Veranstaltungsberichte

20 Jahre deutsche Wiedervereinigung

20 Jahre Ende der DDR

Veranstaltungsformat: Eröffnungsfeier; Datum/Ort: 05. Oktober 2010, University of Jordan, Amman, Jordanien; Konzeption: Dr. Christiane Krämer-Hus-Hus, PD Dr. Martin Beck; Organisation: Goethe-Institut Amman, KAS Amman, University of Jordan und die Kulturabteilung der University of Jordan

Dienstag, 05. Oktober 2010

1. Overview

Opening

Prof. Dr. Yusuf Qutami

Vizepräsident der Fakultät für Humanwissenschaften

University of Jordan

Amman-Jordanien

Dr. Christiane Krämer-Hus-Hus

Director

Goethe-Institut

Amman – Jordanien

Dr. Martin Beck

Leiter des Auslandsbüros

Konrad-Adenauer-Stiftung

Amman-Jordanien

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H.E. Dr. Joachim Heidorn

Botschafter

Deutsche Botschaft

Amman – Jordanien

Saba Qawas

Moderatorin

Kunst- und Designakademie

University of Jordan

Amman – Jordanien

First Session:

Präsentation: Economic Preconditions of the German Reunification: On the Success of the Social Market Economy

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Dr. Peter Uecker

Vizepräsident

Deutsch-Jordanische Universität

Amman – Jordanien

Vernissage der Fotoausstellung: „DDR – Bilder einer verschwundenen Republik“

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Empfang

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2. Ziele

Mit dem 20. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung feiert die Bundesrepublik Deutschland die Wiederherstellung der staatlichen Einheit nach 45 Jahren der Trennung und die damit einhergehende Wiedergewinnung der vollen Souveränität. Doch mehr noch: Mit dem Zusammenbruch der DDR ist ein gesellschaftspolitisches System überwunden worden, das durch die Missachtung von Freiheitsrechten und den Einsatz politischer Repressionen gekennzeichnet war. Auf der sozio-ökonomischen Ebene hat sich die Überlegenheit des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft erwiesen.

Die in Kooperation mit dem Goethe-Institut Jordanien, der University of Jordan und KAS Amman organisierte Veranstaltung “20 Jahre deutsche Wiedervereinigung/ 20 Jahre Ende der DDR” beabsichtigte, dieses herausragende Ereignis der deutschen Geschichte einem interessierten Publikum aus Botschaftsvertretern, einflussreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, NGOs, Professoren und Studenten näher zu bringen. Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Botschafters für Jordanien, Dr. Joachim Heidorn, beleuchtete die Eröffnungsfeier verschiedene thematische Aspekte der Wiedervereinigung. Während Prof. Dr. Peter Uecker in seinem Vortrag einen Vergleich zwischen dem planwirtschaftlich organisierten System der DDR und der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik anstellte, bot die Ausstellung “DDR – Bilder einer verschwundenen Republik” des Fotokünstlers Dietmar Riemann im Anschluss an die Eröffnungsfeier einen Einblick in den Lebensalltag der untergehenden DDR. Mit der Aufführung der DDR-Filme “Wer die Erde liebt” am 06. Oktober und “Die Beunruhigung” am 07. Oktober sowie dem Konzert des Jenaer Rappers Doppel-U am 10. Oktober wurde die Veranstaltung durch ein vom Goethe-Institut organisiertes kulturelles Rahmenprogramm zur Thematik abgerundet.

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3. Veranstaltungsdetails

Prof. Dr. Yusuf Qutami, Vizepräsident der Fakultät für Humanwissenschaften an der University of Jordan, nutzte die Eröffnungsrede der Veranstaltung, um die Gastfreundschaft Jordaniens und der University of Jordan hervorzuheben. Die Achtung kultureller Diversifizität sei von höchster Bedeutung für das gegenseitige Verständnis zwischen Völkern und Kulturen und werde durch Veranstaltungen wie diese im positivsten Sinne gefördert.

Dr. Christiane Krämer-Hus-Hus, Direktorin des Goethe-Instituts in Jordanien, erinnerte an die mit der Teilung Deutschlands verbundenen Einschränkungen und Entbehrungen für die Bevölkerung auf beiden Seiten der Mauer. So sei für sie als Westdeutsche eine Stadt wie Los Angeles zur damaligen Zeit einfacher zu erreichen gewesen als Dresden, Magdeburg oder Leipzig im Osten des geteilten Landes. Im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Deutschen Wiedervereinigung zielten die Beiträge des Goethe-Instituts darauf ab, Interessierten mit Hilfe von Kunst, Filmen und Konzerten einen anderen Zugang zur deutschen Geschichte zu bieten.

