Veranstaltungsberichte

Mehr Unabhängigkeit durch neue Medienprojekte

von Dobrina Trifonova, Manuela Anastasova

Diskussion zu alternativen journalistischen Modellen

Die Artikel-10-EMRK-Arbeitsgruppe traf sich auf Einladung der KAS in Sofia und diskutierte alternative Geschäftsmodelle für Medien

Benannt nach dem Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), beschäftigt sich die internatio-nale Arbeitsgruppe mit Medienfreiheit und Medienrecht in Südosteuropa. Auf Einladung des KAS-Medienprogramms trafen sich die Experten aus zehn Ländern, um Perspektiven für alternative Medienprojekte in der Region zu diskutieren. Der Workshop fand vom 14. bis 16. September 2016 am Gründungsort der Arbeitsgruppe in Sofia statt.

Christian Spahr, Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa, eröffnete das Seminar und zeigte sich besorgt, dass das Vertrauen in die Medien in der Region weiter sinke. Dennoch betonte er, dass in den letzten Jahren etliche unabhängige Medieninitiativen gegründet worden seien. Er zeigte sich hoffnungsvoll, dass diese zu mehr Transparenz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beitragen können.

Prof. Dr. Johannes Weberling, Gründer der Arbeitsgruppe und Professor für Medienrecht an der Europa-Universität Viadrina, teilte die Einschätzung, dass neue Medienprojekte zu einer höheren Meinungsvielfalt beitragen könnten. In dieser Hinsicht wurden auch neue Rechtsformen für Medien diskutiert. Unter anderem wurden Mediengenossenschaften als Alternative vorgestellt, etwa die Form der "Europäischen Genossenschaft" (Societas Cooperativa Europaea, SCE). Prof. Dr. Weberling unterstrich, dass in der internen Struktur der genossenschaftliche Grundsatz "Ein Mitglied, eine Stimme" deutlich werden müsse. Die Mitglieder hätten die Entscheidungsbefugnis und externe Einflüsse könnten effektiver ausgeschlossen werden. Allerdings werde in Südosteuropa der Begriff "Genossenschaft" automatisch mit der kommunistischen Vergangenheit assoziiert, während in Deutschland die christlich-liberalen Ursprünge der Genossenschaftsidee bekannter seien. Um im Mediensektor erfolgreich angewandt zu werden, müsse das Konzept an länderspezifische Situationen angepasst und in einen neuen Kontext eingebettet werden.

Podiumsdiskussion zu alternativen journalistischen Modellen

Alternative Medienprojekte wie NGOs oder Vereine existieren bereits, aber es ist oft schwierig, diese nachhaltig zu finanzieren. Daher waren sich die Teilnehmer der Arbeitsgruppe einig, dass ein langfristig angelegtes Geschäftsmodell gefunden werden müsse. Nur so könne unabhängige Berichterstattung auf Dauer gewährleistet werden. Zum Beispiel könnten verschiedene Einnahmenarten kombiniert werden, etwa aus privaten und öffentlichen Quellen. Internationale Organisationen sollten miteinbezogen werden. Mit einer Mischfinanzierung werde mehr Neutralität angestrebt. Eine Herausforderung bleibe weiterhin, auch die Bürger zu überzeugen, für guten Journalismus zu zahlen, sagte der ungarische Medienexperte Dr. Gábor Polyák.

Um das Thema einem breiteren Publikum vorzustellen, fand eine am 15. September Podiumsdiskussion statt. An der Debatte beteiligten sich unter anderem Prof. Dr. Weberling, Thorsten Geißler, Leiter des KAS-Auslandsbüros Bulgarien, die investigative Journalistin Miranda Patrucić vom "Organized Crime and Corruption Reporting Project" (OCCRP) in Sarajevo, der internationale Redakteur der bulgarischen Medienplattform "KlinKlin", Ruslan Trad, und der Kommunikationschef von Freedom House Rumänien, Gelu Trandafir. Das Gespräch wurde von Christian Spahr moderiert.

Die Debatte war Thema in einer Sendung von "Horizont" (Bulgraisches Nationalradio). KAS-Experte Christian Spahr nahm als Gast daran teil.

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