Veranstaltungsberichte

"Eine gemeinsame Zukunft in einer gespaltenen Welt"

von Philipp Huchel

2. Konferenz des Indo-German Young Leaders Forum (IGYLF) in Neu-Delhi

Indien und Deutschland verbindet seit 2001 eine strategische Partnerschaft. Um diese auch auf persönlicher Ebene zu vertiefen und zu festigen, hat sich das Indo-German Young Leaders Forum (IGYLF) zum Ziel gesetzt, eine Plattform bereitzustellen, um jungen indischen und deutschen Führungskräften den gegenseitigen Austausch zu ermöglichen. Zum zweiten Mal nach der Eröffnungskonferenz 2017 in Berlin, fand in diesem Jahr in Neu-Delhi eine Konferenz zu verschiedenen Themen mit jungen Führungskräften aus beiden Ländern statt.

Am 23. Februar 2018 hat das Auslandsbüro Indien der Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam mit dem Indo-German Young Leaders Forum (IGYLF) den zweiten Tag der jährlichen IGYLF-Konferenz in Neu-Delhi organisiert. Es kamen mehr als 60 junge Führungskräfte aus Indien und Deutschlandus mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen zusammen, um die Beziehung und das Verständnis zwischen den beiden Ländern zu stärken.

Zu Beginn der Konferenz erklärten die beiden Vorsitzenden der IGYLF, Max von Laer und Dr. Vishnu Ramdeo, es sei das Ziel der Veranstaltung, einen Beitrag zu einem verbesserten Verständnis zwischen Deutschland und Indien zu leisten und bedankten sich bei den Partnern der Veranstaltung. Peter Rimmele, Leiter des Auslandsbüros der KAS in Indien, und Romina Ram, Trainee im Auslandsbüro Indien, informierten in ihren einführenden Worten über die Rolle der KAS bei der Unterstützung junger Führungskräfte. So würden das weltweite Stipendienprogramm, die Konrad Adenauer School for Young Politicians und das KAS Traineeprogramm jungen Menschen die Möglichkeit bieten, ihren Fähigkeiten weiterzuentwickeln und junge Führungskräfte zu werden.

Der ehemalige Botschafter in Indien, Bernd Mützelburg, beglückwünschte die Organisatoren der Konferenz in seiner Rede und sagte, dass IGYLF sich zu einer festen Konstante in den bilateralen Beziehungen beider Länder entwickelt hat. In einer Tour d‘Horizon ging er auf die derzeitige Weltlage ein und wies auf die derzeit vorherrschende Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit hin. Angesichts dieser Lage sollte die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien darauf abzielen „eine gemeinsame Zukunft in einer gespaltenen Welt zu schaffen.“ Gurjit Singh, ehemaliger indischer Botschafter in Deutschland, wies kritisch auf das weitere Entwicklungspotential der deutsch-indischen Beziehungen hin. Die strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern müsse wirklich „strategisch“ werden. Deutschland müsse sich stärker in den Infrastruktursektor Indiens investieren und auch rüstungspolitisch enger mit Neu-Delhi kooperieren.

Im Anschluss diskutierten unter der Moderation von Gaurav Sharma, Mitglied im Leitungsteam des IGYLF, Prof. Dr. Ummu Salma Bava, Professorin am Centre for European Studies an der Jawaharlal Nehru Universität, Dr. Constantino Xavier, Fellow bei Carnegie Indien, Dhruva Jaishankar, Fellow bei Brookings Indien, und Britta Petersen, Senior Fellow bei der Observer Research Foundation zum Thema „Indien und Deutschland als Regionalmächte in der neuen globalen multilateralen Ordnung“. Sie gingen unter anderem auf die sich verändernde Weltordnung ein. Während sich die USA scheinbar aus der Welt zurückzögen und weniger Interesse bei der Gestaltung der globalen Ordnung haben, würden neue Mächte wie Brasilien, China und auch Indien nach mehr Macht streben. Europa wäre hingegen durch interne Krisen nicht handlungsfähig. Die Probleme mit den sich die Welt konfrontiert sieht, sind hingegen komplexer und schwieriger als zuvor zu lösen. Indien und Deutschland seien nicht nur regionale Mächte, sondern sind in bestimmten Bereichen globale Mächte. Dennoch würden beide Länder unter einem gewissen Maß an fehlendem Selbstbewusstsein leiden, die Welt zu gestalten. Für die gemeinsame Kooperation schlugen die Experten unter anderem eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Gestaltung von internationalen Institutionen, im Bereich Cybersecurity, Antiterrorkampf sowie der maritimen Sicherheit vor. Außerdem sollten über die beiden Länder den interkulturellen Austausch stärker zu fördern.

Der Minister für Landwirtschaft und Fürsorge für Landwirte, Gajender Singh Shekhawat, hob in seiner Ansprache an die jungen Führungskräfte hervor, dass sie diejenigen seien, die bei der Gestaltung der Welt den Unterschied machen können, dass diese sich in die richtige Richtung entwickelt.

An die Rede des Ministers schloss sich eine interaktive Vorstellung der derzeitigen Entwicklungen im Bereich Industrie 4.0 an. Einführend erläuterte Onkar Ambekar, Head of Data and Advanced Analytics bei Bridgestone, die Geschichte von Industrie 4.0. Rajesh Nath, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Indien, moderierte anschließend die Vorstellung der Fallstudien. In drei exemplarischen Fallstudien wurden aktuelle Entwicklungen im Bereich Industrie 4.0 durch Divya Vir Rastogi und Lukas Hofmann für EXA, Gautam Dutta für Siemens und Girish Rao für Harting vorgestellt. Im Anschluss diskutierten die zuvor genannten mit Ramashankar Pandey, CEO und Geschäftsführer von Hella India Lighting, Industrie 4.0 und die Herausforderung für Klein- und mittelständische Unternehmen. Dabei wiesen sie sowohl auf die Schwierigkeiten bei der Implementierung für KMUs hin, machten aber auch deutlich, dass es ein Hebel und eine Möglichkeit wäre, sein Unternehmen besser langfristig aufzustellen. Außerdem wurde über die Unterschiede in den Arbeitskulturen beider Länder diskutiert und welche Herausforderungen damit einhergehen. Die Podiumsteilnehmer waren sich dabei einig, dass dies zwar eine Herausforderung sein, aber eine gute, von der beide Seiten langfristig voneinander profitieren.

Nach der Podiumsdiskussion hielt der Staatsminister für Verbraucherangelegenheiten, C. R. Chaudhary, in welchem er die derzeitigen Maßnahmen der Regierung zur Förderung der Jugend, insbesondere junger Unternehmer vorstellte. Um die stetig wachsende junge Bevölkerung mit Jobs zu versorgen, sei eine gemeinsame Anstrengung des öffentlich und privaten Sektors sowie der Regierung notwendig.

M. L. Kumawat, früherer Direktor der Border Security Forces, und Anupam Hazra, Mitglied des indischen Parlaments, hoben in ihren Reden zum Abschluss des Tages hervor, dass die jungen Führungskräfte nicht nur die Verantwortung hätten, ihre Länder verantwortungsbewusst zu gestalten, sondern sich auch für die Stärkung der bilateralen Beziehungen einsetzen müssten.

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Peter Rimmele

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