Bernd Althusmann, Plakat zur Landtagswahl 2008 Bernd Althusmann, Plakat zur Landtagswahl 2008 © KAS

Bernd Althusmann

Offizier, MdL, Landesvorsitzender der CDU, Minister Dipl. Pädagoge, Dr. rer. pol. 3. Dezember 1966 Oldenburg

Herkunft und Ausbildung

Bernd Althusmann wurde am 3. Dezember 1966 in Oldenburg geboren. 1976 zog die Familie nach  Lüneburg. Der Vater war evangelischer Pastor und die Mutter Krankenschwester. Nach dem Abitur am Gymnasium Herderschule in Lüneburg trat er 1986 als Zeitsoldat in die Bundeswehr ein. Althusmann schlug die Offizierslaufbahn ein, war Kompaniechef bei der Panzertruppe und studierte zugleich Pädagogik an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Anschließend begann er noch ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Süddeutschen Hochschule für Berufstätige in Lahr. Mit je einem Diplom als Pädagoge und Betriebswirt verließ er als Hauptmann der Reserve 1994 die Bundeswehr.

 

Aufstieg in der CDU

Aus Freude über die Wiedervereinigung und als Befürworter der Politik Helmut Kohls trat Bernd Althusmann 1990 in die CDU ein. Bereits 1993 übernahm er den Vorsitz des CDU-Stadtverbandes Lüneburg. Nur ein Jahr später wurde er in den Kreistag und in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Althusmann schied daraufhin aus der Bundeswehr aus und konzentrierte sich auf seine politische Karriere. Bei den Landtagswahlen 1998, 2003 und 2008 konnte er sein Abgeordnetenmandat verteidigen. Von 1998 bis 2010 stand er außerdem an der Spitze des CDU-Kreisverbandes Lüneburg.

Nach dem Regierungswechsel in Hannover und der Wahl von Christian Wulff zum Ministerpräsidenten 2003 wurde Althusmann zum Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Fraktion gewählt. Bis 2009 arbeitete er nun eng mit dem Fraktionsvorsitzenden David McAllister zusammen. Wegen seiner robusten Amtsführung bekam er den Spitznamen „Panzer“. Von der Fraktion wurde seine Arbeit jedoch geschätzt, was sich bei seiner Wiederwahl 2008 mit 94 Prozent der Stimmen zeigte. Trotz seiner herausgehobenen parlamentarischen Funktion und der damit verbundenen Arbeitsbelastung wurde Althusmann 2007 an der Universität Potsdam promoviert. 2011 geriet er wegen der Dissertation in die Schlagzeilen, als Plagiatsvorwürfe erhoben wurden. Die Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens der Universität Potsdam entlastete Althusmann nach der Prüfung der Dissertation vom Vorwurf des Plagiats, stellte jedoch erhebliche Mängel fest.

 

Kultusminister

Als Christian Wulff 2009 einen neuen Staatssekretär für das Kultusministerium suchte, fiel seine Wahl auf Althusmann. Für die neue Aufgabe im Ministerium von Elisabeth Heister-Neumann musste er allerdings aus dem Landtag ausscheiden. Bei einer großen Kabinettsumbildung ein Jahr später rückte er dann an die Spitze des Ministeriums. Als neuer Kultusminister war Bernd Althusmann mit den Problemen bei der Einführung des Abiturs nach zwölf Schuljahren, mit dem Lehrermangel und dem schlechten Abschneiden von Niedersachsen beim PISA-Test konfrontiert. Schon bald erwarb er sich den Ruf eines umsichtigen Bildungspolitikers, der mit seiner unideologischen Amtsführung den Schulfrieden im Land wiederherstellen konnte. Trotz aller Schwierigkeiten verteidigte Althusmann das Abitur nach zwölf Schuljahren und hielt an den Studiengebühren fest, die in Niedersachen zum Wintersemester 2006/07 eingeführt worden waren. 2011 führte er aufgrund der sinkenden Schülerzahlen in Niedersachsen die neue Oberschule ein – als Ersatz für Haupt- und Realschule.

 

Landtagswahl 2013 und Wechsel zur Konrad-Adenauer-Stiftung

Nachdem die CDU/FDP-Koalition knapp ihre Mehrheit verloren hatte, beendete die Landtagswahl 2013 dann vorerst die politische Karriere von Bernd Althusmann, der nach dem Wechsel von Christian Wulff ins Amt des Bundespräsidenten 2010 weiter dem Kabinett von David McAllister angehört hatte. Zum neuen Ministerpräsidenten einer rot-grünen Regierungskoalition wurde Stefan Weil (SPD) gewählt. Damit musste Althusmann aus der Landesregierung ausscheiden. Da er seinen Wahlkreis nicht gewonnen hatte und die Landesliste nicht zum Zuge kam, verlor er auch sein Abgeordnetenmandat.

