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Else Brökelschen Bundestagswahl 1953 Else Brökelschen Bundestagswahl 1953 © KAS/ACDP 10-001 : 589

Else Brökelschen (geb. Kemper)

Historikerin, Studienrätin, Stadtverordnete, Bundestagsabgeordnete Dr.phil. 25. Juni 1890 Barmen (heute Wuppertal) 22. Oktober 1976 Goslar
von Denise Lindsay M.A.
Else Brökelschen war auf kommunal-, wie auch auf bundespolitischer Ebene für die CDU aktiv. Dabei vertrat sie immer die Ansicht, dass "Reservatansprüche" in der politischen Arbeit aufgegeben werden müssten und Frauen für alle Themen, nicht nur die Sozialpolitik, zuständig sein sollten.

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Herkunft, Ausbildung und erstes politisches Engagement

Else Brökelschen kam am 25. Juni 1890 in der damals selbstständigen Stadt Barmen als Tochter des Lehrers Emil Kemper zur Welt. Nach dem Abitur an der privaten Höheren Mädchenschule ihrer Heimatstadt konnte sie ein Lehrerinnenseminar zu besuchen. Ab 1912 – nach erfolgreich absolviertem Lehrerinnenexamen – studierte sie Geschichte, Deutsch und Englisch in Heidelberg und Bonn. 1916 wurde sie in Heidelberg, wo sie Schülerin des Historikers Hermann Oncken war, mit einer Arbeit über „Carlyle als Imperialist“ promoviert. 1917 legte sie außerdem das Staatsexamen für den Schuldienst ab und arbeitete anschließend als Studienrätin an einem Lyzeum in Barmen.

Nach ihrer Heirat mit dem Historiker und Oberstudiendirektor Werner Brökelschen im Jahr 1923 war Else Brökelschen gezwungen, ihre Berufstätigkeit aufzugeben, da, dem sogenannten Lehrerinnenzölibat entsprechend, verheirateten Lehrerinnen die Berufsausübung untersagt war. Ein Jahr später wurde die gemeinsame Tochter Dorothea geboren. Die Familie lebte zunächst in Emden und Else Brökelschen begann, sich von 1924 an im dortigen Stadtrat zu engagieren. 1931 zog die Familie nach Goslar um, wo ihr Ehemann die Leitung eines Gymnasiums übernahm.

In der Weimarer Republik engagierte sich Else Brökelschen in der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) und war von 1921 bis 1924 Abgeordnete im Preußischen Landtag. Hier arbeitete sie im Bevölkerungspolitischen Ausschuss sowie im Ausschuss für Schul- und Kulturfragen mit. Weitere politische Ambitionen erfüllten sich nicht. 1928 kandidierte sie erfolglos für den Reichstag, 1932 und 1933 verpasst sie zudem den Wiedereinzug in den Preußischen Landtag. Während der Zeit des Nationalsozialismus befasste sie sich im Archiv der Stadt Goslar mit historischen Ausarbeitungen. 1936 verfasste sie eine Studie zum 750-jährigen Jubiläum des Klosters Neuwerk. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, konnte sie aufgrund des nun eintretenden Lehrermangels wieder in ihren Beruf zurückkehren und unterrichtete am Gymnasium und an der Mädchenoberschule in Goslar Englisch. Da sie Distanz zum Nationalsozialismus wahren wollte, lehnte sie es ab, Geschichte zu unterrichten.

 

Politischer Neuanfang nach 1945

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Tyrannei nahm Else Brökelschen ihre politische Arbeit wieder auf. Sie gehörte am 20. Oktober 1945 zu den Mitgründern der CDU in Goslar und vertrat die Partei von 1946 bis 1950 im dortigen Stadtrat, als einzige Frau, wie sie am 12. Juli 1948 an Helene Weber schrieb: „Augenblicklich sitze ich als einzige Frau in einem Ratsherrenkollegium mit absoluter CDU-Mehrheit und betreue die Fürsorge. Der Landesfrauenausschuss ist eine recht unfruchtbare Angelegenheit. Es fehlt jede Resonanz, die Suche nach ‚Frauenfragen‘ hat etwas Gequältes.“ Ihre Tätigkeit galt dem Aufbau funktionierender Fürsorgeeinrichtungen sowie der Betreuung der vielen Flüchtlinge, die schon während des Krieges in der kaum zerstörten Stadt Aufnahme gefunden hatten. Hinzu kamen nach Kriegsende weitere Flüchtlinge, insbesondere aus der Sowjetischen Besatzungszone und den ehemals deutschen Gebieten im Osten.

