Asset-Herausgeber

Veranstaltungsberichte

Regionalmedien kaum unabhängig

von Manuela Anastasova, Dobrina Trifonova

Bulgarische Experten fordern Transparenz

Am 6. Oktober 2015 stellte das bulgarische Center for the Study of Democracy (CSD) die Ergebnisse einer Studie zu regionalen Medien in Bulgarien vor. Das Projekt wurde vom Medienprogramm Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) unterstützt und ist Teil einer Veranstaltungsreihe über die Mediensituation Bulgariens.

Asset-Herausgeber

Das Event wurde von CSD-Finanzdirektor Dr. Mois Faion sowie Dobrina Trifonova, Projektkoordinatorin des KAS-Medienprogramms Südosteuropa, eröffnet. Referenten waren Dr. Lyubomir Kutin, Produzent und Moderator von Radio Warna, und Spas Spasov, Lokaljournalist der bulgarischen Zeitschrift "Dnevnik" für Warna.

Im Jahr 2015 untersuchte das Zentrum über 1.700 Artikel in 179 regionalen Medien. Die Studie zeigte, dass die Regionalredaktionen der öffentlichen und privaten nationalen Medien unregelmäßig verteilt sind. Zudem veröffentlicht ein Großteil der Medienunternehmen keine Informationen zu Inhabern, Redaktionsteam und Werbeeinnahmen. Überdies werden oft Urheberrechte in der Berichterstattung verletzt.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurden die Ergebnisse mit Gästen aus regionalen und nationalen Medien, NGOs und öffentlichen Einrichtungen diskutiert. CSD-Experte Tihomir Bezlov wies darauf hin, dass der Rückgang von Werbeeinnahmen außerhalb der Hauptstadt Sofia zu einem Überlebenskampf der Medien führe. Zusätzlich betonte Lokaljournalist Spas Spasov das Problem der unzureichenden Bezahlung von Journalisten. Diese seien gezwungen, zusätzliche Einkünfte in anderen Wirtschaftszweigen zu suchen oder Angebote anzunehmen, die die Unabhängigkeit ihrer Berichtserstattung gefährdet. "Wir brauchen mehr Initiativen, die die freie Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit stärken", so Radio-Moderator Lyubomir Kutin. Die Förderung von Transparenz in der regionalen Medienlandschaft bedeute eine langfristige Investition in Qualität und Glaubwürdigkeit der Medien, kommentierte Dobrina Trifonova vom KAS-Medienprogramm.

Zum Abschluss wurden mehrere Empfehlungen dargelegt:

  • Die Finanzierung der öffentlichen Medien sollte alle Regionen des Landes gleichmäßig abdecken und zielorientiert sein (Die Studie hielt fest, dass fünf Regionen in Bulgarien keine Lokalredaktion öffentlicher Medien besitzen - Lovech, Montana, Pernik, Silistra and Yambol).
  • Veröffentlichungen von Informationen über die Medieneigentümer, die Angestellten und die Werbedienstleister sollten gängige Praxis werden. Außerdem sollte ein Online-Register aller Medien eingerichtet werden.
  • Die Bedingungen für Werbe- und Informationsdienstleistungen sollten offiziell veröffentlicht und reguliert werden. Zudem sollte auf bezahlte Inhalte in den Medien klar hingewiesen werden.
  • Nichtregierungsorganisationen und Vereine sollten die Qualität der Medieninhalte beobachten und sowohl Medien als auch Journalisten dazu motivieren, mehr analytische und investigative Recherchen zu betreiben, z.B. auch durch die Vergabe von Journalistenpreisen.
  • Im Rahmen des operativen Programms für die Entwicklung von Humanressourcen der EU und des Europäischen Sozialfonds können Verbesserungsmaßnahmen für die Qualifizierung und professionelle Ausbildung von Journalisten geplant werden, mit besonderem Schwerpunkt auf Regionalredakteure.
Die Ziele des Studienprojekts wurden im Rahmen einer Konferenz zu den Eigentumsverhältnissen in der bulgarischen Medienlandschaft im März 2015 präsentiert.

Mehr Informationen dazu hier.

Asset-Herausgeber

comment-portlet

Asset-Herausgeber