Veranstaltungsberichte

GEDENKTAGE 2022

von Klaudja Zerva

7. Ausgabe

Die MEMORY DAYS sind eine jährliche Aktivität, die darauf abzielt, die gesellschaftliche Debatte und die Erinnerung an die Folgen des kommunistischen Regimes in Albanien lebendig zu halten. Sie werden seit Oktober 2016 vom Institut für Demokratie, Medien und Kultur (IDMC) in Partnerschaft mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) konzipiert und organisiert. Jedes Jahr gibt es ein spezielles Motto. Im Mittelpunkt der 7. Ausgabe standen die Mythen über den Kommunismus, die sich bis heute halten.

In Albanien fand und findet ein kommunistischer Mythos besonders günstige Bedingungen vor: eine ausgeprägte Bizarrheit und Radikalität des kommunistischen Regimes in Bezug auf die Ambitionen, die sozioökonomischen Verhältnisse zu verändern und die Gesellschaft ideologisch zu indoktrinieren, eine starke Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, ein dramatischer postkommunistischer Übergang mit schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen usw.

In diesem Kontext beleuchtete die 7. Ausgabe der MEMORY DAYS unter dem Motto "Kommunistische Mythen in Albanien, vor und nach dem Systemwechsel" ein äußerst wichtiges, breites und wenig erforschtes Thema.

Im Rahmen der MEMORY DAYS organisierte die KAS in Zusammenarbeit mit anderen Partnern folgende Veranstaltungen:

AUSSTELLUNG: ALLTAG IM SPAÇ-GEFÄNGNIS - SKIZZEN NACH DEN AUSSAGEN DER ÜBERLEBENDEN
Datum: 20. Februar, 17 Uhr, Veranstaltungsort: Destil Creative Hub Tirana
Seit seiner Gründung 1968 war das Gefängnis von Spaç als Arbeitslager geplant, in dem politische Gefangene des kommunistischen Regimes auf dem Gelände einer Kupfer- und Pyritmine in einer abgelegenen Bergregion im Zentrum des Landes arbeiten sollten. Ihr Leben in diesem Lager war eng mit dem Bergbau verbunden. Doch wie verliefen die Tage dort? Wie sahen die Lebens- und Arbeitsbedingungen aus? Wo schliefen sie, was aßen sie, wo und wie fanden die Rituale des schweren Lebens in diesem Lager statt?

Bereits drei Jahrzehnte nach der Schließung des Lagers, nachdem die Zeit bereits viele Spuren des Lebens dort verwischt hat, realisieren die Konrad-Adenauer-Stiftung und Kujto. al dieses Projekt, das Kunst und Forschung verbindet und darauf abzielt, die Tage und Aktivitäten der Häftlinge durch eine Reihe von Grafiken visuell in Erinnerung zu rufen.


DISKUSSION: GESCHICHTE DURCH DOKUMENTE - KOMMUNISTISCHE INDOKTRINATION IN KULTUR UND KUNST
Datum: 21. Februar, 11 Uhr, Veranstaltungsort: Institut für Geschichte, Akademie für Albanische Studien
Die vier Bände "Dokumente über die politische Kultur und die Indoktrination der Gesellschaft durch den albanischen kommunistischen Staat 1945-1990" sind das beste Beispiel für den Mechanismus von Propaganda, Angst, Zensur und Gewalt gegen die Gedankenfreiheit im kommunistischen Albanien. In einem System, das auf Indoktrination beruht, gibt es kein Individuum, sondern ein Kollektiv, gibt es kein Talent und keine Inspiration, sondern ein festgelegtes System des Denkens und Schaffens, gibt es keinen Wettbewerb und keinen Wert, sondern ein System der Bewertung in Abhängigkeit von der offiziellen politischen Linie. Die Bände wurden von den Forschern Prof. Beqir Meta, Prof. Afrim Krasniqi und Dr. Hasan Bello vom Institut für Geschichte erstellt. Das Institut für Geschichte ist in den Jahren 2017-2021 damit beschäftigt, die Geschichte des kommunistischen Albaniens anhand von Dokumenten und Fakten zu erzählen. Bände zur Indoktrination in Kultur und Kunst sind Teil dieses Engagements, das in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung fortgesetzt werden soll.

 

AUSSTELLUNG: "UNBEFREIT - FRAUEN ZWISCHEN PRODUKTION UND REPRODUKTION"

Datum: 22. Februar, 17 Uhr, Veranstaltungsort: Berk
Die Politik des sozialistischen Albaniens nach dem Zweiten Weltkrieg war im Allgemeinen vom sowjetisch-stalinistischen Modell inspiriert. Das Modell der Geschlechterpolitik, insbesondere die Haltung des Parteistaats gegenüber den Frauen, hatte die gleiche Inspirationsquelle. Dieses Modell zeigt jedoch nicht den Versuch, die Frau zu befreien, sondern ihre Einbindung in einen Produktions- und Reproduktionsmechanismus. Die Emanzipation wird als inhärente Versöhnung mit der Rückkehr der Tradition betrachtet, die durch bestimmte politische Maßnahmen und kulturelle Propagandamittel neu propagiert wird, und nicht als Bruch mit der Vergangenheit. Diese Ausstellung zeigte das Fehlen einer feministischen, befreienden Haltung gegenüber Frauen im Gegensatz zum offiziellen Diskurs über die Manipulation der Freiheit der Frauen auf, indem sie eine Reihe kritischer Fragen aufgriff.


DISKUSSION: "GUTE ALTE ZEITEN?!" - EINE STUDIE ZUR POSTKOMMUNISTISCHEN NOSTALGIE
Datum: 24. Februar, 10 Uhr, Veranstaltungsort: Die Nationalbibliothek von Tirana, Amerikanische Ecke
Ein Mitglied des neuen albanischen Parlaments forderte die Öffentlichkeit auf, sich auf die "guten Dinge" der kommunistischen Zeit zu besinnen. Das vorherige Parlament wurde von einem ehemaligen Sekretär der Kommunistischen Partei geleitet. Jedes Jahr im Oktober und November demonstrieren in Tirana einige wenige Menschen mit Porträts des kommunistischen Diktators Enver Hoxha. Ist das eine politische Provokation oder reine Nostalgie? Ist das Sehnsucht nach dem Kommunismus oder "soziale Demenz"? Wie sollte die postkommunistische Nostalgie betrachtet und behandelt werden? Die Konrad-Adenauer-Stiftung und Politiko haben das Buch "The post-communist nostalgia" ins Albanische übersetzt und veröffentlicht. Eine Untersuchung darüber, wie die ehemals kommunistischen Länder auf dem Balkan den sozialen und politischen Übergang bewältigen. Wie macht Albanien das? Dieses Thema wurde mit einer Gruppe von Forschern und Akademikern diskutiert.

Kontakt

Klaudja Zerva

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