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Die Caritasidee und Wertorientierung in Transformationsländern

Tagung vom 17. bis 19. Mai 2007 in Olomouc mit Prof.Dr.Heinrich Pompey

Caritas-Idee und Wertorientierung in den Transformationsstaaten Mitteleuropas

Deus Caritas est

Kirche als „Gemeinschaft der Liebe“ im Dienst an den leidenden Menschen

Prof.Dr. Heinrich Pompey, Gründer des zukünftigen Studienganges "Caritaswissenschaften" an der Universität in Olomouc, fasst die Veranstaltung folgendermaßen zusammen:

  • Neben den Inspirationen und den Motivationen, die (dank des qualifizierten Niveaus der Statements und der Podiumsdiskussionen sowie des einmaligen Tagungsklimas bzw. der Tagungskultur) von den Teilnehmern aus den zentraleuropäischen, slawischen Ländern: Polen, Ukraine, Slowakei und Tschechien in das sozial-caritative Engagement der Heimatländer mitgenommen wurden – wie die persönlichen Rückmeldungen bestätigen - verfolgten wir als Veranstalter das Ziel, die Caritas-Idee der Enzyklika mit der Praxis kreativ zu verbinden, d. h. danach zufragen, welche Relevanz das Lehrschreiben „Deus caritas est“ der Katholischen Kirche für die Zivilgesellschaften der genannten Länder besitzen kann (vgl. Tagungsthematik). Eine solche Ideenkreation setzt ein Gesprächsforum von Fachleuten voraus, das 1. sowohl über gute sozialwissenschaftliche bzw. theologische Fachkompetenzen verfügen, das 2. die Praxis der caritativen Diakonie in den zentraleuropäischen wie zentral-osteuropäischen Ländern kennt und das 3. mit den zentralen Aussagen der Enzyklika „Deus Caritas est“ vertraut ist. Diese Vorbedingungen konnten dank der Didaktik der Tagung (vgl. das Tagungsprogramm) und der unter diesen Gesichtspunkten eingeladenen Tagungsteilnehmer (vgl. Teilnehmerliste) hergestellt werden. Diese Forschungsvoraussetzungen trafen dementsprechend auch für die Beobachter der benachbarten Transformationsländern: Rumänien, Ungarn und Sachsen/Deutschland zu.

    Das gesteckte Ziel setzte voraus, die bischöfliche Leitungsebene der vier Länder, die Managementebene der caritativen Dienstleistungsadministration diözesaner Caritasverbände, freie caritativ-christliche Initiativen, Vertreter der sozialen Politik, Fachvertreter nicht-kirchlicher und kirchlicher Sozialarbeitswissenschaften und der Humanwissenschaften wie Theologen der vier Länder in einen Fachdiskurs zusammenzuführen, was uns mit Hilfe eines arbeitsintensiven Einladungsmanagements gelang, wie die Liste der Teilnehmer und das Programm dokumentieren.

    So charakterisierten Interdisziplinarität (Humanwissenschaftler, Theologen und Sozialarbeitswissenschaftler u. a.) wie Internationalität (neun Nationen) die Tagung wie die Kleingruppenarbeit. Außerdem vereinte der so konzipierte Fachaustausch kirchliche wie nicht-kirchliche sozial-caritative Praktiker und Manager der Transformationsländer wie Vertreter der Fachwissenschaften, d. h. unser Ziel: Theorie und Praxis in einen fruchtbaren Dialog zu bringen, war damit sichergestellt.

  • Die gelungene Balance von Informationen und Diskussionen zeigte sich in der Kleingruppenarbeit am 3. Arbeitstag. Tagungsdidaktisch waren fast 50 % aller Dauerteilnehmer a.) mittels Präsentationen von Projekten, b.) durch Interpretation der Projekte oder c.) durch internationale wie interdisziplinäre Expertenpodien an den sozialwissenschaftlichen und praktischen Gewichtungen der Projekte und der Enzyklika beteiligt. Außerdem bestand durch die eingeplanten längeren Zeiträume, d. h. den Pausen zwischen den einzelnen Programmpunkten und die große Mittagsphase wie die Abendgespräche für alle Teilnehmer die Möglichkeit, mit den Experten, den Projektdarstellern im persönlichen Gespräch die Eindrücke und erhaltenen Informationen zu vertiefen oder kritisch zu hinterfragen.

    Das führte dazu, dass am letzten Tag - dank der Arbeitsgruppen mit allen Tagungsteilnehmern - vielfältige Ideen zur Umsetzung der Enzyklika bzgl. Kirche als „Gemeinschaft der Liebe“, Kirche im „Dienst der Liebe“ und die Bedeutung der Enzyklika für eine caritative Zivilkultur unserer Gesellschaften zusammengetragen werden konnten, die wir in den nächsten Monaten auswerten möchten.

