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Auflehnung in „Zimmerlautstärke“

Festakt zum 80. Geburtstag des Schriftstellers Reiner Kunze

Mit Gedichten wie „Zimmerlautstärke“ und poetisch klarer Prosa wagte Reiner Kunze den Widerstand gegen das SED-Regime und eine unerbittliche Kritik an der DDR. Bis heute gilt der mit vielen Preisen ausgezeichnete Schriftsteller als kritischer Zeitzeuge, der Zivilcourage bewies. In einem Festakt in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung ehrten zahlreiche Gäste, darunter Horst Köhler und Friede Springer, den anerkannten Dichter.

Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, gratulierte in seiner Ansprache Kunze zu seinem 80. Geburtstag und zu seiner überragenden Lebensleistung. Sie komme gemeinsam mit seiner Zivilcourage in seinen vielfach mit Preisen ausgezeichneten literarischen Werken zum Ausdruck.

Kunze, der sowohl die NS-Zeit als auch den SED-Staat erlebte, habe sich wie einige andere Menschen, die die Ungerechtigkeit nicht akzeptieren wollten, gegen die Unrechtsregime gestemmt und aufgelehnt. „Manche in spektakulären Aktionen, andere in Zimmerlautstärke, die gelegentlich dröhnendes Volumen annehmen kann und das mindestens aus der Perspektive des Adressaten“, sagte Lammert.

Dass der Schriftsteller dies unter hohem persönlichem Risiko getan habe, mache sein Einsatz umso beachtlicher. Für Lammert liege darin der Grund für Kunzes hohes Ansehen in der Literaturszene und darüber hinaus. „Sie sind und waren eine der wichtigen Stimmen, die sich mit den einen wie den anderen Verhältnissen kritisch auseinandergesetzt haben.“ Lammert lobte Kunze dafür, dass er seinen kritischen Blick auch nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik nie aufgegeben habe und sich auch zu politischen Entwicklungen im Westen äußerte. „Man muss Verirrungen geraderücken und mindestens ins Bewusstsein heben, um die Orientierungen wieder freizulegen, die eine freiheitliche Gesellschaft braucht“, bekräftigte Lammert.

Der Ehrenvorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Prof. Dr. Bernhard Vogel, bezeichnete Kunze als Wegbereiter der Wiedervereinigung. Dass heute Deutschland das beliebtestes Land in der Welt sei, sei nicht zuletzt das Verdienst des Schriftstellers. „Reiner Kunze zählt zu den in West wie Ost allgemein anerkannten herausragenden Dichterpersönlichkeiten“, hob der ehemalige Ministerpräsident hervor. Obwohl sich Kunze immer wieder in Gefahr begeben habe, sei er nicht umgekommen. Vogel überreichte Kunze zum Geschenk ein Lesebuch, das von Matthias Buth und Günter Kunert herausgegeben wurde und in dem vierzig Weggefährten den Schriftsteller würdigen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprachen die Panelisten Dr. Matthias Buth, Marko Martin, Nils Thieben und Prof. Dr. Dirk von Petersdorff über Stilmittel, utopische und politische Elemente sowie dem Freiheitsbegriff in Kunzes Werken. Kunzes Prosa und Lyrik habe Ähnlichkeit mit dem französischen Schriftsteller Albert Camus, stellte Dr. Matthias Buth fest. „Kunze hat seine Ästhetik weiter entwickelt und er vereint wunderbar die Identität von Künstler und Werk“, erklärte er. Marko Martin, Schriftsteller und Publizist, stellte ebenfalls eine Nähe zu Camus fest, die sich unter anderem in der politischen Komponente in Kunzes Werken widerspiegele. „Das Politische steht als Warnung, wo Unfreiheit sich einen Platz erkämpfen will.“ Daher spiele der Freiheitsbegriff in Kunzes Werken eine große Rolle. Diese Freiheit mache die Gedichte von Kunze auf besondere Weise so universell.

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