Althusmann trat daraufhin in den Dienst der Konrad-Adenauer-Stiftung. Von 2013 bis 2016 leitete er für die Stiftung das Länderbüro Namibia und Angola mit Sitz in Windhuk. Mit Familie – seit 2010 ist Althusmann in zweiter Ehe verheiratet und hat eine Tochter aus dieser Ehe – zog er nach Namibia. Die Erfahrungen, die er dort machen konnte, empfand er als große Bereicherung, sagte er später. 2016 kehrte er jedoch nach Deutschland zurück und übernahm die Niederlassung einer Hamburger Personalagentur in Hannover.

 

Landesvorsitzender und Spitzenkandidat

Der Grund für seine Rückkehr war wohl auch die neue Aufgabe, die Althusmann in Niedersachsen übernahm. David McAllister, der 2014 ins Europäische Parlament gewählt worden war, hatte signalisiert, dass er 2016 nicht erneut als CDU-Landesvorsitzender kandieren wollte und auch als Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl nicht zur Verfügung stehen würde. Als Nachfolger könne er sich Bernd Althusmann vorstellen. Tatsächlich wählte der Landesparteitag am 26. November 2016 in Hameln Althusmann mit über 98 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der CDU in Niedersachsen und nominierte ihn zugleich zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Bereits in Jahr später, am 15. Oktober 2017, fanden dann vorgezogene Landtagswahlen statt, nachdem die rot-grüne Landesregierung im August 2017 ihre Ein-Stimmen-Mehrheit verloren hatte. Bei der Wahl musste die CDU allerdings Verluste hinnehmen und erhielt nur einen Stimmenanteil von 33,6 Prozent. Die SPD wurde erneut stärkste Partei mit 36,9 Prozent, die Grünen fielen auf 8,7 Prozent zurück und auch die FDP zählte mit 7,5 Prozent zu den Wahlverlierern. Erstmals zog die AfD mit 6,2 Prozent in den Landtag ein. Trotz des insgesamt schlechten CDU-Ergebnisses konnte Bernd Althusmann diesmal seinen Lüneburger Wahlkreis gewinnen.

 

Niedersächsischer Wirtschaftsminister

Nach der Wahl verständigten sich SPD und CDU auf die Bildung einer Großen Koalition – der zweiten in der Geschichte Niedersachsens. Trotz des sehr kontroversen Landtagswahlkampfs und den Auseinandersetzungen in der vorherigen Legislaturperiode verliefen die Koalitionsverhandlungen konstruktiv und konnten schnell abgeschlossen werden. Schon am 22. November 2017 wurde Stefan Weil vom Landtag wieder zum Ministerpräsidenten gewählt. Als stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung trat Bernd Althusmann in die neue Landesregierung ein, er war dabei einer von fünf CDU-Ministern. In den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte er die Digitalisierung und den Ausbau der Infrastruktur. Nach dem von ihm vorgelegten Masterplan zur Digitalisierung sollen alle Regionen Niedersachsens mit schnellen Glasfaserkabeln ausgestattet werden. Außerdem plante Althusmann einen weiteren Ausbau der Windenergie und die Förderung der Herstellung von grünem Wasserstoff. Die Zusammenarbeit der beiden Koalitionspartner in Hannover, die bis dahin weitgehend geräuschlos verlief, wurde seit 2020 durch die Corona-Krise bestimmt. Um die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzumildern, legte Althusmann ein umfangreiches Konjunkturpaket vor.

Mit seiner Patchworkfamilie lebt der bodenständige Politiker im Landkreis Lüneburg. Der begeisterte Skifahrer ist dort auch Mitglied in zwei Schützenvereinen. Im September 2018 wurde Althusmann auf dem Landesparteitag mit großer Mehrheit in seinem Amt als Vorsitzender der CDU bestätigt.
 

Lebenslauf

  • 3.12. 1966 geb. in Oldenburg, evangelisch
  • 1986 Abitur am Gymnasium Herderschule in Lüneburg
  • 1986–1994 Bundeswehr, Studium der Pädagogik an der Universität der Bundeswehr in Hamburg, Diplom Pädagoge, Berufsbegleitendes BWL-Studium an der Süddeutschen Fachhochschule für Berufstätige in Lahr, Diplom Betriebswirt
  • 1990 Eintritt in die CDU
  • 1993­–2000 Vorsitzender CDU-Stadtverband Lüneburg
  • 1994–1996 und 2001-2002 und ab 2006 Abgeordneter des Kreistages des Landkreises Lüneburg
  • 1994–2009 und seit 2017 MdL
  • 1998–2010 Vorsitzender des KV Lüneburg
  • 2001 Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Lüneburg
  • 2003–2009 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion
  • 2007 Promotion zum Dr. rer. pol. an der Universität Potsdam
  • 2009–2010 Staatssekretär im Niedersächsischen Kultusministerium
  • 2010–2013 Niedersächsischer Kultusminister
  • 2013–2016 Leiter der Landesvertretung der KAS für Namibia und Angola
  • 2016–2017 Leiter einer Personalagentur in Hannover
  • Seit 2016 Vorsitzender der CDU in Niedersachsen
  • Seit 2017 Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung