Veranstaltungsberichte

Politische Gestaltungspotentiale in NRW durch Digitalisierung?!

von Pascal Henke (geb. Kreuder)
Ja es gibt sie, wenn man sie zu nutzen weiß. Dies ist das Fazit eines dreitägigen Workshops mit Digitalisierungsexperten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft in münsterländischen Billerbeck Ende August.

Nicht nur beim Wirtschaftswachstum hält das Land Nordrhein-Westfalen derzeit die rote Laterne, auch die Herausforderungen der Digitalisierung scheinen momentan nur die Furcht vor einer neuen sozialen Eiszeit aufkommen zu lassen. Dabei gilt es nicht nur eine belastbare Infrastruktur zu schaffen, sondern auch zu fragen, was für Änderungen sich in der Bildungs-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik ergeben – müssen, wenn man auf Landesebene selber gestalten will.

Prof. Dr. Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn kritisierte eine verbreitete Unkenntnis über die Funktionsweise des Internets und digitaler Medien, in Kombination mit einer gleichzeitigen „Datenschutzparanoia“ im öffentlichen Sektor und einer Unbekümmertheit in Bezug auf die privaten Daten (z.B. in sozialen Netzwerken). Eine unzureichende staatliche Rechtsdurchsetzung im Netz und wirtschaftliche Schäden durch Hackerangriffe und digitale Geiselnahmen bedrohen für Michael Hange, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) a.D., nicht nur Souveränität, Zusammenhalt und Wohlstand unseres Gemeinwesens – wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam an der Entwicklung und Durchsetzung von Standards arbeiten würden, ließen sich andererseits sogar neue Wettbewerbsvorteile erringen.

50.000 Verkaufsstätten weniger bis 2020, diese Prognose ließ den Geschäftsführer Handelsverband Nordrhein-Westfalen Aachen-Düren-Köln e.V., Dipl.-Vw. Jörg Hamel, nicht in Schockstarre geraten. Eröffneten die veränderten Konsumentenmuster doch auch neue flexible Vertriebskanäle – wenn die Datensicherheit für beide Seiten gewährleistet ist.

Die Interdependenz der Digitalisierungsfolgen ließ den V-Netz-Vertreter Thomas Schauf die Überwindung des ressortbasierten Silodenken in Politik und Verwaltung fordern: Nötig sei eine Digitalisierungspolitik aus einem Guss, also bspw. ein Staatssekretär für Digitalisierungsfragen in der Staatskanzlei!

Ein Blick in die Praxis digitaler Bildung der Gründerin der IT-Modellregion BG 3000 Simone Stein-Lücke rundete die Tagung ab.