活动情况介绍

Frauen im Richteramt

Das bahnbrechende Gesetz, das Frauen den Zugang zum Richteramt möglich machte, wurde 2008 verabschiedet nur um 2010 widerrufen zu werden. Wie kam es zu diesem Rückschritt? Und was bedeutet er für eine Gesellschaft, die sich der Demokratie öffnen will? Das Seminar im oberägypt. Beni Suef diskutiert über die Entwicklungen und zeigt die Notwendigkeit, das Richteramt erneut für Frauen zu öffnen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema stand dabei immer im Zeichen der aktuellen, grundlegenden Veränderungen, die sich in Ägypten nach der Revolution im pol., soz. und gesellschaftl. Bereich abspielen.

Ablauf

Einleitend wurde die Notwendigkeit von Frauen im Richteramt für die Demokratie in Ägypten betont. Die Tatsache, dass die Zulassung von Richterinnen von Anfang an auf Kritik stieß, zeige deutlich, dass der Demokratisierungsprozess in Ägypten noch einen langen Weg vor sich habe, vor allem nachdem die Einwände und Proteste schlussendlich in der Rücknahme des Gesetzes gipfelten.

Mit den neusten Entwicklungen vor Augen, begann das Seminar inhaltlich mit einer Darstellung der Entwicklung von Frauenrechten in Ägypten. Erwähnt wurde dabei Qasim Amin, der mit seiner Veröffentlichung (1899) „Women’s Liberation“ (Tahrir al-Mar’a) einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen genommen hat. Als „Vater des ägyptischen Feminismus“ kritisierte Amin viele der gesellschaftlichen Probleme seiner Zeit, z.B. die Ehe mit mehreren Frauen (Polygynie), das Kopftuch, sowie Geschlechtertrennung im Islam (Purdah). Darüber hinaus wurde auf die „Egyptian Feminist Union“ hingewiesen, die erste landesweite Frauenbewegung in Ägypten. Gegründet wurde diese 1923 von der Aktivistin Hoda Shaarawi, die zwar nicht alle ihrer Forderungen durchsetzen konnte, jedoch die Grundlagen für die Frauenbewegungen schaffte. Bis heute gilt Hoda Shaarawi als symbolische Fahnenträgerin für die Befreiungsbewegung der ägyptischen Frau.

Angesichts jener frühen Erfolge in Bezug auf die Gleichberechtigung der Frau in Ägypten, sei es umso erschreckender feststellen zu müssen, auf welch großen Widerstand die Ernennung von Richterinnen stieß. Erst im Jahr 2003 wurde es einer Frau, Tahani El Gibalis, ermöglicht, den zuvor ausschließlich von Männern ausgeübten Beruf zu ergreifen. Mit ihrer Ernennung zur Richterin war somit ein Wendepunkt in der ägyptischen Geschichte erreicht worden. Bemerkenswert war es für die Teilnehmer, dass der Ausschluss von Frauen aus dem Richteramt keineswegs im Gesetz festgelegt ist. Vielmehr seien die Bewerbungen weiblicher Juristinnen für die kriminalistische Abteilung der Staatsanwaltschaft, aus der ein Großteil der Nachwuchsrichter ausgewählt wird, schlichtweg ignoriert worden. 2007, vier Jahre nach der Berufung El Gibalis in den Richterstuhl, konnte jedoch ein erneuter Erfolg im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter verbucht werden: 30 Frauen wurden offiziell zu Richterinnen ernannt. Während die Ernennung von Richterinnen von Menschenrechtsorganisationen als gesellschaftlicher Erfolg gefeiert wird, äußern andere ihre strikte Ablehnung gegenüber dem Beschluss. Ihr Hauptargument: im islamischen Gesetz (Sharia) gelte die Aussage eines Mannes vor dem Richter soviel wie die zweier Frauen. Somit sei die Funktion einer Frau als Richterin inakzeptabel. Ebenso ließen sich Frauen bei der Urteilsverkündigung mehr von Emotionen leiten als von ihrem Verstand. Neben dem Fehlen eines Gesetzes gegen den Ausschluss von Frauen aus dem Richteramt wurde auch von dem ägyptischen Großmufti Ali Gomaa ein offizielles Rechtsgutachen (Fatwa) erlassen, welches besagte, dass der Ausübung des Richteramtes durch eine Frau aus islamischer Sicht nichts entgegenstünde. Schon zu Zeiten des Propheten habe es weibliche Muftis und Predigerinnen gegeben, ein Beweis für die Hochachtung, die der Islam Frauen erweist. Sowohl weltliche als auch geistliche Regelungen sind also auf Seiten der Frauen.

Überrascht nahmen die Teilnehmer auch den Hinweis auf, dass Diskussionen über Frauen im Richteramt in anderen arabischen Staaten längst kein Thema mehr seien. In Syrien, Marokko, Afghanistan und im Jemen seien Richterinnen schon seit langem keine Seltenheit mehr und ein fester Bestandteil der Gesellschaft geworden. Auch in Ägypten sollte man endlich die Wichtigkeit erkennen, nur die Qualifiziertesten auf den Richterstuhl zu lassen. Ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt, sollte Nebensache sein. Im Rahmen der Revolution und den erstarkten Forderungen nach Demokratie und Gleichberechtigung, sahen sowohl Teilnehmer als auch Organisatoren die Zeit gekommen, endlich die existierenden Barrieren zwischen Männern und Frauen abzubauen. Frauen haben in den Demonstrationen eine ebenso wichtige Rolle eingenommen wir Männer, wodurch ihr Selbstbewusstsein und auch ihr Verlangen nach wahrer Gleichberechtigung gewachsen sind. Geht es nach den Diskussionsteilnehmern, sind Frauen im Richteramt bald Normalität.

Schlussfolgerung

Während des Seminars war spürbar, wie sehr sich die Menschen nach Veränderungen sehnen. Die Zeit ist gekommen, Frauenrechte in allen Bereichen zu stärken und somit auch die Rücknahme des Gesetzes zu revidieren. Wichtig ist es nun die absolute Notwendigkeit der Gleichberechtigung auch in alle Schichten der Gesellschaft zu tragen. Mit dem Seminar konnten den Teilnehmern genau dafür Argumente mitgegeben werden und die Abschlussdiskussion lässt hoffen, dann sich in Ägypten bald ein spürbarer Wandel vollziehen wird.

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Ägypten Ägypten