Veranstaltungsberichte

In der „heißen“ Phase des Landtagswahlkampfes

von Kristina Hucko

Parteienvertreter aus Rumänien, Serbien, Bosnien, Lettland und Norwegen zu Gast in Baden-Württemberg

Vom 22. bis 27. März hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung junge Parteienvertreter aus Rumänien, Serbien, Bosnien, Lettland und Norwegen eingeladen, die „heiße“ Phase des Landtagswahlkampfes in Baden-Württemberg mitzuerleben und mit Experten zu diskutieren.

Sie waren Zeugen der spannendsten Landtagswahlen, die Baden-Württemberg je erlebt hat. Nach einem Besuch in der ZDF-„heute“-Redaktion ging es nach Ludwigsburg, wo die CDU Baden-Württemberg zum „Start ins Finale“ eingeladen hatte. In der bis zum letzten Platz gefüllten Arena jubelten kämpferische Anhänger Bundeskanzlerin Angela Merkel und der aus Berlin angereisten Prominenz zur Unterstützung von Stefan Mappus begeistert zu. Unter die 5.000 Teilnehmer hatten sich allerdings auch einige Stuttgart-21-Gegner gemischt, die mit Transparenten und Zwischenrufen versuchten, die Veranstaltung zu stören. Am nächsten Tag konnten sich die Gäste in der Fußgängerzone von Stuttgart ein Bild machen, wie die GRÜNEN mit den Themen „Stuttgart 21“ und Atomkraft erfolgreich Stimmung machten.

Am Beispiel der Erstkandidatin Lisa Federle, einer Notärztin mit vier Kindern aus Tübingen, informierten sich die Besucher, wie eine Kampagne auf dieser Ebene funktioniert: neben dem Beruf, mit wenig finanziellen Ressourcen und freiwilligen Helfern aus dem persönlichen Umfeld. Es wurde aber auch gezeigt, dass man mit einer durchdachten Strategie, guten Ideen auch mit wenig Aufwand viele Menschen ansprechen kann. Umso tragischer, dass der Wahlkreis mit nur 26 Stimmen Vorsprung an den Kandidaten der GRÜNEN, einen Weinhändler aus Tübingen, ging. Beeindruckt zeigten sich die Gäste von der Fußballradarstation, die die JU vor einem Einkaufszentrum in Esslingen in wenigen Minuten aufgebaut hatte. Beim Schuss auf die Torwand wird mit Hilfe eines Radargeräts die Schusskraft gemessen. Der härteste Schuss gewinnt. Bei dieser Gelegenheit kommt man ins Gespräch, eine Idee, die sicher auch in den Herkunftsländern der Teilnehmer funktioniert.

In Ulm nahm die Delegation an einem Stadtrundgang mit der dortigen Kandidatin, Sozialministerin Stolz, und Bundesministerin Annette Schavan teil. Thema des Stadtrundgangs: mutige Frauen in Ulm. Dazu passt, dass es Monika Stolz gelang, den Wahlkreis zu verteidigen. Bei der Wahlparty der CDU am Sonntag in Stuttgart herrschte dagegen gedämpfte Stimmung. Nicht nur das Ergebnis auf Landesebene, sondern auch das Abschneiden der Kandidaten in der Stadt Stuttgart fiel mehr als enttäuschend aus. Von vier Wahlkreisen verteidigte die CDU nur einen, in drei Wahlkreisen setzten sich grüne Kandidaten/innen durch. Für die Gäste aus Mittelosteuropa war es schwer zu verstehen, warum sich die Wähler in einer Atmosphäre von Wohlstand und Zufriedenheit der Opposition zuwenden. Der Erfolg der GRÜNEN, ein Wohlstandsphänomen?