Länderberichte

Nachruf auf die "Eiserne Lady"

von Hans-Hartwig Blomeier

Zum Tod von Margaret Thatcher

David Cameron: „We have lost a great leader, a great prime minister and a great Briton. (...) She didn’t just lead our country, she saved our country“. Wie ihr Sprecher Lord Timothy Bell unter Berufung auf die Familie Thatcher bekannt gab, verstarb die britische Premierministerin a.D. Margaret Hilda Thatcher, Baroness Thatcher of Kesteven am vergangenen Montag im Alter von 87 Jahren.

Infolge mehrerer Schlaganfälle und fortgeschrittener Demenz, hatte Thatcher sich in den letzten Jahren nur noch äußerst selten in der Öffentlichkeit gezeigt.

Die britische Presse schien auf Grund der langjährigen Krankheit auf diese Nachricht vorbereitet zu sein. Bereits am Montagabend strahlte die BBC eine ausführliche Dokumentation aus, am Dienstag überboten sich die diversen Tageszeitungen mit mehrseitigen Berichten und Reportagen über die wichtigsten Stationen ihres politischen Werdeganges.

Jenseits aller politischen Positionen (abgesehen von einigen Gewerkschaften in Großbritannien, die das Ereignis lautstark feierten) überwiegt die Einschätzung, dass mit Margaret Thatcher eine der prägendsten und bedeutendsten Gestalten der Politik des 20. Jahrhunderts aus dem Leben schied, deren Einfluss weit über Großbritannien hinausging.

Am 13. Oktober 1925 als Tochter eines Kolonialwarenhändlers geboren und nachhaltig durch die Schrecken des zweiten Weltkrieges geprägt, machte sie 1947 ihren ersten Studienabschluss in Chemie an der Universität Oxford. Nach ihrer Heirat mit dem britischen Geschäftsmann Dennis Thatcher und der damit einhergehenden finanziellen Unabhängigkeit, wurde sie 1954 nach einem Jurastudium zur Anwältin zugelassen und beschloss daraufhin Politikerin zu werden.

Als erste Frau überhaupt zog sie 1959 als Abgeordnete für die Konservative Partei ins britische Unterhaus ein. Die frühen Jahre ihrer Karriere, zunächst an der männlich dominierten University of Oxford und später im Unterhaus als erste weibliche Abgeordnete, waren für sie ein stetiger Kampf nach Annerkennung, Durchsetzung und Gehör, mit welchem sie jedoch zu einem großen Vorbild für nachfolgende weibliche Generationen wurde.

Als Politikerin verstand sie sich nicht als verhandelnde Diplomatin, sondern als Kämpferin für konservative Werte.

Der berühmte Ausruf „The Lady’s not for turning“ auf dem Parteitag der Konservativen Partei von 1980, ist beispielhaft für ihr unbedingtes Festhalten an ihren Werten und Überzeugungen. Mit eben dieser Kompromisslosigkeit, mit welcher sie versuchte ihre Ziele durchzusetzen, erfuhr sie glühende Verehrung und erbitterte Gegnerschaft zugleich.

Der Kampf, den sie als Premierministerin von 1979 bis 1990 für Freiheit und bürgerliche Selbstverantwortung, sowie das Ziel Großbritanniens Abstieg aufzuhalten und die britische Wirtschaft wieder an die Weltspitze zu bringen, geführt hatte, war für sie von allerhöchster Priorität. Diesen Kampf führte sie gegen Gewerkschaften, die argentinischen Besatzer der Falklandinseln und andere politische Gegner mit jener Härte, für die sie zutreffend als „Eiserne Lady“ bezeichnet wurde.

Es waren jene Maßnahmen, wie die Abschaffung der kostenlosen Schulmilch, womit sie sich die lebenslange Bezeichnung „Milchdiebin“ einhandelte, die Entsendung britischer Truppen auf die Falklandinseln, die Privatisierung staatlicher Betriebe oder die Schaffung eines flexiblen Arbeitsmarktes, mit welchen sie heftige innenpolitische Kontroversen auslöste und gesellschaftspolitische Spannungen hervorrief.

Auch in Europa polarisierte sie durch ihre kritische Haltung gegenüber der Europäischen Union und der Deutschen Wiedervereinigung. Ihr Euroskeptizismus, welchen sie mit dem Zitat „Wir bitten nicht die Gemeinschaft oder sonst jemanden um Geld. Wir wollen einfach unser eigenes Geld zurück“ und der Durchsetzung des „Britenrabatts“ untermauerte, brachte ihr bis zu ihrem Tod Sympathien in der britischen Bevölkerung ein. Nicht zuletzt wegen ihrer kritischen Haltung zum europäischen Einigungsprozess, aber auch wegen ihres starken Widerstandes gegen die deutsche Wiedervereinigung, galt sie vielen Kontinentaleuropäern und besonders Deutschen als hartnäckige Gegnerin des europäischen Einigungsprozesses, die bei jeder Gelegenheit britische Interessen mit höchster Intensität verteidigte.

Es ist wohl eine Ironie der Geschichte, dass ihre Popularität und Anerkennung bei ihren politischen Widersachern mit dem Lauf der Zeit immer mehr zugenommen hat. Ihr bedingungsloses Festhalten an Werten und Idealen, ihre Charakterstärke und die Ansicht, dass politische Ziele viel zu oft Wahl- und Umfrageergebnissen zum Opfer fallen, stellen nach wie vor für die heutige Gesellschaft das Idealbild eines Politikers dar.

Stellvertretend für die Anerkennung auch im gegnerischen politischen Lager steht der Kommentar des Labour-Führers Ed Milliband: „Sie wird als einzigartige Figur in Erinnerung bleiben. Sie hat die Politik einer ganzen Generation neu gestaltet. Sie hat die Grundlagen der britischen Politik beeinflusst und war eine große Persönlichkeit auf der Weltbühne. Die Labour Partei war mit vielen ihrer Taten nicht einverstanden und sie wird immer eine kontroverse Figur bleiben. Aber wir können unterschiedlicher Meinung sein und dennoch ihre politischen Leistung und ihre persönliche Stärke in hohem Masse respektieren.“

Ihr aktueller Nachfolger im Amt, Premierminister David Cameron würdigte sie mit den Worten: „We have lost a great leader, a great prime minister and a great Briton“ sowie „She didn’t just lead our country, she saved our country“ und sprach damit wohl vielen Briten, nicht nur Anhängern der Konservativen Partei aus der Seele. Aber eben diese Konservative Partei, die ihr 1990 die Gefolgschaft verweigerte und sie so zum Rücktritt zwang, wird diese, ihre sicher wichtigste politische Führungspersöhnlichkeit der letzten Jahrzehnte, am schmerzlichsten vermissen.

Die internationalen Reaktionen waren ebenfalls von hohem Respekt für ihre persönliche Integrität und Willensstärke gekennzeichnet. Sowohl der amerikanische Präsident Barack Obama wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hoben Thatchers Leistungen bei der Überwindung des Kalten Krieges und der Verteidigung der persönlichen Freiheitsrechte hervor.

Das Begräbnis ist für den 17. April vorgesehen. Ein Staatsbegräbnis wie bei Winston Churchill wird es zwar nicht sein, ihr sollen aber dennoch alle militärische Ehren zuteil werden und für die (nicht öffentliche aber live im Fernsehen übertragenen ) Gedenkfeier in der St. Pauls Kathedrale ist die Anwesenheit der britischen Königin Elisabeth angekündigt.

Den Länderbericht inklusive eines tabellarischen Lebenslaufes von Margaret Thatcher können Sie sich oben als pdf-Datei herunterladen.