Veranstaltungsberichte

Aktuelle Trends im politischen Marketing

von Robert Grünewald

Workshop zur politischen Kommunikation 25./26. Februar 2011 Schloss Eichholz

Dass das politische Marketing zu einem elementaren Baustein der politischen Kommunikation geworden ist, hat sich herum gesprochen. Dies zeigt auch das Interesse, das dem Thema von den Zielgruppen in der Politischen Bildung mittlerweile entgegen gebracht wird. Zudem gibt es auch immer wieder neues zu berichten, wie der vergangene Workshop auf Schloss Eichholz in Wesseling gezeigt hat.

Dass immer mehr Bürger online gehen, hat allerdings weniger Neuigkeitswert. Ihre Zahl ist mittlerweile auf 75 Prozent gestiegen. Unterschiedlich ist jedoch die Web-Affinität, wenn man die Partei-Anhängerschaft betrachtet. So konstatiert Jochen Wagner von der Kampagnenagentur „blackmore communications“ bei den Anhängern der Grünen mit 89 Prozent eine ausgesprochen hohe Netznutzung (CDU: 71 Prozent), was dazu führt, dass die Grünen mit Online-Kampagnen wesentlich effektiver ihre Anhängerschaft mobilisieren können als die anderen Parteien. Doch weist Wagner auch darauf hin, dass bei allen Möglichkeiten, die das Netz bietet, online wie offline gilt: Die Kernbotschaft muss stimmen.

Ähnlich sehen es Lothar Schindler, Vertriebsleiter bei der Deutschen Post AG, und seine Kollegin Marion Pempelforth, die über das Thema Dialog-Marketing referierten. Allerdings stimme die Botschaft erst dann, wenn sie auch die richtige Zielgruppe erreiche. Zielgruppe, Medium und Botschaft, dies seien die Faktoren für ein erfolgreiches Dialog-Marketing. Die beiden Referenten führten auch vor, mit welch raffinierten Mitteln mittlerweile operiert wird, um die immer knapper werdende Aufmerksamkeit der Bürger und Wähler zu gewinnen. Eye-Tracking und Eye-Catching, das man vor allem aus der Wahlplakat-Forschung kennt, haben hier längst Eingang gefunden und werden eingesetzt, um den Dialog mit den Bürgern in Gang zu bringen.

Einen weiteren wichtigen Aspekt steuerte Thomas Meier, Präsident des Bundesfachverbandes der Immobilienverwalter, bei. Er stellte das Wertemanagement in seinem Verband vor und betonte: „Werte sind wichtig, weil sie die Unternehmenskultur maßgeblich bestimmen.“ Sein Verband habe es sich nicht leicht gemacht mit der Erarbeitung eines Wertekanons. Doch dies zahle sich unter Marketing-Gesichtspunkten letztlich aus, weil man damit den Kunden signalisieren könne: Unser Handeln ist wertgebunden und substantiell.

Das hörten die Zuhörer im Publikum gerne, waren die meisten unter ihnen doch als ehrenamtliche Mandats- oder Funktionsträger für ihren Parteiverband vor Ort angereist. Ein effektives Wertemanagement für die Politik, das sorgte auch nach Seminarende noch für Diskussionen und bei dem einen oder anderen für den Entschluss, zuhause im eigenen Parteiverband für ein solches Instrument zu werben.