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Expertenrunde “Covid 19 und Fake News” mit Colombia Check

Am Freitag, dem 24. April fand die Expertenrunde zum Thema “Covid-19 und Fake News” statt, die im Rahmen der virtuellen Reihe #ExpertosEnKASa der KAS Kolumbien per Zoom übertragen wurde.

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Fake News KAS Colombia
Fake News

Die Diskussionsrunde wurde moderiert vom Projektkoordinator der KAS Kolumbien, Juan Guillermo Moncada; als Experte nahm der Direktor von “Colombia Check”, Pablo Medina teil. “Colombia Check” ist ein Projekt des Redaktionsrates CdR, eines Kooperationspartners der KAS in Kolumbien. Die Aufgabe von “Colombia Check” ist es, falsche Profile und Nachrichten in den sozialen Netzwerken und Medien aufzudecken und anzuzeigen, wobei die Technik der Überprüfung von Daten und Fakten, oder wie es im Fachjargon heisst, das fact-checking angewandt wird.

In seiner Einführung betonte Moncada die Bedeutung einer wahrheitsgemässen Information und einer gründlichen Recherche durch Journalisten und Medien für die KAS als Grundpfeiler einer transparenten Demokratie. Daher sei die Arbeit von Colombia Check ausserordentlich wichtig für die Entwicklung gut informierter sozialer Debatten und eines soliden Rechtsstaates.                 

Anschliessend erklärte Medina die Arbeit von “Colombia Check” und wie der Daten-Check in der Praxis funktioniert. Man überprüfe Informationen, die von Privatpersonen oder offiziellen Einrichtungen in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden und überprüfe sie auf ihren Wahrheitsgehalt. Dabei werde die Relevanz der Nachrichten für das öffentliche und soziale Leben in Kolumbien berücksichtigt. 

In diesem Zusammenhang nannte Medina als Beispiel wie die Medien den öffentlichen Diskurs über den Friedensprozess überprüft haben und wie nach der erfolgten Volksabstimmung die Information erweitert wurde. Im Hinblick auf die aktuelle Pandemie konzentriere man sich auf mögliche Falschinformationen in den Netzwerken über den COVID-19.  

Eines der grössten Hindernisse in der momentanen Situation sei die Tatsache, dass die offiziellen Informationen für einen Teil der Bevölkerung nicht zugänglich seien. Die Publikationen seien oft schwer verständlich, was den Eindruck erwecke, dass Informationen zurückgehalten würden, so dass Theorien zur Desinformation willkommen seien.    

Dabei könne es sich um harmlose Nachrichten handeln, wie zum Beispiel die angebliche Sichtung eines Mutterwals mit ihren Jungen unter der Brücke von Pumarejo, oder gefährliche Information wie angeblich wirksame Vorbeugungsmassnahmen gegen das Virus Covid-19, die zwar an sich harmlos erscheinen oder sogar gut gemeint sein können, aber in dem Moment gefährlich würden, wenn gutgläubige Personen sich dadurch geschützt fühlten und andere notwendige und von den öffentlichen Behörden empfohlene Schutzmassnahmen vernachlässigten.                  
 

Ein weiteres Problem sei die emotionale Seite, da sich die Menschen durch die neue Situation der Krise verunsichert fühlten und daher für die Verbreitung von fake facts besonders empfänglich seien. Wenn zum Beispiel die Nachricht über angebliche Heilungsmethoden einen allgemeinen Optimismus auslösten, würden sie oft unbedacht verbreitet. So sei es zum Beispiel zu einer Herausforderung geworden, bestimmte Verschwörungstheorien zu widerlegen. Vor diesem Hintergrund, sei es die Aufgabe von “Colombia Check” die durch Emotionen aufgebaute Mauer mit wahrheitsgemässer Information und Daten zu durchbrechen.         

Um die Ketten von Falschinformationen offenzulegen beobachteten die Mitarbeiter ständig alle Informationskanäle der sozialen Netzwerke über die Nachrichten verbreitet werden. Auch beobachten sie, welche Nachrichten das Publikum verfolge und besässen darüberhinaus Instrumente und Frühwarnsysteme für bestimmte sich wiederholende typische Muster von fake news.     

Hinsichtlich des öffentlichen Diskurses verfüge “Colombia Check” über eine Strategie mit 6 Schritten. Zunächst werde ein Satz aus öffentlichen Reden ausgewählt, danach der Autor des Satzes ermittelt, in einem weiteren Schritt werde die Aussage mit vertrauenswürdigen offiziellen Daten verglichen, der vierte Schritt bestehe in der Suche nach entsprechenden Expertenaussagen und alternativen Quellen, danach werden die Ergebnisse im Kontext betrachtet, das heisst in welchem Zusammenhang die Information präsentiert wurde, um in einem letzten Schritt die Aussage nach einem eigenen System einzuordnen.        
 

Man arbeite ausserdem mit anderen Initiativen wie zum Beispiel dem internationalen “Coronavirus Facts” zusammen, oder in Lateinamerika mit “Latam Chequea”, die unter anderem auch Falschinformationen über das Corona-Virus untersuchen. In diesem Jahr wolle “Colombia Check” auch eine digitale Aufstellung seiner Untersuchungsergebnisse veröffentlichen, damit immer mehr Menschen einen Überblick bekommen, welche Informationen falsch und welche richtig seien.     

Medina gab schliesslich noch einige Empfehlungen wie das Publikum selbst fake news erkennen könne. So sei es typisch, dass eine Falschinformation immer sehr stark die Gefühle anspreche und die kognitiven Vorlieben der Menschen für bestimmte Informationen ausnutzten, die man fast automatisch aus der allgemeinen täglichen Informationsflut auswähle.  

 

Dabei sei das soziale Umfeld bestimmend dafür, welche Informationen die einzelnen Personen bevorzugten, bzw. auf welche Nachrichten man positiv oder negativ reagiere. Daher werde Information, die Emotionen anspreche leichter weiterverbreitet. Medina empfahl, sich dessen bewusst zu sein und misstrauisch zu werden, wenn einen eine Information zu sehr emotionell anspreche; die “fake news makers” nutzen diese Möglichkeit zur Manipulation aus. Weiterhin solle man immer die Quelle einer Information überprüfen und sie mit offiziellen Quellen vergleichen. Letztendlich habe jeder die Möglichkeit sich in verschiedenen “fact checking”-Seiten wie “Colombia Check” über den Wahrheitsgehalt zu informieren.

 

In der abschliessenden Fragerunde warf der Respräsentant der KAS in Kolumbien, Stefan Reith die Frage auf, ob Colombia Check sich auch mit dem Phänomen der “bots” und falschen Profilen beschäftige. Mediana bestätigte, dass man inKolumbien bereits “bots” gefunden habe, aber das Problem sei noch nicht so weit fortgeschritten wie in den Vereinigten Staaten. Was jedoch problematisch erscheine, sei die Existenz sogenannter “bodegas”, das heisst untereinander koordinierterr oder verlinkte Profile, die gleichzeitig eine bestimme Information oder politische Meinung verbreiten. Diesbezüglich sei eine breit angelegte Untersuchung durchführt worden, deren Ergebnisse in zahlreichen Medien veröffentlicht wurden.              

Von Seiten der Zuschauer kam auch die Frage, ob “Colombia Check” fake news von politischen Akteuren in Bezug auf das COVID-19 aufgedeckt habe, die deren Interessen entsprechen. Medina verneinte, dass diesbezüglich in Kolumbien organisierte Kampagnen stattgefunden hätten. Jedoch hätten einige Politiker unbedacht falsche Informationen über das Corona-Virus weiterverbreitet.

 

Auf die Frage welche Tipps Medina geben könne um ältere Angehörige vor Falschinformationen zu schützen, antwortete er, dass man dieser Generation vor allem klarmachen müsse, dass im Internet jeder X-Beliebige alles Mögliche verbreiten könne. Zur Veranschaulichung erzählte er wie er seiner Grossmutter erklärt habe, dass sogar die Person die sie am meisten verabscheue Informationsketten schaffen könne, die sie danach weiterleite, ohne zu wissen woher sie stammten.     
 

 

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Kontakt

Dr. Kristin Wesemann

Dr
Leiterin des Auslandsbüros Kolumbien
kristin.wesemann@kas.de +49 30 26996-3803

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