In seiner Begrüßungsrede hob PD Dr. Martin Beck, Leiter des Auslandsbüros der KAS Amman, die mit der Wiedervereinigung Deutschlands verbundenen Errungenschaften für Ost und West hervor. Deutschland habe vor 20 Jahren nicht nur die nationale Einheit wiedergewonnen, Grund zu feiern gebe darüber hinaus der Sieg des Rechtsstaats und der Gewinn der Freiheit für alle Deutschen. Durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 03. Oktober 1990 sei ein Regime zusammengebrochen, das von einem großen Mangel an Rechtsstaatlichkeit und Freiheit gekennzeichnet war. Dr. Martin Beck würdigte den Hauptredner der Veranstaltung, Prof. Dr. Peter Uecker, der scheidende Vizepräsident der Deutsch-Jordanischen Universität, für seine Arbeit in Jordanien und seine Partnerschaft mit der KAS. Er betonte die Ehre, dass Prof. Dr. Peter Uecker seine letzte offizielle Rede in Amman im Rahmen einer Veranstaltung des Goethe-Instituts und der KAS Amman halte.

Dr. Joachim Heidorn, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Jordanien und Schirmherr der Veranstaltung, wies eindrücklich auf die Bedeutung der Deutschen Wiedervereinung hin. Der Fall der Berliner Mauer sei ein gewaltiges, ein unglaubliches Ereignis gewesen. Er selbst stamme aus Hannover, das nur 80 Kilometer von der damaligen innerdeutschen Grenze entfernt lag. Das diktatorische System der DDR sei durch eine spontane Massenbewegung der Menschen überwunden worden, die innerhalb der politischen Elite nicht annähernd erwartet wurde. Neben der Herausforderung fehlender Pläne zur Gestaltung der Wiedervereinung rief Dr. Joachim Heidorn die damaligen Sorgen der Nachbarstaaten Deutschlands bezüglich der Deutschen Wiedervereinigung ins Gedächtnis der Teilnehmer. Von besonderer Bedeutung seien in diesem Zusammenhang der damalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, und der US-amerikanische Präsident, George Bush senior, gewesen. Gorbatschow habe realisiert, dass er den Satelliten-Staaten der Sowjetunion keine Diktatur aufzwingen könne, und durch “glasnost” und “perestroika” die friedliche Transition der DDR zur Demokratie ermöglicht. Weiterhin sei es der Forderung Bush seniors nach einer Mitgliedschaft eines vereinten Deutschlands in der NATO zu verdanken gewesen, dass François Mitterand und Margaret Thatcher schließlich einlenkten. Dr. Joachim Heidorn bezeichnete die Wiedervereinigung als einen historischen Prozess in der deutschen Geschichte, der auf einem Konsens zwischen der geteilten Republik und seinen Nachbarstaaten basierte.

Prof. Dr. Peter Uecker eröffnete seine Präsentation “Economic Preconditions of the German Re-Unification: On the Success of the Social Market Economy” mit einem persönlichen Rückblick auf die Erfahrungen und Erinnerungen an die Zeit der Wende. Als ein im Osten geborener und aufgewachsener Deutscher, der noch im Kindesalter nach Westdeutschland gezogen sei, habe er beide Seiten miterlebt. Das Ereignis der Wiedervereinigung sei daher für ihn mit vielen positiven Erinnerungen und Emotionen verbunden. Mit Nachdruck hob Prof. Dr. Peter Uecker hervor, dass auch bezüglich der Berichte über die Wiedervereinigung ein einziges Bild allein nie die gesamte Wahrheit erzähle und es Institutionen wie der Universität bedürfe, um Meinungsvielfalt und Redefreiheit zu fördern.

Nachdem im Jahr 1949 die Teilung Deutschlands besiegelt war, sei es in der Bundesrepublik zu großen Diskussionen über die zu verwirklichende sozial-ökonomische Ordnung gekommen, wobei sich die Idee der Sozialen Marktwirtschaft durchgesetzt habe. Bereits 1953 seien die ökonomischen Probleme des zentral gesteuerten Systems der Planwirtschaft in der DDR offenkundig geworden. Dies habe sich durch den zunehmenden Prozess der Demotivation und Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte aus der DDR, die damit verbundene Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation sowie Forderungen nach Freiheit und Demokratie verschärft. Nachdem am 9. November 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer auch der Eiserne Vorhang in Europa gefallen sei, habe sich mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 die Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft in ganz Deutschland durchgesetzt.

