Veranstaltungsberichte

Indigene Frauen auf dem Weg zu effektiver politischer Partizipation

von Bernardo Ponce

Mexiko

Das Regionalprogramm PPI lud indigene Frauen aus Bolivien, Kolumbien, Costa Rica, Chile, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Paraguay und Peru nach Mexiko-Stadt ein, um die Schwierigkeiten und Herausforderungen zu diskutieren, welchen sie sich im Rahmen ihres politischen Engagements ausgesetzt sehen

Im Laufe des Workshops hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich über ihre persönlichen Erfahrungen in Bezug auf politische Partizipation auszutauschen und die allgemeine Ausganssituation hierfür in ihren jeweiligen Herkunftsländern zu diskutieren. Der Austausch diente dem Ziel grundlegende Schwierigkeiten und Herausforderungen für die politische Partizipation indigener Frauen zu identifizieren.

Um diese Schwierigkeiten und Herausforderungen systematisch zu analysieren, organisierten die Teilnehmerrinnen im Rahmen des Seminars vier Workshops mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.

Diese vier Diskussionsforen waren:

  • Workshop 1: Politische Partizipation von Frauen – neue Akteure, Fortschritte, Rückschritte und Abhängigkeiten auf nationaler und sub-nationaler Ebene.
  • Workshop 2: Gesetzliche Fortschritte und juristische Resolutionen bezüglich der politischen Partizipation von Frauen 
  • Workshop 3: Aufbau von Frauen in Führungspositionen: Einzug, Partizipation und Permanenz im politischen Raum
  • Workshop 4: Bildung als entscheidender Faktor für Partizipation und die Bedeutung von Professionalisierung für aktive politische Beteiligung.

Einer der strittigsten Diskussionspunkte war der Nutzen von Frauen-Quoten. Als konkretes Beispiel dienten die Kandidatenlisten für kommende Wahlen. Die Teilnehmerrinnen waren hier gespaltener Meinung und präsentierten sowohl Argumente für als auch gegen derartige Quoten.

Die Ergebnisse des gesamten Seminars lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Es scheint, als würde das Thema indigener politischer Partizipation vor allem von den politisch links ausgerichteten Parteien aufgebracht. Nichtsdestotrotz muss darauf verwiesen werden, dass auch die demokratisch-christlichen Parteien sich der Bedeutung dieses Themas bewusst sind. Früher betrachten diese politisch rechts angesiedelten Parteien die indigene Bevölkerung als einen ihrer natürlichen Verbündeten.
  • Das Thema der politischen Partizipation indigener Frauen impliziert die Einbeziehung verwandter Themen wie Bildung und Interkulturalität. Diese Zusammenhänge werden in der aktuellen politischen Praxis jedoch zumeist vernachlässigt. Es ist wichtig, den Frauen eine formale Bildung zukommen zu lassen, damit sie die Regeln und Funktionsweisen des politischen Betriebs früh erlernen und verinnerlichen. Gleichzeitig muss jedoch ein möglicher Entfremdungsprozess von der indigenen Gemeinschaft vermieden werden.
  • Die politischen Parteien entfremden sich zunehmend von der Gesellschaft. Diese Organisationen haben es versäumt, gesellschaftliche relevante Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechtergleichheit in ihre politischen Programme aufzunehmen. Darüber hinaus repräsentiert ihre interne Zusammensetzung keineswegs die Zusammensetzung der Gesellschaft. 
  • Um die Sichtbarkeit der indigenen Bevölkerung in der Politik zu verbessern, ist die Schaffung von indigenen politischen Parteien und die Etablierung effektiver Beteiligungsmechanismen notwendig. Dies ist unabdingbar, um auf die vielfältigen Herausforderungen reagieren zu können, mit denen sich die indigene Bevölkerung zunehmend konfrontiert sieht. Zu diesen Herausforderungen zählen unter anderem: Globalisierung, Megaprojekte in indigen geprägten Landesteilen, Verletzungen der Konvention 169 der ILO, erzwungene Umsiedlung und Grenzkonflikte. All diese Herausforderungen und Probleme haben einen direkten Einfluss auf die Lebensweise der indigenen Völker. Mit den gegenwärtig existieren Mechanismen für politische Partizipation ist es den indigenen Völkern jedoch nicht möglich, sich effektiv gegen diese Einflüsse zur Wehr zu setzen.
  • Im Kontext Latinoamerikas existieren einige Faktoren, die eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Politik begünstigen könnten. Zum einen steigt das Misstrauen gegenüber politischen Parteien, wodurch politisch unabhängigen Kandidaten ein Vorteil entsteht. Darüber hinaus spielen die sozialen Medien eine zunehmend wichtigere Rolle für politische Prozessen auf politischen allen Ebenen. Zudem wurden zahlreiche neue Quoten und Gleichstellungsgesetze beschlossen, durch die Frauen besser in die Politik eingebunden werden sollen.
  • Zu guter Letzt ist darauf hinzuweisen, dass die Politik immer nach neuen, ‚unverbrauchten‘ Gesichtern sucht. Dies stellt eine doppelte Möglichkeit für Frauen dar. Politisch Unerfahrene können leichter in der Politik Fuß fassen und politisch erfahrene Frauen bietet sich hierdurch die Möglichkeit zu politischem Aufstieg.

Der Workshop hat dazu beigetragen, die Werte und Ziele welche vom Regionalprogramm für PPI vertreten werden, konstruktiv zu verfolgen. Es ist erneut gelungen, einen breiten interkulturellen Dialog zu initiieren, durch den verschiedene Standpunkte aufgezeigt und konstruktiv diskutiert werden konnten.