Einzeltitel

Interview: Rumänische Medien in der Vertrauenskrise

von Manuela Anastasova, Christian Spahr

KAS-Experte Christian Spahr: "Nur 20 Prozent glauben an unabhängige Medien"

Der Leiter des Medienprogramms Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) stellt in einem Interview für die Sendung "Medienmagazin" des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) Tendenzen der rumänischen Medienlandschaft dar und kommentiert Ergebnisse zweier neuer Erhebungen der KAS.

"Wir haben zum einen die politische Berichterstattung untersucht, das heißt, wie Zeitungen und Fernsehsender über politische Parteien und Spitzenpolitiker berichten. Dabei haben wir festgestellt, dass es durchaus große Unterschiede gibt, wie einzelne Medien mit den Politikern umgehen. Es ist eine Tendenz in Rumänien, aber auch in anderen Ländern Südosteuropas, dass die Medien sehr polarisiert sind und es weniger ausgewogene Berichterstattung gibt", erklärt Christian Spahr.

Parallel zum Monitoring der politischen Berichterstattung ließ das KAS-Medienprogramm auch die Meinung der Rumänen zu den Medien des Landes untersuchen. "Wir haben festgestellt, dass nur eine kleine Minderheit der Rumänen daran glaubt, dass die Medien unabhängig sind – 20 Prozent. Das ist ein alarmierender Wert", so Spahr.

Es gebe unbestritten Pressefreiheit in Rumänien, erläutert der KAS-Auslandsmitarbeiter. Man müsse aber unterscheiden zwischen der Pressefreiheit, die vom Staat gewährt wird, und der Pressefreiheit in der Praxis. "Die Bedingungen im Medienbereich selbst führen oft dazu, dass die Journalisten in ihrer Arbeit weniger frei sind". Die Gründe lägen großteils in der Struktur des Medieneigentums: "Medien werden oft betrieben, um politischen oder wirtschaftlichen Einfluss auszuüben, weniger als Angebot für die Bürger".

Spahr vergleicht anschließend die Medienfreiheit in Rumänien, das im neuesten Ranking von Reporter ohne Grenzen (ROG) auf Platz 45 liegt, mit der Lage in Bulgarien, das auf Platz 100 rangiert. "Was die Situation in Bulgarien angeht, haben wir auch eine Verschlechterung der Medienfreiheit in der Praxis beobachtet", sagt Spahr. "Die Grundprobleme der Länder sind ähnlich, das heißt, die Struktur des Medieneigentums ist unausgewogen, die Journalisten sind im Alltag weniger frei als zum Beispiel in Deutschland oder anderen west- und mitteleuropäischen Ländern". In Bulgarien ist die Bevölkerung in puncto Medienfreiheit noch etwas skeptischer als in Rumänien. Nur 14 Prozent der Bulgaren denken, dass die Medien unabhängig sind, zeigt eine andere Meinungsumfrage des KAS-Medienprogramms.

Das komplette Interview ist hier verfügbar.

Mehr zu den Studien hier