KAS Colombia

Veranstaltungsberichte

Präsentation “EntreRíos”

virtuelles Museum

Am 30. September wurde das Projekt “EntreRíos“ (zwischen Flüssen) vorgestellt, ein virtuelles Museum der Erinnerung, Stille und Wahrheit für die Opfer des bewaffneten Konflikts im Department Córdoba. Realisiert wurde das Projekt von der Journalistin Ginna Morelo, und der Sängerin Adriana Lucía mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung KAS Kolumbien.
Entre Ríos KAS Colombia
Entre Ríos

“EntreRíos” ist ein virtuelles Museum, in dem Erinnerungen von Überlebenden des bewaffneten Konflikts im kolumbianischen Department Córdoba gesammelt werden. Die am meisten betroffene Bevölkerungsgruppe in diesem Department waren die Akademiker; während der Besetzung durch paramilitärische Gruppen versuchte man die Intellektuellen in der Region gezielt zum Schweigen zu bringen. Nach Ansicht der Journalistin und Forscherin Ginna Morelo, die selbst aus der Region stammt, müsse daran erinnert werden was in Córdoba passiert ist, da bereits 20 Jahre vergangen seien, in denen andere aus ihrer Sicht über die Vorkommnisse berichtet hätten.

Der Repräsentant der KAS Kolumbien, Stefan Reith, betonte ebenfalls die Bedeutung einer historischen Erinnerung aus der Sicht der Opfer in Kolumbien, um dadurch eine Basis für die Versöhnung zu schaffen. Dabei bezog er sich auch auf die Arbeit der KAS für den Friedensprozess, nannte Deutschland als Beispiel für die Konstruktion einer historischen Erinnerung und bemerkte, dass die Erinnerung nicht nur durch Monumente symbolisiert werden sollte, sondern von erzieherischen Massnahmen für künftige Generationen begleitet werden müsste.

Es folgte ein virtueller Rundgang durch das Museum, das über einen audiovisuellen Saal verfügt in dem man neben einem Dokumentarfilm auch eine Audio-Galerie findet. Die Zuschauer wurden aufgefordert, das Museum auch selbst zu besuchen. Nach der Präsentation der Webseite, eröffnete man die Debatte und es wurde angemerkt, dass das Wort “Stille” jahrelang die Opfer in Córdoba begleitet habe, latent auch immer bei den Friedensverhandlungen anwesend war und nun Teil des Projekts „EntreRíos“ sei.

Der Soziologe Gonzalo Sánchez und ehemalige Direktor des „Centro de Memoria“ bemerkte dass, “im Gegensatz zu der Stille, die von den illegalen bewaffneten Gruppierungen angeordnet wurde, sei jetzt der Moment dieses Wortes gekommen, der Moment der Friedensabkommen, durch die neue Szenarien für den Begriff konstruiert würden. Man fühle die Kraft des Friedensprozesses, der die Tore für dieses Wort geöffnet habe, das lange Zeit zum Schweigen gebracht und unterdrückt wurde und nun seinen Platz gefunden habe.“

Eine der Schlussfolgerungen war die Bedeutung, die Erinnerung aus der Sicht des Jouranlismus und der Universitäten zu betrachten. Die Journalistin und Professorin der Universidad de Antioquia, Patricia Nieto erklärte, dass der Journalismus eine Brückenfunktion haben sollte, damit die Leser sich untereinander kommunizieren und einen Dialog über den bewaffneten Konflikt im Lande führen könnten. Auch der Direktor der Abteilung für Promotion in Kommunikation, Sprachen und Information der Pontificia Universidad Javeriana, Juan Ramos, betonte die Rolle von Universitäten und Akademikern bei der Konstruktion einer historischen Erinnerung, die sich auf die folgenden Aspekte konzentrieren sollte: 1. Zuhören, 2. Unterstützen und 3. Aktion.

Ricardo Corredor, Vertreter der Wahrheitskommission, erklärte dass ein präziser und verantwortungsvoller Bericht erstellt werden müsse, damit die Aussagen darin wissenschaftlich belegt werden könnten; vor allem aber sollten sie in einer Weise dargestellt werden, die das Land emotional bewegt. Darin sehe er den Wert des virtuellen Museums “EnteRíos” und dieser Reise in die Stille.

Die Sängerin Adriana Lucía beteiligte sich an dem Projekt mit einem Lied über die „Hüter der Erinnerung“. Sie erklärte, dass sie damit auf die Indifferenz aufmerksam mache wolle, die der Region Córdoba entgegengebracht wurde, nach allem was dort passiert war, dies sei ein Schande für das ganze Land; daher betonte sie die Bedeutung der Erinnerung, um der Geschichte eine Wendung zu geben. Anschliessend präsentierten Ginna Morelo und Diego Pérez den Trailer des Dokumentarfilm: „Eine Reise in die Stille“. Pérez sprach über die Notwendigkeit, Geschichten zu erzählen, aber nicht nur um Emotionen anzusprechen, sondern weil die Erinnerung unbequem sein müsse.

In der folgenden Diskussion kamen die Teilnehmer zu dem Schluss, dass es nach Unterzeichnung des Friedensabkommens sehr unsicher gewesen sein, wie es weitergehen sollte, wodurch vieles in Vergessenheit geraten sei. Gleichzeitig erkannte man an, dass die Erinnerung ein wichtiges Element für die Justiz darstelle; daher wolle man aus verschiedenen Perspektiven weiter an der Friedenskonstruktion mitarbeiten.

Kontakt

Angélica Torres

Angélica  Torres bild

Projektkoordinatorin

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