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Veranstaltungsberichte

Rundtischgespräch "Institutionelle Gestaltung des Friedens in den Regionen"

Buchvorstellung in Barranquilla

Am Mittwoch, dem 29. Juni präsentierte die KAS Kolumbien in Barranquilla die Publikation "Diseños institucionales para la gestión territorial de la paz" (Institutionelle Gestaltung des Friedens in den Regionen). Die Präsentation erfolgte im Rahmen eines Rundtischgesprächs, das gemeinsam mit der Fundación Foro Costa Atlántica veranstaltet wurde.

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Hauptredner waren Augusto Trujillo, Ko-autor des Buches und Mitglied des Netzwerks von Initiativen für „good governance“, Demokratie und regionale Entwicklung, Red RINDE sowie die Direktorin der Mission zur Wahlbeobachtung MOE, Alejandra Barrios und der Direktor des Agrarverbandes UNA, Jorge Rondón. Moderator war der Professor der Fakultät für Politikwissenschaften und Regierung der Universidad del Norte, Luis Fernando Trejos.

In ihren Eröffnungsworten betonte die Vertreterin der KAS Kolumbien, Andrea Valdelamar, dass die Publikation das Ergebnis einer Analyse der institutionellen Anforderungen sei, die zur Verwaltung der Regionen in Friedenszeiten notwendig würden. Gleichzeitig helfe die Publikation, um unter dem Aspekt der Dezentralisierung Reformen zu entwerfen, die zur Bewältigung der neuen Herausforderungen in einem Postkonflikt erforderlich seien.

Der Direktor der Fundación Foro Costa Atlántica, Diógenes Rosero sprach über die Bedeutung solcher Diskussionsräume für den Erfahrungsaustausch in den Regionen, weil dort sowohl der Postkonflikt als auch die Friedenskonstruktion stärkere Anforderungen hätten. Auch erklärte er, dass bei der Veranstaltung Überlegungen zu institutionellen Reformen angestellt werden sollten, die im Moment einer Transition hin zum Postkonflikt notwendig würden, auch im Hinblick auf die nächsten Wahlen und die ländliche Entwicklung.

Augusto Trujillo gab einen kurzen Überblick über die einzelnen Kapitel des Buches; dabei hob er besonders hervor, wie wichtig es sei, dass regionale Behörden ordnungsgemäß funktionierten. Auch sei die umfassende Beteiligung einer souveränen Regionalregierung von entscheidender Bedeutung, um die Effizienz der Abkommen und die Konsolidierung des Friedens in Kolumbien zu garantieren.

Während der anschließenden Diskussion betonte Alejandra Barrios, dass die Korruption eine der größten Herausforderungen für das Land in einem Postkonflikt sei. Die enge Beziehung zwischen Korruption und Politik sei ein Hauptgrund für Armut, Exklusion und Unterentwicklung des Landes.

Eine weitere Herausforderung ist es ihrer Meinung nach, eine wirkliche repräsentative Mitbestimmung zu erreichen, das heißt, vom reinen Diskurs über Inklusion eine effiziente Beteiligung der Bevölkerungsgruppen zu erlangen, die während des Konflikt von der Politik ausgeschlossen waren. In diesem Zusammenhang betonte Frau Barrios auch, dass die Parteien interne Mechanismen schaffen müssten, um zum Beispiel die Beteiligung von Frauen, Jugendlichen oder ethnischen Minderheiten an der Politik zu fördern. Damit könnte auch eine stärkere Repräsentation solcher Gruppen bei den Wahlen erreicht werden.

Nach Ansicht von Jorge Rondón hätten die Abkommen von Havanna keinen Sinn, wenn dadurch nicht auch die Bürger in den Entscheidungsprozess über Public Policies mit integriert würden, vor allem in den Punkten Agrarreform und politische Mitsprache.

Die Panelisten waren sich darüber einig, dass ein Hauptgrund für den Konflikt in Kolumbien die schwache oder nicht existierende Präsenz staatlicher Institutionen in den Regionen sei. Daher müssten die Reformen in einem Postkonflikt vor allem auf solche Gebiete konzentriert werden.

Auch müssten maßgebliche Initiativen zur Friedenskonstruktion von der lokalen Ebene ausgehen. Hinsichtlich der fehlenden politischen Initiative im Kongress stellte man fest, dass die Organisationen der Zivilgesellschaft sich stärker engagieren sollten und die politische Mitbestimmung und Partizipation einfordern müssten.

Letztendlich wurde betont, dass die Abkommen von Havanna nicht das Ziel sondern der Ausgangpunkt seien, um die großen Reformen anzugehen, die das Land benötige.

An der Veranstaltung nahmen ca. 80 Personen teil, darunter Vertreter der Zivilgesellschaft, der lokalen Opferorganisation sowie Dozenten und Studenten verschiedener Universitäten der Stadt.

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