Im Verlauf seines Vortrags stellte Prof. Dr. Peter Uecker die Merkmale der zentral gesteuerten Planwirtschaft den Attributen der Sozialen Marktwirtschaft gegenüber. Zu Beginn stehe immer die Frage im Mittelpunkt, wer darüber bestimmt, was, wo und durch wen produziert wird. Im planwirtschaftlich organisierten Wirtschaftssystem sei der “neutrale Staat” als weisungsbefugte Institution vorgesehen, um im Sinne eines “benevolenten Diktators” eine Ausbeutung der Schwächeren durch die Stärkeren zu verhindern. Der Staat gelte demnach als eine Institution, die im Unterschied zum Einzelnen frei von der Orientierung an der Maximierung des Profits sei. Aus diesem Grund sollten Kapital, Güter und Dienstleistungen nicht in der Hand von Individuen verbleiben. Dem stehe das System der Marktwirtschaft gegenüber, in dem der Beste der miteinander in Konkurrenz stehenden Individuen den Wettbewerb zu seinen Gunsten entscheide. Als Voraussetzung für eine funktionstüchtige Marktwirtschaft sei das Wesensmerkmal der Freiheit unabdingbar, das im Umkehrschluss als Resultat eines marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystems gefestigt werde.

Prof. Dr. Peter Uecker berichtete im Anschluss über die realen Auswirkungen des planwirtschaftlichen Systems für die Bürger der DDR. So sei die Effektivität und die Effizienz weit hinter jener marktwirtschaftlich organisierter Staaten zurückgeblieben. Die desolate wirtschaftliche Situation sei in erster Linie dem Fehlen international konkurrenzfähiger Güter geschuldet gewesen und habe sich in einem Mangel an Konsumgütern und in einer stetig zunehmenden Staatsverschuldung geäußert. Da die politischen Autoritäten der DDR kein Mittel fanden, um die Situation nachhaltig zu verbessern, seien sie gezwungen gewesen, die finanzielle Hilfe des “Klassenfeindes” im Westen, der Bundesrepublik, anzunehmen. Prof. Dr. Peter Uecker wies darauf hin, dass ein System der zentralen Planwirtschaft Informationen erfordere, die in seiner Präzision anzugeben kein Staat in der Lage sei. Am Beispiel der Firma Trabant erläuterte er, dass ein einzelner Bankrott die Wirtschaft der DDR in sehr ernste Schwierigkeiten gebracht hätte und daher innerhalb des Systems der Planwirtschaft praktisch ausgeschlossen wurde. Nicht zuletzt habe die Erschütterung in das Vertrauen der Problemlösungskraft des Staates und das System zum Zusammenbruch der DDR beigetragen.

Prof. Dr. Peter Uecker schloss seine Präsentation, indem er die wirtschaftlichen Defizite des planwirtschaftlichen Systems in den Kontext der politischen Repressionen innerhalb der DDR einordnete. Der Mangel an Freiheitsrechten sei von der Angst vor Überwachungsmaßnahmen begleitet gewesen. Die Demonstrationen 1989 unter der Parole “Wir sind das Volk” zeigten eindrücklich, dass die Balance zwischen der Bevölkerung und der Regierung endgültig verloren gegangen sei. So sei es die Kombination aus der wirtschaftlichen Misere und der nicht länger akzeptierten politischen Unterdrückung gewesen, die am 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer geführt habe. Der Westen habe als ein Ort des Wachstums gegolten, in dem verschiedene Meinungen und Parteien sowie wirtschaftliche Freiheit möglich war. Aus heutiger Sicht könne die Entscheidung, das wirtschaftliche und gesellschaftspolitische System der DDR zu überwinden, als historisch bahnbrechend gefeiert werden. Es gebe keine Alternative zu einem Regierungssystem, das der Wahrung der Freiheit und der Bürgerrechte oberste Priorität einräume.

4. Fazit

Die in Kooperation mit dem Goethe-Institut Jordanien, der University of Jordan und KAS Amman organisierte Veranstaltung zum 20. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung stieß bei ranghohen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Jordanien, aber auch jordanischen Studenten auf sehr reges Interesse und machte deutlich, dass jenes herausragende Ereignis der deutschen Geschichte bis zum heutigen Tag nichts an seiner Tragweite eingebüßt hat. Die Neugier an deutscher Geschichte und Kultur war darüber hinaus bei der Fotoausstellung, der Vorführung der Filme und auch dem Konzert mitzuerleben. Mit der Veranstaltung gelang es der KAS Amman, das überwiegend jordanische Publikum über das Leben in der DDR und den Prozess hin zur Wiedervereinigung des geteilten Landes zu informieren und zusätzlich die Aufmerksamkeit für die Arbeit der KAS Amman in Jordanien zu erhöhen. Mit dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Jordanien, Dr. Joachim Heidorn, konnte der ranghöchste Repräsentant Deutschlands in Jordanien als Schirmherr und Redner für die Veranstaltung gewonnen werden.