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"Nicht igitt, sondern hilfreich"

Hauptstadtforum debattiert Zeitarbeit

Das Image könnte besser sein: Zeitarbeit wird in Deutschland nicht unbedingt als Sprungbrett für einen (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt betrachtet, sondern vielmehr mit ungleichem Lohn und fragwürdigen „Service-Gesellschaften“ in Verbindung gebracht, die feste Arbeitsplätze verdrängen. Doch dieses Bild verschleiert den Blick auf die Chancen und die Notwendigkeit von Zeitarbeit als Werkzeug auf dem modernen Arbeitsmarkt. Aus diesem Grund hat sich die Konrad-Adenauer-Stiftung dem Thema mit ihrem jüngsten Hauptstadtforum gewidmet.

Zwei Vertreter der Branche hatten dabei die Gelegenheit, ihren Blick auf die Potentiale der Zeitarbeit darzulegen. Dr. Alexander Spermann von Randstad betonte, dass deutlich mehr Zeitarbeiter in festen Arbeitsverhältnissen untergebracht werden können, als dies beispielsweise das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Studie ermittelt hat. Dort kam man zu dem Ergebnis, dass nur sieben Prozent aller Leiharbeiter eine feste Anstellung finden. „Intern rechnen wir eher mit einem ‚Klebe-Effekt’ von 30 Prozent“, hielt Spermann dagegen. Die in der Studie kritisierten Vermittlungsgebühren, die fällig werden, wenn ein Zeitarbeiter in eine Festanstellung wechselt, seien in der Praxis oft Verhandlungssache, erläuterte Spermann.

Ähnlich sieht das Sven Kramer, Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma PEAG Personal GmbH. Für ihn ist es deshalb wichtig, dass sich die Branche weiter entwickeln kann, ohne durch politische Entscheidungen eingeengt zu werden. „Zeitarbeit braucht Rahmenbedingungen, aber diese sind von den Tarifpartnern zu klären, nicht von der Politik“, sagte Kramer.

Unterstützung erhielt er dabei aus dem Bundestag. Die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann pflichtete Kramer bei, machte gleichzeitig aber auch deutlich, dass der Missbrauch des Instruments Zeitarbeit unterbunden werden muss. Dabei bezog sie sich besonders auf sogenannte Service-Gesellschaften, wie sie zum Beispiel Schlecker, aber auch Einrichtungen der AWO oder die Telekom gegründet haben, um reguläre Arbeitsverhältnisse in billigere Zeitarbeit umzuwandeln.

Wie wichtig Zeitarbeit inzwischen für Wirtschaftsunternehmen ist, wenn sie ordentlich umgesetzt wird, konnte der Mittelständler Ingo Schwarz, Geschäftsführer der Schwarzpunkt Kunststoffverarbeitung, verdeutlichen: „Leiharbeiter spiegeln die Anforderungen der modernen Arbeitswelt wieder, in welcher der Druck durch Großkunden und damit die Notwendigkeit zur schnellen Reaktion immer weiter steigt.“ Vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen sei in dieser Situation hilfreich.

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darüber, in welchen Bereich sich die Zeitarbeit noch weiterentwickeln sollte: Sowohl die Diskussionen um Mindestlohn und Equal Pay als auch die Frage nach Qualifizierung in Zeitarbeit müssen angegangen werden. „Ich bin optimistisch, dass die Zeitarbeits-Branche in diesen Bereichen gemeinsam mit den Unternehmen einen Weg finden wird“, sagte Ingo Schwarz abschließend. Und Moderatorin Marie-Luise Dött MdB fasste den Lernerfolg des Abends zusammen: „Zeitarbeit ist nicht igitt, sondern hilfreich.“

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