Veranstaltungsberichte

Provinz als Lebensmodell?

Entwicklungsszenarien für den ländlichen Raum

Wer sein Dorf erhalten will, muss dieses Ziel selbst in die Hand nehmen. Die öffentliche Diskussion über ländliche Regionen wird überwiegend durch den Begriff der Perspektivlosigkeit geprägt.

Für die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, die zunehmend neu untersucht und dokumentiert werden, müsste in viel stärkerem Maße eine konstruktive Öffentlichkeit hergestellt werden.

Das ist eine grundsätzliche Botschaft des Seminars. Allerdings ist der Kampf für lebendige Dorfgemeinschaften anstrengend und anspruchsvoll. Siedlungspolitische Fragen sind weder im Bund noch in den Ländern dankbare Themen. Stilllegungskonzepte und Wegzugsprämien werden in den „Giftschränken“ der Planer aufbewahrt. Viele Förderprogramme sind „Top down“ angelegt und in kleineren Verwaltungsstrukturen ohne professionelle Hilfe von Dritten kaum zu bewältigen. Viele Projekte brauchen aber nicht nur eine Anschubfinanzierung, sondern eine zuverlässige Dauerbegleitung. Die Initiative muss von unten kommen „Bottom up“ werden neue Förderstrukturen versucht, die ausschließlich Initiativen und Initiatoren vor Ort zur Verfügung gestellt werden. Zivilgesellschaft, Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung können Akteure sein , einzeln, aber besser noch, zusammen.

Im Seminar wurden Menschen und Regionen vorgestellt, die sich dem Verfall entgegenstellen und Erstaunliches auf den Weg bringen Die wichtigsten Zukunftspotentiale von Dörfern oder kleinen Gemeinden sind das Engagement ihrer Bevölkerung und neue Ideen für den Erhalt und die Weiterentwicklung ihrer örtlichen Gemeinschaft.

Das kann aus der Dorfgemeinschaft heraus entstehen. Es kann aber auch von Neubürgern bzw. Rückkehrern hereingebracht werden, die für neue Lebensentwürfe neue Räume suchen. Diese sogenannten Raumpioniere erfahren allerdings nur dann Akzeptanz bei den Einheimischen, wenn Sensibilisierungen und Lernprozesse auf beiden Seiten stattfinden. Wo Vorhandenes erhalten und evtl. Neues installiert werden soll braucht es „Kümmerer“ vor Ort. Und wenn diese fehlen? Dann werden mittel- bis langfristig wohl doch Renaturierungsstrategien realistisch sein.

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Ursula Gründler