Veranstaltungsberichte

„Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“

von Johannes Christian Koecke

Eine Bonner Veranstaltung zur Sterbebegleitung mit Bundesminister Hermann Gröhe

Das Bonner Collegium Leoninum hat eine bewegte Geschichte. Nachdem das Bistum Aachen es als Konvikt für seine Theologiestudenten aufgegeben hat, wurde es Seniorenresidenz, Vier-Sterne-Hotel und Veranstaltungslocation. Man hätte also kaum einen sprechenderen Ort für eine Veranstaltung zur Frage von Sterbebegleitung und Sterbehilfe als die Alte Kirche des Hauses finden können.

Das starke mediale und gesellschaftliche Interesse an der Sterbehilfedebatte und die prominente und sachkundige Besetzung wirkten zusammen, die Abendveranstaltung mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der Bonner Bundestagsabgeordneten Claudia Lücking-Michel, dem Palliativmediziner Prof. Radbruch, dem Staatsrechtler Prof. Höfling und dem Patientenvertreter Eugen Brysch zu einem Interesse zu verhelfen, das die Kapazität des Raumes überstieg.

185 Teilnehmer vom politisch Interessierten zu Fachpersonal aus Pflege- und Hospizwesen konnten nach der Einführung von Dr. Ludger Gruber, Leiter des neugeschaffenen KAS-Büros Bundesstadt Bonn dem engagierten Vortrag von Hermann Gröhe entnehmen, dass die Sterbebegleitungsfrage, die zur Zeit im Bundestag debattiert wird, immer zwei Seiten hat, die zugleich betrachtet werden müssen: die Frage der medizinischen und pflegerischen Betreuung der Todkranken und die Frage, ob und in welcher Weise andere Menschen ihnen beim Sterben „helfen“ sollen. Natürlich ist dies der ethische Knackpunkt, und auch das nachfolgende, von Dr.Christiane Florin von Christ&Welt in der ZEIT einfühlsam und überlegt moderierte Podium widmete sich ausführlich dieser Frage.

Aber Minister Gröhe konnte zunächst eindrucksvoll dokumentieren, wieviel Anstrengungen die Bundesregierung unternimmt, es gar nicht erst zu einer Frage von Sterbehilfe kommen zu lassen, also den Kranken soviel wie möglich an schmerzlindernder Medizin und pflegerischer Betreuung zukommen zu lassen. Der evangelische Christ Gröhe hat auch auf die ethische Frage eine klare Antwort: Menschen sollen an der Hand anderer Menschen sterben, nicht durch die Hand anderer, eine Position, die auch die Bonner Abgeordnete Dr. Claudia Lücking-Michel teilt, die sich dazu in ihrem Schlusswort auf ein eigenes Positionspapier berufen konnte.

Das Podium konnte die Ausführungen der Politiker vertiefen. Der Schmerzmediziner Lukas Radbruch stellte klar, wie wenige Menschen während einer palliativmedizinischen Behandlung nach der finalen Spritze verlangen, der Staatsrechtler Wolfram Höfling, Mitglied im Deutschen Ethikrat, brachte Ordnung in die verwirrenden Begriffe, Eugen Brysch forderte der Politik leidenschaftlich noch mehr Anstrengungen zur Verbesserung der Patientensituation ab. Christiane Florin aber lenkte das zwischenzeitlich von Spezialfragen gefesselte Podium auf die grundsätzliche Frage, warum immer mehr Menschen auf gesellschaftliche Zustimmung treffen, wenn sie erklären, sich zum Sterben nicht der Pflege und Behandlung anderer aussetzen, nicht „abhängig“ werden und anderen „zur Last“ fallen zu wollen, sondern das rasche Ende suchen. Thesen dazu gab es einige, es herrschte aber allgemeiner Konsens, dass Zuwendung und Nähe, sei sie staatlich organisiert und befördert oder familiär geleistet, diesem Wunsch den Nährboden entziehen.

Das Büro Bundesstadt Bonn wird das Thema Sterben in Würde weiter begleiten, eine große Hilfe dabei ist die gleichnamige Publikation der KAS, die bei der Veranstaltung druckfrisch auslag.