Nach ihrer ersten politischen Tätigkeit im Preußischen Landtag war sie zu der Überzeugung gelangt, „daß sich jeder Politiker erst in der Arbeit auf der Kreis- oder Kommunalebene die Sporen verdienen sollte für den Aufstieg in die Landes- und Bundesvertretung“. Diese Maxime setzte sie für sich selbst um. Nach dem Engagement in der Kommunalpolitik kandidierte sie 1949 für den ersten Deutschen Bundestag. Zuvor hatte sie mit dem Tod ihrer Tochter Dorothea einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen, was ihr politisches Engagement aber nicht erlahmen ließ. Über die Landesliste gelang ihr als einziger Frau der niedersächsischen CDU der Einzug ins Parlament. In den Jahren 1953 und 1957 zog sie erneut über die Landesliste in den Bundestag ein.

In ihrer Tätigkeit als Bundestagsabgeordnete richtete sie wiederholt den Blick auf die Folgen der deutschen Teilung. Sie engagierte sie sich für die Freilassung von Jugendlichen, die in der Sowjetischen Besatzungszone aus politischen Gründen inhaftiert worden waren. Außerdem setzte sie sich für die Integration von Flüchtlingen aus der DDR sowie für deren finanzielle Unterstützung ein. Des Weiteren befasste sie sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der deutschen Teilung auf das sogenannte Zonenrandgebiet und unterstützte auch die Ankurbelung des sozialen Wohnungsbaus. In Bundestagsdebatten sprach sie u. a. zur Einführung der Wehrpflicht und zum Inkrafttreten des Wohnungsbaugesetzes. In der Bundestagsdebatte am 14. März 1957 stellte sie mit Blick auf die Lage des Wohnungsbaus fest: „Wenn wir den Abstand gegenüber dem Osten wahren wollen, sind unsere gemeinsamen Anstrengungen notwendig, um dem Familienheimgedanken gegenüber solcher Auffassung von menschenwürdigem Wohnen weiter zur Verwirklichung zu verhelfen.“

1960 wurde sie am Vorabend ihres 70. Geburtstages für ihre großen Verdienste und ihren besonderen Einsatz im sozialen Bereich und im Erziehungswesen von Bundespräsident Heinrich Lübke mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

1961 schied sie am Ende der Legislaturperiode aus dem Deutschen Bundestag aus. Am 22. Oktober 1976 starb sie im Alter von 86 Jahren in Goslar. Hier fand sie auch ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Hildesheimer Straße.

Im Rückblick auf ihre parlamentarische Arbeit reflektierte sie:

„Es scheint mir aber [...] notwendig, daß die weiblichen Abgeordneten in allen Parlamenten sich nicht auf die Gebiete abdrängen lassen oder sie bevorzugen zu müssen glauben, die mit Sozialpolitik oder Jugendfürsorge zusammenhängen. Wir müssen uns daran gewöhnen, in alle Gebiete der gesetzgeberischen Arbeit hineinzugehen, und müssen dabei bereit sein, uns auch in Gebiete einzuarbeiten, die unseren natürlichen Neigungen ferner liegen. Wir müssen aber auf der anderen Seite auch von den Männern verlangen, daß sie etwa noch vorhandene Reservatansprüche rein ‚männlicher‘ Politik aufgeben.“

Lebenslauf

  • 25. Juni 1890 Geburt in Barmen
  • 1912–1916 Studium in Heidelberg und Bonn mit anschließender Promotion
  • 1917–1923 Tätigkeit als Studienrätin an einem Lyzeum in Barmen
  • 1921–1924 Abgeordnete  für die DVP im Preußischen Landtag
  • 1923 Heirat
  • 1924 Geburt der Tochter Dorothea
  • 1924–1931 Mitglied im Stadtrat von Emden
  • 1931 Umzug nach Goslar, Tätigkeit im Archiv der Stadt Goslar, Rückkehr in den Schuldienst
  • 1945 Mitgründerin der CDU in Goslar
  • 1946–1950 Mitglied im Stadtrat von Goslar
  • 1949–1961 MdB
  • 22. Oktober 1976 verstorben in Goslar

Veröffentlichungen

  • Carlyle als Imperialist. Phil. Diss. Heidelberg 1918.
  • 750 Jahre Neuwerk: Wandlungen eines Benediktinerinnenklosters. Goslar 1936.
  • Parlamentarische Erinnerungen und Erfahrungen. In: Der Wähler. Jg. 1952. H. 3. S. 110–112.

Literatur

  • Hoffmann, Ingeborg: Gegen Reservatansprüche männlicher Politik: Else Brökelschen (1890–1976). In: Die Christdemokratinnen – Unterwegs zur Partnerschaft. Hg. von Renate Hellwig. Stuttgart/Herford 1984, S. 156–163.
  • Holz, Petra: Zwischen Tradition und Emanzipation. CDU-Politikerinnen in bundesrepublikanischen Parlamenten 1945 bis 1957. Königstein/Taunus 2004.
  • Erlbeck, Heike: Else Brökelschen (1890–1976), CDU/CSU. In: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag. Berlin 2024

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