Veranstaltungsberichte

Die Zukunft des Bankenwesens in Europa

von Oliver Morwinsky

Braucht es im 21. Jahrhundert noch Banken oder nur Bankdienstleistungen?

Der Bankensektor ist mit existentiellen Problemen konfrontiert: mangelndes Wachstum, komplizierte Regulierungsmaßnahmen und steigende Konkurrenz. Ein Grund der aktuellen „Bankenkrise“ ist eine statische Herangehensweise mit mangelnder Bürgernähe. Es wird eine zu komplizierte Sprache gesprochen, die für den Kunden nicht mehr verständlich ist. Dieser fühlt sich somit im Stich gelassen. Im Zuge des Ausbruchs der Finanzkrise im Jahr 2008 und der Rettung von Großbanken durch staatliche Rettungsprogramme, wurde offenbar, dass die Problematik des „too-big-to-fail“ existiert.

Das Europabüro der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete am 16. Juni ein Expertensymposium zum Thema „Die Zukunft des Bankenwesens in Europa – Braucht es im 21. Jahrhundert noch Banken oder nur Bankdienstleistungen?“. Dabei wurden nicht nur Analysen vorgestellt, sondern auch Lösungsmodelle diskutiert. Nach einem Vortrag von Herrn Alexander Mettenheimer (Mitglied im Aufsichtsrat der BHF-Bank), stellten die Herren Dr. Daniel Gros (Direktor des CEPS) und Markus Becker-Melching (Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverband deutscher Banken) ihre Thesen vor. Alle Sprecher waren sich einig, dass das aktuelle Bankenwesen reformiert werden muss, fraglich ist dabei noch, wie dieses genau strukturiert werden soll.

"Das europäische Projekt ist erstmals in Lebensgefahr", sagte Günther Oettinger, deutscher EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, am 14. März 2016 beim Sparkassentag in Düsseldorf. Der Bankensektor ist mit existentiellen Problemen konfrontiert: mangelndes Wachstum, komplizierte Regulierungsmaßnahmen und steigende Konkurrenz. Ein Grund der aktuellen „Bankenkrise“ ist eine statische Herangehensweise mit mangelnder Bürgernähe. Es wird eine zu komplizierte Sprache gesprochen, die für den Kunden nicht mehr verständlich ist. Dieser fühlt sich somit im Stich gelassen. Im Zuge des Ausbruchs der Finanzkrise im Jahr 2008 und der Rettung von Großbanken durch staatliche Rettungsprogramme, wurde offenbar, dass die Problematik des „too-big-to-fail“ existiert. Entstanden ist sie u.a. durch eine zu starke Deregulierung im Finanzbereich. Nun stellt sich die Frage, wie in Zukunft eine solche Krise vermieden werden kann.

Zu komplexe Regulierung?

Im Zuge der Etablierung der Bankenunion hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Aufsicht über die größten Kreditinstitute übertragen bekommen. Durch ihre Aufsichtstätigkeit obliegt ihr u.a. der Bereich der Regulierungen. Aktuell sind 160 Regulierungsmaßnahmen der EZB in Kraft, dadurch wird im alltäglichen Bankengeschäft ein erhöhter Aufwand an Formalia deutlich. Der Sinn und die Notwendigkeit dieser stehen immer wieder zur Debatte, da die Effektivität des Bankengeschäfts durch erhöhte Anforderungen an Transparenz und Kontrolle von Geschäftsvorgängen reduziert wird. Der größte Kritikpunkt aus Sicht der Banken ist, dass diese die meiste Zeit mit der Umsetzung der Regularien beschäftigt sind, statt mit der eigentlichen Geschäftsführung. „Jede Regulierung ist klinisch betrachtet sinnvoll, aber in der Praxis schwer umsetzbar“, betonte Herr Mettenheimer.

In der momentanen Lage ist derzeit nicht abzuschätzen, wie sich die Regulierungsmaßnahmen auf das Kundenverhältnis, das vor allem für Kleinbanken ein Risiko aufgrund der limitierten Personal- und Budgetressourcen darstellt, auswirken werden. Tatsache ist, dass eine Veränderung des Bankenwesens angesichts der strukturellen Probleme unausweichlich ist. „Die Politik ist prozyklisch: Es wird angezogen, wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, und locker gelassen, sobald es Fortschritte gibt.“, so Dr. Gros.

Steigende Konkurrenz durch FinTechs

Die digitale Entwicklung, die sich durch die ganze ökonomische Wertschöpfungskette zieht, macht auch vor dem Bereich der Finanzdienstleistungen nicht Halt. Hier sticht derzeit besonders die Gattung der sog. FinTechs hervor. FinTechs umfassen alle Technologien rund um Finanzdienstleistungen. Der Bereich deckt mobile oder webbasierte Zahlungssysteme, Kontoverwaltung, Anlagekonzepten und deren Strategien ab. Es sind junge Banken-Herausforderer, wie beispielsweise Fintech Vaamo, die viele Dienstleistungen billiger anbieten und die Wert-schöpfungskette der Banken angreifen. Die Meinungen über die Konkurrenzfähigkeit des bisherigen Geschäftsmodells der Banken gegenüber den FinTechs sind sehr gespalten. Dies wurde auch während der Diskussionsrunde deutlich: Einerseits sei aufgrund des Innovationsfortschritts deren Konkur-renzgefahr sehr groß, andererseits müssten die traditionellen Banken durch gute Leistungserbringung nicht um ihre Existenz bangen. Ein Verlust von Marktanteilen ist unausweichlich, trotzdem wird der Bankensektor weiterhin bestehen bleiben. Eine mögliche Konkurrenz durch FinTechs kann auch als Herausforderung betrachtet werden, um ein neues Geschäftsmodell zu konzipieren.

Notwendigkeit eines neuen Bankengeschäftsmodells?

Alle Sprecher waren sich einig, dass es Zeit wird über ein neues Bankenmodell nachzudenken. Dabei müssen die Kundenbedürfnisse wie Verständnis, Schnelligkeit und Transparenz bedacht werden. Dass die Bankendienstleistung an sich weiterhin bestehen bleibt, ist unumstritten. Die Frage, die sich aber stellt, lautet: Wie soll die Struktur der Bankenunternehmen in Zukunft aussehen? Kleine Banken können die momentanen Anforderungen an Regularien nicht erfüllen. Somit müssen diese auf Spezialisierungen des Angebots und des Klientel setzen. Als beste Lösung gelten individualisierte Dienstleistungen. Die damit verbundenen hohen Personalkosten sprechen dafür, dass als Ausweg standardisierte Dienstleistungen eingesetzt werden. Um die Produktivität des Bankengeschäfts zu steigern, dürfen die persönlichen Beziehungen zu den Kunden nicht unterschätzt werden.

Ein alternativer Lösungsansatz ist die Fusionierung mehrere Banken zu Großbanken. Der Tenor des Expertensymposiums war, dass es aufgrund der (technischen) Entwicklung im Banken- und Finanzsystem zu einer Veränderung kommen wird. Viele Faktoren, wie die Niedrigzinspolitik, die Schließung vieler Bankfilialen, die Digitalisierung und die langsame, aber dringend notwendige Erhöhung der Eigenkapitalunterlegung sprechen dafür, dass Banken eine klar definierte Rolle benötigen. Nun ist es an der Zeit, dass Regierungen Initiative ergreifen und Reformen einleiten, damit eine neue Krisenwelle verhindert wird.

Fenicia Aceto