Veranstaltungsberichte

Digitalisierung: Nicht ob, sondern wie

Neusser Kulturtreff

Mensch bleiben in Zeiten rasanten technischen und digitalen Wandels. Wie das gelingen kann, war Thema des Neusser Kulturtreffs „Mensch und Digitalisierung – Wohin steuern wir?“. Fazit des Gesprächs war, die Digitalisierung aufgeschlossen als Chance zu begreifen, sich aber dennoch eine gesunde Skepsis zu bewahren.

Es war keine Debatte um Vor- und Nachteile der Digitalisierung, die Dr. Jörg Geerlings, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Neuss und Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow, Lehrstuhlinhaber für Medienökonomie und Medienmanagement an der Universität Paderborn, am Samstagvormittag beim Neusser Kulturtreff führten. „Die Digitalisierung ist keine Frage mehr der Technologie oder Machbarkeit“, sagte Prof. Müller-Lützkow, „sondern wir müssen uns überlegen, was wir daraus machen“.

Das Thema interessiert viele Menschen und die Pegelbar war bis auf den letzten Platz besetzt. Die digitale Transformation greift längst in viele Bereiche unseres alltäglichen Lebens ein. Sie verändert die Bildung und Arbeitswelt, die Art und Weise des Konsums und Miteinanders. Selbst vor unserem Privatleben und sensiblen Daten macht sie nicht Halt. Nun müsse sich jeder Einzelne überlegen, was er von sich preisgeben wolle und was nicht, gab Prof. Müller-Lützkow in seinem Impulsvortrag zu bedenken. Die Digitalisierung brächte viele Annehmlichkeiten für den modernen Menschen, aber der Preis dafür seien die Daten. Als Beispiel nannte er den Bereich E-Health. Die Digitalisierung eröffne gerade der Medizin viele neue Möglichkeiten wie Ferndiagnosen oder Gesundheitsapps. Die Technik sei bereits sehr weit, was aber fehle seien Gesetzesgrundlagen und auch der Wille vieler Menschen, sich auf diese Innovationen einzulassen.

Im nachfolgenden Gespräch mit Rechtsanwalt Dr. Geerlings sagte dieser, dass die Politik den digitalen Handlungsrahmen für Menschen und Unternehmen vorzugeben versuche. Diese Orientierung sei auch wichtig, aber an Transparenz fehle es in diesem Prozess, entgegnete Prof. Müller-Lützkow. Denn durch Intransparenz und unzureichende Aufklärung kämen falsche Einschätzungen zustande, wie etwa, dass die Digitalisierung den Menschen in der Arbeitswelt überflüssig machen könne. „Es wird Roboter geben, die bestimmte Tätigkeiten übernehmen können, aber sie sind Werkzeuge für uns. Arbeit wird sich lediglich neu definieren“, sagte Prof. Müller-Lützkow.

Gerade für diesen Prozess wünschen sich besonders die Menschen, die keine Digital Natives sind, eine bessere Begleitung. So entstand im Publikum die Diskussion, ob es nicht zum Beispiel möglich sei, Tablet-Schulungen anzubieten, gemeinsam Social Media kennenzulernen oder neue Arbeitsplätze anregender zu gestalten. Ein wichtiger Gedanke war auch die Inklusion behinderter Menschen.

Für Dr. Geerlings ermöglicht die Digitalisierung allen Menschen eine bessere Teilhabe an der Gesellschaft, nicht nur im politischen und sozialen Bereich, sondern auch besonders im Wissensbereich. Moderator Dr. Ludger Gruber, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Nordrhein-Westfalen, führte den Gedanken weiter und regte an, dass der aufgeklärte Mensch im Mittelpunkt digitalen Wandels stehen müsse, wofür gerade eine digitale Bildung unerlässlich sei. Allerdings dürfe der neue Aspekt der Digitalisierung nicht alle bisherigen Errungenschaften unseres Bildungswesen über Bord werfen, ergänzte Prof. Müller-Lützkow. „Wie wir die Digitalisierung integrieren, ist entscheidend“, sagte er. Am besten solle man bei der Lehrerbildung beginnen, weil hier bisher „gnadenlos versagt“ wurde.

Viele Aspekte wurden im Gespräch angesprochen, was vor Augen führte, wie sehr die Digitalisierung bereits Teil des Alltags geworden ist – bewusst und unbewusst. Zum Abschluss der Veranstaltung lud das Regionalbüro Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung zum weiteren Verweilen und Diskutieren in der Pegelbar mit Blick über die Dächer von Neuss ein. Dabei spielte das Eva Kleese Quartett einige Jazz-Stücke. Die Band um Eva Klesse, Evgeny Ring, Philip Frischkorn und Robert Lucaciu begeisterte dabei mit ihren Instrumenten ganz analog.

Von Anne Odendahl

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