Veranstaltungsberichte

Die wirtschaftliche Situation in Mexiko: Ein Dilemma der Wettbewerbsfähigkeit

Forum: „México Próspero“

Am 27. Oktober 2011 organisierte die KAS in Zusammenarbeit mit der Stiftung Rafael Preciado Hernández ein Forum zum Thema wirtschaftliche Zukunft Mexikos. In Anbetracht der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise tauschten sich Ökonomen sowie Experten aus Politik und Steuerwesen über die aktuellen Probleme und Herausforderungen für Mexikos Wirtschaft aus.

In einem einleitenden Vortrag betonte Frank Priess, Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mexiko, die Notwendigkeit einer ausgewogenen Balance zwischen Staat und Wirtschaft. Die aktuelle Griechenlandproblematik zeige, dass das System des sich selbst regulierenden Marktes und der damit verbundenen Entstaatlichung nicht zur gewünschten wirtschaftlichen Stabilität und Prosperität geführt habe. Deshalb appellierte er auf eine Stärkung der weltweiten politischen und wirtschaftlichen Kooperation mit dem Ziel, das internationale Finanzsystem zu festigen und neu zu strukturieren.

Fernando Canales, PAN-Mitglied und Moderator des Forums, stellte in Kürze das Parteiprogramm der PAN für die kommende Legislaturperiode 2012 bis 2018 vor. Er erklärte, dass mit Hilfe von verschiedenen Expertengremien ein Katalog erarbeitet wurde, welcher insgesamt sieben Themenfelder und grundsätzliche Forderungen umfasse, die Mexiko gerechter, nachhaltiger, sicherer, prosperierender, innovativer und gestärkter in seinen institutionellen Strukturen gestalten solle.

Dr. Robert Salinas León, Vorsitzender des Business Forum Mexiko, bescheinigte der mexikanischen Wirtschaft ein Wettbewerbsdefizit. Dies resultiere seiner Ansicht nach aus dem Mangel an Investitionen in die Infrastruktur und in das Bildungswesen sowie aus der unzureichenden Förderung neuer Technologien. Diesen Punkt betonte auch Dr. Juan Pardinas, Direktor des mexikanischen Instituts für Strategie und Wettbewerbsfähigkeit. Er wies in seinem Vortrag darauf hin, dass Mexikos Energiepolitik einen bedeutenden Beitrag zum Wettbewerbsdilemma leiste. Die Tatsache, dass der mexikanische Staat das Monopol über den Erdöl- und Stromsektor inne habe, beeinträchtige die Konkurrenzfähigkeit der nationalen Wirtschaft, insbesondere, da hohe Absatz- und Produktionspreise sowie eine geringe Effektivität und Qualität in ihrem Dienstleistungssektor zu einem Anstieg der Transaktionskosten führe. Auch äußerte er sich kritisch zu den erhöhten Benzinsubventionen, die seiner Meinung nach die wohlhabende Bevölkerung begünstige und zusätzlich die Treibhausgasemissionen fördere. Aus diesen Gründen sprachen sich beide Referenten für politische Reformen aus, die zu einer Verbesserung dieser Problempunkte führen würden.

Nicht nur im Bereich Wirtschaft und Energie müssten Reformen greifen, kommentierte Francisco Lelo de Larrea, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Wirtschaftsforschung. Ebenso sei es notwendig, das Steuersystem in Mexiko so zu modifizieren, dass alle Bevölkerungsteile gleichermaßen davon profitierten. Dafür müsse eine Vereinfachung des Steuerrechts sowie eine gerechtere Verteilung der Steuerabgaben und -einnahmen angestrebt werden. Konkret könne dies durch die Implementierung eines einheitlichen Steuersatzes erfolgen, welcher in der Folge die Transparenz steigern sowie die Höhe öffentlicher Ausgaben verringern würde.

Héctor Moreno Moreno, Forschungskoordinator des UN-Entwicklungsprogramms in Mexiko (UNDP), präsentierte als abschließender Referent den Index für Menschliche Entwicklung (HDI), der vom UN-Entwicklungsprogramm jährlich herausgegeben wird. Er erklärte, dass der HDI die verschiedenen Länder anhand des Durchschnitts dreier Werte - Lebenserwartung, BIP pro Kopf und Bildungsniveau -, auf ihr Entwicklungsniveau analysiere und anschließend bewerte. Diese Untersuchungsmethode auf den Fall Mexiko angewendet, habe für dieses Jahr ergeben, dass trotz einer nach wie vor existenten Ungleichgewichtsverteilung in der Höhe kommunaler Investitionen zwischen den einzelnen Bundesländern und Gemeinden, die Staatsausgaben in der Gesamtheit für Soziales und Gesundheit gestiegen seien, was sich positiv auf Mexikos Position im Index ausgewirkt habe.

Text: Janina Grimm-Huber