Veranstaltungsberichte

Die veränderte Türkei

Wie tickt die Türkei? - Das war das Thema, zu dem am 27. Juni 100 Gäste in den Festsaal der Universität Bonn gekommen waren.

Nachdem der Leiter des Auslandsbüros Ankara der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sven-Joachim Irmer, Einblicke in die Arbeit der Stiftung gegeben und seine Überzeugung vorgetragen hatte, den Dialog mit der Türkei, mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft, nicht abreißen zu lassen, spannte Prof. Alkan einen weiten Bogen von der Geschichte der Türkei und den daraus erwachsenen kulturellen Prägungen über die Außen- und Europapolitik bis hin zu aktuellen Themen der türkischen Innenpolitik.

Grundsätzlich stellte der Referent fest, dass die Türkei ihre außenpolitischen Bindungen auf den Prüfstand gestellt habe, in der Erwartung, durch strategische Alternativen ihren Handlungsspielraum zu erweitern. Dabei hätten sich nicht alle Hoffnungen erfüllt, die man auf die türkischen Initiativen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, im Nahen Osten und in Nordafrika gesetzt hatte.

Die Enttäuschung über die EU und die starke Reaktion auf die Armenien-Resolution des deutschen Bundestages erklärte der an der Bonner Universität ausgebildete Experte für deutsch-türkische und internationale Beziehungen mit den besonders hohen Erwartungen, die man in der Türkei an beide Partner hatte. Obwohl sich die Türken wohl nicht als Europäer fühlten, richteten sich die persönlichen Präferenzen vieler Jugendlicher an amerikanisch-europäischen Lebensstilen aus. Das gehe aus einer von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Auftrag gegebenen Jugendstudie (s. Link "Zum Thema") hervor, die der Leiter des Auslandsbüros, Sven-Joachim Irmer, in der Debatte über die Ausführungen von Prof. Alkan ansprach. Da die Beitrittsgespräche faktisch zum Erliegen gekommen seien, sprach sich Prof. Alkan aus diesem Grunde für einen Neustart im Dialog zwischen der Türkei und Deutschland bzw. Europa aus. Dazu müsse aber erst noch ein unbelastetes Format gefunden werden. Um eine erfolgreichere Entwicklung als die bekannten Gesprächs- und Verhandlungsformate zu nehmen, appellierte der Referent an beide Seiten, mehr Ehrlichkeit zu praktizieren.

Den Erfolg Erdogans in der Bevölkerung erklärte Prof. Alkan mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und der politische Stabilität, den die Türkei unter der AKP-Regierung erlebt habe. Die Erwartungen Europas an die Demokratie in der Türkei verglich der Referent mit einem 'Anzug, der nicht immer auf die türkischen Verhältnisse und Voraussetzungen maßgeschneidert' wurde. Diesen Makel korrigiere die Türkei derzeit. Um die Frage, welches Demokratie-Verständnis in der Türkei vorherrsche und wie anschlussfähig dieses an westlich geprägte Vorstellungen von Demokratie und Rechtsstaat sei, dreht sich auch die anschließende Diskussion.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Martin Reuber

Prof. Dr

Referent Europa- und Bildungspolitik, Büro Bundesstadt Bonn

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