Veranstaltungsberichte

Eigentlich ist doch alles ganz einfach?!

von Ann-Cathrine Böwing

Partizipation von Kindern und Jugendlichen im kommunalen Raum

Wie lässt sich Partizipation von Kindern und Jugendlichen fördern? Wo und wie können Kinder Einfluss auf die Gestaltung und das Miteinander in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld nehmen? Und welchen Anforderungen müssen sich Erwachsenen stellen, die sie auf diesem Weg begleiten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die am 11. und 12. September im Bildungszentrum Schloss Eichholz stattgefunden hat.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik sowie der offenen Jugendarbeit aus Nordrhein-Westfalen waren der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung gefolgt. Spannende Einblicke in erfolgreiche Projekte und praktische Verfahrenstipps erhielt die Gruppe im Rahmen verschiedener Vorträge und durch einen intensiven Erfahrungsaustausch.

Partizipationsräume für Kinder- und Jugendliche schaffen: Ein „must have“ für jede Kommune

Petra Klein, Leiterin des Hauses der offenen Tür (HoT) in Sinzig (Rheinland-Pfalz), berichtete im Rahmen ihres Impulsvortrages zum Thema „Anspruch und Realität von Kinder- und Jugendbeteiligung" über die Erfahrungen bei der Umsetzung des EU-geförderten Projektes „youthvoice“. Gleich zu Beginn ihrer Erläuterungen betonte sie, dass es sich beim Partizipationsanspruch um ein grundlegendes gesellschaftliches Gestaltungsprinzip handele, welches selbstverständl ich auch für Kinder und Jugendliche gelte. Räume und Gelegenheiten für Partizipation zu schaffen sei also kein „good will- Vorhaben“ sondern ein „must have“ für jede Kommune. Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der offenen Jugendarbeit forderte sie auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und sich selbst am kommunalen Geschehen zu beteiligen, Netzwerke aufzubauen und den Austausch mit politischen Entscheidungsträgern zu suchen.

Urlaub vom Ego: Das Konzept der PULS Camps

Früh übt sich, wer ein engagierter Bürger sein will. Doch den Zugang zum Engagement zu finden ist nicht immer leicht. Eine Möglichkeit, Jugendlichen den Weg in ein Engagement zu ebnen, sind die sogenannten PULS Camps. Das entsprechende Konzept stellten Tina Uhlemann und Rosa Räthel und von PULS Deutschland e.V. vor. Im Rahmen der PULSCamps erhalten Jugendliche während der Schulferien eine Woche lang die Möglichkeit, verschiedene Träger und Projekte für ehrenamtliches Engagement aus ihrer Stadt kennenzulernen und sich im Rahmen des Camps zu engagieren. Betreut werden sie von ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern. Diese begleiten auch die Reflexion und den Erfahrungsaustausch am Ende eines jeden Tages.

Der Dachverband PULS Deutschland e.V. unterstützt interessierte Partner aus ganz Deutschland nach den bewährten Grundsätzen des Social Franchising. „Das Rad muss ja nicht immer neu erfunden werden“ – so die Projektleiterin Tina Uhlemann.

Haltung bewahren: Anforderung an das Standing der Mitstreiter in der Jugendarbeit

„Vom Verlust der Glaubwürdigkeit der Erwachsenen – Anforderungen an das Standing der Mitstreiter in der Jugendarbeit", diesem Thema widmete sich Ulla Bundrock-Muhs, Leiterin der querkopf-Akademie, in ihrem Vortrag. Ihr Erfolgsrezept: der kreative Zugang zu Themen und Fragestellungen, um sich so von Denkblockaden zu befreien. Zur Veranschaulichung ihrer Thesen setzte sie ein Freiluftschachspiel ein, anhand dessen sie die verschiedenen Lebensstationen von Kinder und Jugendlichen und deren Zusammentreffen mit Erwachsenen nachstellte. Auf diese Weise sensibilisierte sie die Gruppe für ihre eigene Rolle und Haltung in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es sei wichtig, dass Erwachsene in der Jugendarbeit als verlässliche und vertrauensvolle Ansprechpartner den jungen Menschen zur Seite stünden. Nur wenn Kinder echte und ehrliche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Erwachsenen machen würden, seien sie für eine Teilhabe zu gewinnen. Dies seien der erste Schritt und die Basis für ein Miteinander, so die Pädagogin.

Damit Partizipationsprojekte gelingen können, brauche es darüber hinaus Partnerschaften, so die Einschätzung von Ulla-Bundrock-Muhs. Vernetzung sei gefragt und zwar zwischen Schulen, offener Jugendarbeit und Kommunalpolitik! Hierzu stellte Frau Bundrock-Muhs verschiedene Beispiele und vielfältige Erkenntnisse und Erfahrungen aus ihrem eigenen Wirken in der Stadt Meerbusch (NRW) vor (veröffentlicht in: Sozialarbeit in Österreich (Sio), Ausgabe 1/14). Die wenigsten Projekte scheiterten aufgrund fehlender finanzieller Mitteln, so die Einschätzung der Expertin. Es gebe zahlreiche Töpfe und Projektmittel die für das eigene Vorhaben genutzt werden könnten.

Perspektivenwechsel: Das Verfahren der Spielleitplanung

Diplom-Ingenieur Peter Apel vom Planungsbüro STADTkinder informierte über das Verfahren der Spielleitplanung als einen möglichen Weg, Kinder und Jugendliche in die Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfeldes einzubeziehen. Das Büro Stadtkinder ist für diesen Ansatz bundesweit als Vorreiter bekannt und hat mit der Einbindung junger Menschen bereits viele Projekte umgesetzt. Im Rahmen seines Vortrags stellte Herr Apel die Grundsätze des Verfahrens vor. Es gehe darum, das Viertel beziehungsweise die Stadt zunächst einmal mit den Augen eines Kindes wahrzunehmen. Deshalb begeben sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Büros im Vorfeld von Projekten regelmäßig auf Erkundungstouren, begleitet durch dort ansässige Kinder.

Fazit: Wir bleiben dran!

Im Rahmen der Tagung ist es gelungen, erste Impulse zu setzen. Das Feedback der anwesenden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren: es hat viele Anregungen für die praktische Arbeit gegeben. Und mindestens genauso wichtig: es ist gelungen das eigene Netzwerk zu erweitern und von den Erfahrungen der Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu profitieren.

Ansprechpartner

Ann-Cathrine Böwing