Die intendierte Ideengenerierung umfasst somit folgende vier Schritte:

  1. Auswertung der Statements und Podiumsgespräche,
  2. Auswertung der Stillarbeit aller Teilnehmer zu den genannten Aspekte mit Hilfe eines Fragebogens,
  3. Auswertung der Agregierungen dieser persönlichen Erkenntnisse, wie sie durch die Kleingruppengespräche aller Teilnehmer vorgenommen wurden; insgesamt kamen 5 Gruppen á 7-9 Teilnehmer zustande, sie arbeiteten 45 Min. (zunächst war 35 Min Arbeitszeit vorgesehen, diese wurden dann auf 45 Min verlängert und beendet, nachdem von den 5 Gruppen für 4 Gruppen der Zeitrahmen ausreichte und die letzte Gruppe kurz vor dem Abschluss stand). Im Plenum präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse, die von uns elektronisch dokumentiert wurden und später ausgewertet werden sollen.
  4. Eventuelle Analyse des internationalen Medienspiegels zur Tagung.
  • Erstmals seit der Wende gelang es mit Hilfe dieser Tagung, Verantwortliche der kirchlichen Caritaspraxis und Fachexperten der christlichen Sozialarbeit mit Theologen im westslavischen Raum, d.h. in Mittel- und Mittel-Osteurpa - zum Thema der Caritasidee und der christlichen Wertorientierung der Sozialdiakonie in Transformationsländern - ins Gespräch zu bringen, um so das Bewusstsein zu stärken, über große eigene Potentiale für eine qualitätsvolle caritative Diakonie und für das Empowerment der eigenen Mitglieder (d. h. ihre Gläubigen) und jeweiligen Lebensräume (d.h. ihre Pfarrgemeinden und Gemeinschaften) zum Wohl einer humanen Zivilgesellschaft der Transformationsländer - entsprechend den eigenen sozialen wie politischen Lebensbedingungen - zu verfügen. Ferner stellte die Tagung eine internationale Vernetzung der Fach- und Praxisvertreter für den zentraleuropäischen Raum erstmals her.

    Eine nachhaltige soziale Entwicklung setzt die Mobilisierung der eigenen Kräfte und Möglichkeiten voraus (d. h. selbstbestimmte kognitive Inspirierung und emotionale Motivierung). Sie gelingt nicht durch ein noch so wohl gemeintes Überstülpen von Handlungs- und Motivationsaspekten aus anderen Erfahrungsräumen, wie dies nach der Wende leider oft durch westeuropäische Fachverbände der Fall war. Nur ideell (z. B. durch den christlichen Glauben) und nicht finanziell (z. B. durch gut abgesicherte Gehälter) lassen sich in Zukunft Motivationen zur Mitarbeit in den Transformationsländern freigesetzten. Es ist kaum möglich, z. B. nach dem Modell: Deutsche Caritas in diesen Ländern einen ebenso umfangreichen hochprofessionellen caritativen Dienstleistungssektor zu entwickeln. Neben den professionellen stützenden Systemen kommt in Mittel- und Osteuropa – ähnlich wie in Frankreich, Spanien und Italien – dem qualifizierten Freiwilligen-Einssatz - getragen durch die örtlichen Pfarrgemeinden - ein wesentlich bedeutsamerer Stellenwert zu als dies im Vergleich zu Deutschland der Fall ist (Deutsche Caritas beschäftigt ca. 500 000 bezahlte Mitarbeiter und die Caritas im finanziell ähnlich situierten Frankreich nur ca. 25 000). Finanziell wie institutionell lässt sich der deutsche Weg nicht kopieren. Darum wurden tagungsdidaktisch keine westeuropäischen Fachvertreter und Fachmanager mit Vorträgen und Präsentationen in diese Tagung einbezogen. Mit Hilfe einer entwicklungsorientierten Didaktik sollte auf die eigenen Motivationen (z. B. der Glaube) wie die sozialen Fach- und Landeskenntnisse und die finanziellen Möglichkeiten (z. B. mit Hilfe von Sponsoring) zurückgegriffen werden.

    Bezüglich der vier Ebenen der Transformation wurde mit dieser Tagung somit kein Beitrag zur staatlichen, zur politischen wie zur wirtschaftlichen Transformation geleistet sondern zur sogenannten gesellschaftlichen Transformation, die eine zivilgesellschaftliche Ausrichtung anzielt.

Bericht und Bilder

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