Veranstaltungsberichte

Dynamisierungsfaktor Flüchtling

von Pascal Henke (geb. Kreuder)
200 Aachener diskutierten in der Citykirche über den gesellschaftlichen Wandel durch die Ankunft der Flüchtlinge in Deutschland.

Vieles was sonst nicht ging, geht jetzt!

Dies ist Erkenntnis und Hoffnung zugleich für die Diskutanten der Veranstaltung „Heimat und Vielfalt: Zuwanderung und Integration in Aachen und der Region“. Nie zuvor wurden juristische Formalien in so kurzer Zeit den realen Erfordernissen angepasst. Die Schnelligkeit, mit der nun arbeitsrechtliche Regelungen geändert werden, ist für Gabriele Hilger, Vorsitzende Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, eine positive Überraschung. So können sie und ihre Mitarbeiter effektiver die Zuwanderer dabei unterstützen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Unternehmerin und Migrantin Andera Gadeib erhofft sich von dem Veränderungsdruck, den die Ankunft der Flüchtlinge auslöst, das Aufbrechen festgefahrener gesellschaftlicher Strukturen: „Das wird uns gut tun!“ Diese Chance ist jedoch mit Herausforderungen für alle verbunden. Dazu gehört für die Landtagsabgeordnete Ulla Thönnissen insbesondere der Verzicht auf liebgewordene Besitzstände, die uns in der Gestaltungskreativität einengen.

In der TED-Umfrage plädierten 91 % der Anwesenden für eine europäische Steuerung der Zuwanderung durch Flucht, gekoppelt mit der Anpassung des Einwanderungsgesetzes auf nationaler Ebene. Deutlich wurde in der differenzierten Debatte, dass nicht nur die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt eine Herausforderung darstellt, sondern zugleich die Frage des interkulturellen Verständnisses und der kulturellen Integration gelöst werden müsse, worauf der IHK-Hauptgeschäftsführer, Michael F. Bayer, und der Vorsitzende der Caritas, Bernhard Verholen, hinwiesen. Einigkeit bestand darin, dass es keine schnellen Lösungen und Antworten gebe. Wichtig wäre es alle Beteiligten einzubinden. Dabei gelte es zum einen die Sorgen der hiesigen Bevölkerung ernst zu nehmen und konstruktive Antworten auf die gestellten Fragen zu geben, zum anderen wären die Zuwanderer in die Pflicht zu nehmen, die Integrationsangebote auch wahrzunehmen. Dies gelte insbesondere für die Überwindung traditionaler Geschlechtsrollen.

In den Publikumsfragen wurde sowohl die kritisch Frage nach den Belastungsgrenzen gestellt, als auch die Notwendigkeit des humanitären Engagements herausgestrichen. Eine anwesende Flüchtende aus Afghanistan schilderte in einem bewegenden Wortbeitrag ihre Schwierigkeiten, trotz guter Qualifikation und Deutschkenntnissen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Hier konnte im informellen Teil ein weiterführendes Gespräch vermittelt werden.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der Reihe „Jetzt mal grundsätzlich!“ statt, in der grundlegende Fragen für die Zukunft von Nordrhein-Westfalen debattiert werden.