Länderberichte

Let’s start – Olympia 2012

von Claudia Crawford

Spiele sind logistische Herausforderung für London

Heute am 27. Juli 2012 beginnen mit der Eröffnungsveranstaltung im Olympia-Park die Olympischen Spiele 2012. Es werden 6 Millionen Gäste in der der 8 Millionen Einwohner zählenden Metropole London erwartet. Die Spiele dauern bis zum 12. August an, dem folgen die Paralympics vom 29. August bis zum 9. September.

In den letzten Wochen wurde das Olympische Feuer durch alle Landesteile des Vereinigten Königreiches getragen. Man möchte die Menschen begeistern und mitreißen: für den Sport, aber auch für das eigene Land. Je näher das Datum rückte, umso mehr wuchs die Freude und Erwartung - und die Nervosität.

Olympische Spiele sind ein Mammutunterfangen. Nur große Metropolen sind noch in der Lage, die logistischen Herausforderungen zu meistern. Aber selbst für eine Stadt wie London verschafft solch ein Großereignis viele Herausforderungen. Und so herrscht eine ganze Menge Skepsis und Unmut vor.

Zunächst ist da die Sicherheitsfrage zu klären. Immer wieder gab es Berichte, welch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen geplant sind und mit welchen Gefahren gerechnet werden müsste. Ein Aufschrei erfolgte schließlich, als über Planungen berichtet wurde, Raketen auf den Dächern von Häusern der Stadt zu installieren. Sie wurden trotzdem platziert. Wenige Tage vor der Eröffnung wurde schließlich bekannt, dass die Sicherheitsfirma G4S, Hauptauftragnehmer für die Sicherheitsdienste, den Anforderungen offensichtlich nicht gewachsen ist. Es gelang ihr nicht, genügend Personal anzuheuern, von der Qualifikation der eingestellten Mitarbeiter ganz abgesehen. So wurde kurzfristig entschieden, die Armee verstärkt zum Einsatz zu bringen.

Ein zweiter Dauerbrenner sind die Flughafengrenzkontrollen. Die Grenzpolizei ist regelmäßig in der Kritik, entweder weil sie angeblich zu langsam arbeitet oder zu lax ist. Zur Gegenwehr tritt das Personal gern in den Streik und behält sich vor zu drohen, dies auch zu ungelegenen Zeitpunkten vorzunehmen. So besteht die Befürchtung, dass die Gäste, die man gern willkommen heißen möchten, erst einmal lange Wartezeiten bei der Einreise in Kauf nehmen müssen.

Das eigentliche Sorgenkind ist allerdings der Verkehr. Freundlich ausgedrückt kann man sagen, dass die Untergrundbahn schon an normalen Arbeitstagen gut ausgelastet ist. Man ist neugierig, wie sie da mit dem Strom von zusätzlichen Besuchern aus aller Welt fertig wird. Seit Wochen werden die Londoner darauf aufmerksam gemacht, während der Olympiade doch lieber zu Fuß zu gehen, zumindest längere Fahrtzeiten einzukalkulieren. Selbst die Stimme des Bürgermeisters Boris Johnson ist regelmäßig mit dem freundlichen Hinweis zu hören, dass es in der „Underground“ voll werden könnte. Die Fahrer der „Underground“ haben schon mal vorsichtshalber angekündigt, ab heute Dienst nach Vorschrift zu machen. Bei den Autobahnen sieht es nicht besser aus. Die Einrichtung von fast-lanes für Olympia-VIPs wird den Sportlern und Ehrengästen von Nutzen sein, die anderen sind nicht glücklich darüber, da der Stau dadurch nur größer wird.

Angesichts dieser Gemengelage haben es die Optimisten in der Stadt nicht leicht. Martin Kettle, Journalist für den Guardian, der in der gestrigen Ausgabe dazu aufrief, die Skepsis abzulegen und sich auf die Spiele zu freuen, erntete eine Flut von ärgerlichen Kommentaren.

Aber höchstwahrscheinlich ist solche Nervosität vor solchen Großereignissen normal. Am Ende wird die Begeisterung am Sport überwiegen. Wenn der Auftakt heute Abend gelingt, dann interessieren die sportlichen Ergebnisse, die Vielzahl an Wettbewerben und die gute Laune der Besucher, die die Parks fluten werden. Man sollte allerdings Patzer, wie bei der Vorrunde der Fußballdamen am letzten Mittwoch, für die nächste Zeit vermeiden. Bei der Begegnung der Fußball Damenmannschaften Kolumbien und Nordkorea wurde versehentlich die Fahne von Südkorea eingeblendet – nicht nur ein peinlicher Fehler, sondern für das Team aus Nordkorea auch problematisch.

Der Regierung verschaffen die Spiele vielleicht eine kleine Atempause, die sie gut gebrauchen kann. Die Kritik an ihr reißt nicht ab. Die bisher gescheiterte Reform des House of Lords fällt dabei kaum ins Gewicht, da sich die meisten Briten dafür kaum interessieren. Schwer wiegt die schleppende Wirtschaft, das Verharren in der Rezession. Die Quartalszahlen zeigen einen Rückgang um 0,7 Prozent, das drittel Mal in Folge ein Negativwachstum. Die Ratingagentur Moody’s gab dem Vereinigten Königreich schlechte Noten und drohte mit einer Abstufung. Diesmal machten die Kommentatoren nicht die Eurozone dafür verantwortlich, was bislang recht beliebt war. Sie verweisen vielmehr auf Chancellor Osborne, den britischen Finanzminister. Er hätte zu wenig Phantasie, um wirtschaftliche Impulse zu geben und spare zu viel an der falschen Stelle. Die Olympischen Spiele werden einen Impuls für die Wirtschaft in Großbritannien setzen, aber es wird nicht damit gerechnet, dass dieser lange anhalten wird.

Nichtsdestotrotz, Zeit zum Luftholen sollte in den nächsten Wochen jedem geschenkt sein. Die Besucher in London werden mit Sicherheit Olympia 2012 genießen.

Ansprechpartner

Felix Dane

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Fahrspur in London für Olympia-Fahrzeuge aufgenommen von Claudia Crawford am 29. Juli 2012