Die Veranstaltung wurde von Dr. Hubert Gehring, Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Kolumbien, Catalina Lleras Figueroa, Generalsekretärin der Universidad del Rosario, Edulfo Peña, politischer Herausgeber der Tageszeitung El Tiempo und Inka Matilla, stellvertretende Landesdirektorin des UNDP (United Nations Development Program) eröffnet.
Catalina Figueroa begrüßte zunächst die Teilnehmer und bedankte sich bei der KAS, der Tageszeitung El Tiempo und dem UNDP. Dr. Hubert Gehring lobte die Fortschritte, die Kolumbien im Friedensprozess gemacht habe, erinnerte die Präsidentschaftsanwärter aber auch daran, dass die Menschen in Kolumbien auch Antworten und Lösungen für weitere konkrete Probleme erwarten. Dazu gehörten Bereiche wie Gesundheitsversorgung und Arbeitsplatzschaffung, deren Bedeutung sich in den sozialen Unruhen der letzten Wochen wiederspiegele.
Edulfo Peña von El Tiempo erläuterte kurz die zwei Leitfragen der Veranstaltung und drückte seine Überzeugung aus, dass alle Prä-Kandidaten mit dem gleichen Engagement anträten, auch diejenigen, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen könnten.
Inka Matilla von der UNDP forderte eine transparente Debatte über die Umsetzung des Friedensprozesses und betonte, dass die UNO die Vision einer friedlichen Zukunft in Kolumbien habe. Dazu gehöre eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und die Beseitigung der Kluft zwischen Arm und Reich.
Als erster Redner sprach Carlos Holmes Trujillo von der Partei Centro Democratico; er bekräftigte, dass sich die Regierung nach den Wahlen vor allem auf eine Steigerung der Wirtschaftsentwicklung konzentrieren müsse. Des Weiteren sollte die Beteiligung der Privatwirtschaft im Bereich Forschung und Entwicklung gefördert werden. Seine Vorschläge zielten darauf ab, das Unternehmertum und die Privatwirtschaft anzukurbeln, während gleichzeitig die Investition in den Agrarsektor neu formuliert werden müsse. Bezüglich des Friedensprozesses erklärte er, dass er das Abkommen respektieren werde, solange es nicht Teil der Verfassung werde und der Drogenhandel nicht als politisches Delikt mit möglichem Straferlass behandelt werde.
Die ehemalige Arbeitsministerin Clara López Obregón betonte anschließend, dass sowohl der Staat als auch der freie Markt in die ländlichen Regionen des Landes vordringen müsse, um so einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Sie hob hervor, dass Kolumbien nicht nur wirtschaftliches Wachstum sondern auch Maßnahmen zur gerechteren Verteilung des Wohlstandes brauche, um eine inklusive Entwicklung zu gewährleisten.
Der ehemalige Vizejustizminister, Rafael Nieto Loaiza, legte eine kritische Haltung bezüglich des Friedensabkommens an den Tag. Vor allem bemängelte er, dass das Ergebnis des Plebiszits von der Regierung nicht beachtet worden seien. Der Kongress habe die Rolle eines Notars übernommen, der lediglich Reformen am politischen System unterschreibe, die zur Umsetzung des Abkommens notwendig seien. Daher unterstütze er zwar einen Friedensprozess, jedoch nicht wenn dieser mit Straffreiheit verbunden sei.
Juan Manuel Galán, Senator der Partido Liberal, nannte drei Pfeiler zur Verwirklichung des Friedensprozesses: die physische Sicherheit aller Kolumbianer, funktionierende demokratische Institutionen im ganzen Land sowie die Partizipation und Inklusion aller Bürger. In wirtschaftlichen Belangen sprach er sich für die Öffnung neuer Märkte für den Export aus sowie für die Umwandlung informeller Firmen in formelle, die Schaffung produktiver Arbeitsplätze, Förderung von Innovationen und eine effektivere Nutzung der Steuereinnahmen.
Der Senator der Partido de la U Roy Barreras meinte, es müsse garantiert sein, dass der Staat auch denjenigen Regionen Präsenz zeige, in denen seine traditionelle Abwesenheit in der Vergangenheit das Vordringen und die Machtausübung bewaffneter Akteure begünstigt habe. Die Unterstützung des Staates müsse über die Präsenz seiner Sicherheitskräfte hinausgehen.
Iván Duque, Senator der Partei Centro Democratico, hob die Bedeutung der Diversifizierung der Wirtschaft hervor, um die Abhängigkeit des Landes von Rohstoffen und Erdöl zu verringern. Ausserdem bestand er darauf, dass das existierende Haushaltsdefizit geschlossen werden müsse. Um das Friedensabkommen erfolgreich umzusetzen nannte er als essentielle Punkte die Bekämpfung des Drogenhandel, eine effizientere Justiz, politische Partizipation und die Entwaffnung der Farc.
María del Rosario Guerra, Senatorin der Partei Centro Democratico, begann mit einer Analyse der Situation des Landes. Sie erklärte man befinde sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, geprägt von einem Vertrauensverlust in Wirtschaft und Institutionen. Ihre drei Vorschläge konzentrierten sich auf die Erzeugung von mehr Wohlstand, Förderung der Privatwirtschaft und Steuererleichterungen für letztere, um dadurch höhere Einkünfte zu erzeugen.
Die Veranstaltung endete mit dem Beitrag des ehemaligen Generalstaatsanwaltes, Alejandro Ordoñez von der Konservativen Partei. Er bezog sich auf die Wahrnehmung der Kolumbianer bezüglich der Realität ihres Landes und formulierte die folgenden vier Forderungen: eine künftige Regierung müsse sich der institutionellen Krise, der schlechten Lebensqualität, der Unsicherheit der Bürger und des Verlustes gesellschaftlicher Werte annehmen.