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"Nachhaltigkeit muss global angegangen werden"

Ehemaliger Bundesumweltminister Töpfer im Gespräch mit Ralf Fücks von der Heinrich-Böll-Stiftung

Der frühere Umweltbundesminister, Prof. Dr. Klaus Töpfer, und Ralf Fücks von der grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung nahmen im Streitgespräch klare Positionen beim Thema Nachhaltigkeit ein. Trennendes und Vereinendes wurde deutlich bei der Auftaktveranstaltung der neuen Reihe "Humboldt trifft Adenauer", die von der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Humboldt-Universität zu Berlin ins Leben gerufen wurde.

Töpfer, auf dessen Konto der Grüne Punkt, das Verbot von FCKW und die Stilllegung aller Atomkraftwerke in den Neuen Ländern geht, ist leidenschaftlicher Verfechter von globaler Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Doch die zuletzt stattgefundenen Gipfeltreffen stimmen Töpfer pessimistisch. Vieles werde beschlossen und Ziele vereinbart, doch meist hapere es an der Umsetzung.

Zudem mache er in der heutigen Generation ein verloren gegangenes Vertrauen in die Wissenschaft aus und kritisierte die Zentralbank für eine nicht nachhaltige Politik. Töpfer nahm Bezug auf die zweite Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, in der von einem „technokratischen Paradigma“ die Rede ist und das Kirchenoberhaupt vor einer Technik ohne Ethik warnt. „Politik darf sich nicht der Wirtschaft unterwerfen und sie verliert zudem an Macht“, warnte Töpfer. Dass die Politik nicht mehr den Lauf der Dinge bestimme, bewertete Fücks, Mitglied des Vorstands der Heinrich-Böll-Stiftung, nicht negativ. Einzelne amerikanische Städte wie New York hätten sich ambitionierte Klimaziele gesetzt und arbeiten intensiv daran – unabhängig von der schleppend voran gehenden Klimapolitik der USA. Beiden Experten macht die Entwicklung der amerikanischen Klimapolitik Sorge. Denn „dort sehen wir die Flucht nicht in die moderne, sondern in die alte Technik“, so Töpfer. Fücks stimmte dem zu. „In den USA geht die Entwicklung in Richtung ökologischer Konterrevolution“.

Bei den großen Weltklimakonferenzen der 1990er Jahre, allen voran der Rio-Gipfel zu Umwelt und Entwicklung von 1992, hatte Europas Stimme noch Gewicht. „Zwanzig Jahre später beim Rio +20-Gipfel spielte Europa nicht mehr eine führende Rolle", sagte Töpfer. Dies hänge unter anderem mit der derzeit schwierigen Situation in Europa zusammen. Die Einheit der einzelnen EU-Länder drohe zu bröseln.

Daher könnten die großen Herausforderungen nur mit global funktionierenden Ansätzen gelöst werden, so Töpfer. „Wir müssen im Bereich Technologie neue Alternativen schaffen, die weltweit nutzbar sind“, appellierte er. Erneuerbare Energien hätten in Afrika nur dann eine Chance, wenn sie mindestens so wettbewerbsfähig seien wie Kohle oder Gas. Zudem müsse mehr im Bereich Wasserversorgung und Kreislaufwirtschaft getan werden. „Eine Verkehrswende ist mehr als ein Umstieg auf Elektromotoren“, sagte der ehemalige Bundesumweltminister. Wie man Mobilität intelligenter organisieren und nachhaltiger umgestalten kann, sei vielmehr die Frage, die sich die heutige Generation für die nachfolgende stellen müsse, so Fücks. „Nachhaltiges Leben muss global und nicht nur auf Deutschland bezogen werden“, ergänzte Töpfer.

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