Veranstaltungsberichte

Grüne Welle für Car-Sharing: wird Münster so 2025 beweglich?

von Pascal Henke (geb. Kreuder)
Kontrovers diskutierten rund 80 Münsteraner über die Zukunft der Mobilität im Jahr 2025

67,7 % der Teilnehmer konnten sich vorstellen, verstärkt kombinierte Mobilitätsangebote (u.a. Car-Sharing) zu nutzen, aber nur 41,5 % wollten in diese stärker investieren. Dieser Widerspruch war kennzeichnend für die divergierenden Interessen in der Debatte über die Zukunft unserer Mobilität in Münster. Rund 80 Bürgerinnen und Bürger, darunter einige Experten aus Verkehrsbetrieben, Polizei und Stadtrat, diskutierten lebhaft darüber, welche Mobilitätsformen Münster und Umland in zehn Jahren am besten nutzen.

Der Geschäftsführende Direktor des European Center for Sustainable Mobility aus Aachen,

Prof. Dr.-Ing. Christoph Hebel, zeigte in seinem Faktencheck die grundlegenden Entwicklungen der Mobilitätsplanung seit Beginn des 20. Jahrhundert auf. Deutlich wurde, dass jegliche Prognose immer auch dem jeweiligen Zeitgeist geschuldet ist. Anhand von Beispiele aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde deutlich, dass wir heute nicht immer glücklich mit ihrer Realisierung geworden wären. Gegenwärtig lasse sich aufgrund der Entwicklungstrends für die Metropolregionen eine Verdichtung und Zunahme des Verkehrs prognostizieren, während hingegen in den ländlichen Räumen von einer Abnahme aufgrund des Bevölkerungsrückganges - mit einem damit verbundenen Rückbau der Infrastruktur - auszugehen sein dürfte. Daraus folgerte er die Notwendigkeit, strategische Ansätze für die Mobilitäts- bzw. Verkehrsentwicklungsplanung mit integrierter Mobilitäts-, Verkehrs- und Flächenentwicklungsplanung auf regionaler Ebene verbindlich umzusetzen. Weiterhin komme einer deutlichen Vereinfachung der Benutzbarkeit und Kombinierbarkeit verschiedener Systeme eine tragende Bedeutung zu - neben (fahrzeug)technischen Innovationen.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit dem Geschäftsführer der Regionalverkehr Münsterland GmbH, Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) André Pieperjohanns, dem Abteilungsleiter im Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung der Stadt Münster, Michael Milde, dem freien Journalisten und Dipl. Ing. Architekt Stefan Rethfeld und der Abgeordneten Sybille Benning MdB wurde moderiert von Daniela Tepper. Eine besondere Bedeutung kam hier der Digitalisierung und Verzahnung von Mobilitätsangeboten zu. Aber auch ganz konkrete Alltagsvisionen, wie z.B. eine Grüne Welle für Radfahrer, kamen zu Sprache.

Demokratie lebt vom Widerspruch! So gesehen war die Demokratie sehr lebendig im Freiher-von-Finke-Haus der Bezirksregierung. Über eine halbe Stunde Überziehungszeit - ohne Abstimmung mit den Füßen - lässt darauf schließen, dass mit der Veranstaltung „Mobilität statt Verkehr denken: wie werden Münster und Umland 2025 beweglich?“ erfolgreich ein Beitrag zur verkehrspolitischen Debatte gleistet wurde.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der Reihe "Jetzt mal grundsätzlich!“, in der die Konrad-Adenauer-Stiftung Fragestellungen von grundlegender Bedeutung für die künftige Entwicklung von NRW thematisieren und einen kritischen Diskurs zwischen Bürgern, Experten und politischen Entscheidungsträgern initiieren will.

Die kommende Veranstaltung wird sich voraussichtlich mit bürgerschaftlichem Engagement am Beispiel der Flüchtlingshilfe befassen.