstung, persönliche Schutzausrüstung sowie durch strategische Partnerschaften mit Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer. Auch in Kambodscha wird mit dem Virus Politik gemacht: die Reisbeschränkungen für die Europäer und Amerikaner bei gleichzeitigem Verzicht für Südkorea und China, war ein deutliches politisches Zeichen. Andererseits haben die USA den Länder der ASEAN Gemeinschaft insgesamt 18,3 Millionen US-Dollar seit dem Ausbruch der Corona-Krise für Notfallhilfe im Gesundheitsbereich und humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt.[vii]


Die Europäische Union bleibt im Hintergrund und reagierte nur zögerlich: man wollte den Handelsaustausch aufrechterhalten und in der Vorbeugung und Bekämpfung der Covid-19-Pandemie mit ASEAN zusammenarbeiten. Eine bessere Koordination in ASEAN, die es punktuell und bilateral gibt, und größere Resilienz der nationalen Gesundheitssysteme, sowie internationale Unterstützung und Zusammenarbeit wird zukünftig nötig sein. Ein erster Schritt ist sicherlich die Resolution der Vereinten Nationen (VN) zur Corona-Pandemie, welche unter anderem durch Indonesien und Singapur eingebracht und von den 193 Mitgliedsstaaten der VN am 02. April verabschiedet wurde.

 

[i] Weltgesundheitsorganisation: „Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation Report – 74“, 03.04.2020. https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/situation-reports/20200403-sitrep-74-covid-19-mpzu.pdf?sfvrsn=4e043d03_4.

 

[ii] Hale, Thomas, Anna Petherick, Toby Phillips, Samuel Webster. “Variation in Government Responses to COVID-19”, Version 2.0. Blavatnik School of Government Working Paper. March 24, 2020. www.bsg.ox.ac.uk/covidtracker and link to pdf https://www.bsg.ox.ac.uk/sites/default/files/2020-03/BSG-WP-2020-031-v2.0.pdf Vgl. ebenso den sich täglich aktualisierten Datensatz zu - Hale, Thomas, Anna Petherick, Toby Phillips, Samuel Webster. “Oxford COVID-19 Government Response Tracker”, https://www.bsg.ox.ac.uk/research/research-projects/oxford-covid-19-government-response-tracker.

[iii] Human Rights Watch Asia: “Thailand: COVID-19 Clampdown on Free Speech Critic Arrested, State of Emergency Censorship Threatened”, Pressestatement vom 25. März 2020. https://www.hrw.org/news/2020/03/25/thailand-covid-19-clampdown-free-speech.

[iv] Deutschlandfunk: „Philippinen: Schießbefehl zur Durchsetzung von Coronamaßnahmen“, 02.04.2020. https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-philippinen-schiessbefehl-zur-durchsetzung-von.1939.de.html?drn:news_id=1116858.

[v] Vgl. Jacobs, Andreas: Die Virulenz von Religion und Politik, 29.03.2020. https://www.kas.de/en/kurzum/detail/-/content/die-virulenz-von-religion-und-politik.

[vi] Thitinan Pongsudhirak: “Asean must unite to resolve Covid-19”, in Bangkok Post vom 27.03.2020. https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1887230/asean-must-unite-to-resolve-covid-19.

[vii] U.S. department of State: U.S. Support for ASEAN in Fighting COVID-19, Fact Sheet from the Office of the Spokesperson, 31.03.2020. https://www.state.gov/u-s-support-for-asean-in-fighting-covid-19/.

Fazit

 

Die intensiven Handels- und Wirtschaftsbeziehungen Südostasiens mit China hatte man nach Ausbruch der Corona-Pandemie nicht sofort gestoppt. Die Ausbreitung des Virus konnte in der Region lange ohne Gegenmaßnahmen voranschreiten und wird seinen Höhepunkt in den nächsten Wochen erst noch erreichen. Dies könnte in Verbindung mit den zu erwartenden katastrophalen Auswirkungen auf die Wirtschaft, in der Folge auch zu Unruhen, Plünderungen oder Ausschreitungen führen und daher die Stabilität und Sicherheit der Staaten auf die Probe stellen, in Südostasien aber auch weltweit.[i]

Die Reaktionen der Länder waren verzögert und bevor anschließend einschneidende Maßnahmen ergriffen wurden, zu denen Eingriffe in die Freiheitsrechte der Bevölkerung, Schulschließungen und Notstandsregeln bis hin zu strikten Ausgangssperren gehörten. Singapur gilt durch sein erprobtes Krisenmanagement bisher als einziges positives Beispiel aus der Region im Umgang mit dem Virus. Die restlichen Länder waren deutlich unvorbereiteter und greifen mit ihren Maßnahmen tief in die Freiheitsrechte der Menschen ein. Erneut zeigt sich also die Vielfalt der Länder Südostasiens und nichtsdestotrotz würde man sich koordinierte Lösungsansätze auch durch ASEAN wünschen. Künftig sollten die Länder mehr Geld in ihre Gesundheitssysteme investieren und Pandemien als potentielle nationale Sicherheitsrisiken betrachten.

Der Direktor der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus sieht große Gefahren darin, wenn sich das Virus weiterhin unbeobachtet in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen ausbreitet. In diese Risikogruppe fällt auch ein Großteil der südostasiatischen Staaten. Daher wird der Fokus in den kommenden Wochen sicher auch auf dieser Region und den weniger entwickelten Ländern liegen.

 

[i] Daniela Braun: Nicht nur Gesundheit und Wirtschaft: Corona gefährdet auch unsere Sicherheit, im focus online 31.03.2020. https://www.focus.de/politik/experten/gastbeitrag-von-daniela-braun-covid-19-und-die-moeglichen-folgen-fuer-sicherheit-und-stabilitaet_id_11833947.html.

 

 

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Referentin für Südostasien (Indonesien/Ost-Timor, Kambodscha, Malaysia, Philippinen, Thailand, Vietnam)

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